Bisher wird Klärwasser nicht auf Bakterien untersucht

Multiresistente Keime: Thema beschäftigt die Syker Stadtverwaltung

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Kann das hauseigene Labor der Syker Kläranlage Proben auf multiresistente Keime untersuchen? Das gilt es noch herauszufinden.

Syke - Von Michael Walter. Es ist eine unheimliche, weil unsichtbare Bedrohung: Krankheitserreger, gegen die kein gängiges Medikament mehr wirkt.

Wie real diese Bedrohung ist, hat vorige Woche eine Untersuchung des NDR gezeigt: In allen zwölf untersuchten Proben aus Bächen, Flüssen und zwei Badeseen in Niedersachsen haben Wissenschaftler Krankheitserreger gefunden, die gegen die meisten Antibiotika resistent sind.

Und obwohl keine dieser Proben in Syke gezogen worden ist, macht sich seitdem auch die Syker Stadtverwaltung so ihre Gedanken zu dem Thema.

Vorkommen in Syke durchaus möglich

Denn: Niemand weiß bisher, ob solch multiresistente Keime auch in der Syker Kläranlage vorhanden sind. Die Wahrscheinlichkeit ist groß: Es gibt auch in Syke und umzu Massentierhaltung, bei der Antibiotika zum Einsatz kommt. Bakterien, die gegen diese Antibiotika eine Resistenz entwickelt haben, könnten über die Kanalisation in die Kläranlage gelangen – und von dort aus mit dem geklärten Abwasser in die Hache, also in die Umwelt.

Zwar nehmen die Techniker im Klärwerk täglich Wasserproben. „Bisher werden die allerdings nicht auf Krankheitserreger untersucht“, sagt Betriebsleiter Stefan Ehlers, „sondern vor allem auf Kohlenstoffbelastung, Nitrite, Nitrate und Phosphate.“ Bakterien können seine Labortechniker lediglich unterm Mikroskop untersuchen. „Und dabei handelt es sich um Bakterien, die wir für den Klärprozess benötigen.“

Jetzt sollen Proben genommen werden

Zu wissen, ob es überhaupt Krankheitserreger im geklärten Abwasser gibt, und – falls ja – ob sie resistent gegen Antibiotika sind, hält Ehlers ebenso für unerlässlich wie Bürgermeisterin Suse Laue. Deswegen sollen jetzt so schnell wie möglich Proben genommen werden. „Erst mal müssen wir feststellen, ob unser eigenes Labor das überhaupt untersuchen kann“, sagt Ehlers. „Und wenn nicht, müssen wir ein externes Labor dafür finden.“

Und wenn das Labor fündig wird? „Dann müssen wir die Kläranlage aufrüsten“, sagt Laue. Der Zeitpunkt wäre günstig. Denn ohnehin steht der Stadt eine Modernisierung des Klärwerks bevor.

Mehrere Punkte hat die Stadt dabei im Blick: Da wäre zum einen die Ertüchtigung der technischen Anlagen. „Einige Maschinen stammen noch aus der Zeit zwischen 1980 und 1984“, sagt Stefan Ehlers. „Und der Rest ist auch schon wieder 20 Jahre alt.“ Zum anderen wäre da der Aspekt, den Stromverbrauch zu reduzieren. Und zum dritten die eigentliche Verfahrenstechnik. 

Klärprozess weiter optimieren

Fragestellung: Wie lassen sich die Abläufe des Klärprozesses weiter optimieren? „Wir sind noch ganz am Anfang“, sagt Laue. Ein Fachbüro hat bereits eine Bestandsaufnahme gemacht. Die Auswertung sollte eigentlich nächsten Monat vorliegen. Jetzt wäre also der ideale Zeitpunkt, das Thema multiresistente Keime noch in die Planungen mit einzufügen. Zumal das thematisch eindeutig unter den Aspekt Verfahrenstechnik fallen würde.

Aber gibt es überhaupt technische Verfahren, mit denen sich Keime wirksam herausfiltern lassen? „Filter im eigentlichen Sinne nicht“, sagt Stefan Ehlers. „Man kann das geklärte Wasser aber mit UV-Licht bestrahlen. München macht das zum Beispiel, weil die Isar auch als Badegewässer genutzt wird. Und dann gibt es noch die Behandlung mit Ozon.“

Der vorläufige Zeitplan sieht laut Bürgermeisterin Suse Laue so aus: Wasserproben im und ums Klärwerk sollen so schnell wie möglich gezogen und untersucht werden. Eine Planung für die Modernisierung der Kläranlage soll im ersten Halbjahr 2018 vorliegen. Im zweiten Halbjahr soll die politische Beratung erfolgen. Und 2019 würden die mehrjährigen Arbeiten beginnen.

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