„Dann kannst du ja gehen“

Quartiersmanagement im Ortsrat Barrien abgeblitzt

Barrien - Von Heiner Büntemeyer. Barriens Ortsbürgermeister Manfred Nienaber (CDU) hält ein Quartiersmanagement in Barrien für überflüssig. „Es gibt hier ein Zusammengehörigkeitsgefühl und ein gutes Vereinsleben“, erklärte er während der Ortsratssitzung am Mittwochabend vor gut 30 Zuhörern im Feuerwehrgerätehaus.

Bei seinen Besuchen bei älteren Mitbürgern habe er den Eindruck gewonnen, die Einwohner fühlten sich betreut und hätten gute Nachbarn. „Wer darüber anders denkt, ist herzlich eingeladen, sich einzubringen, Sache des Ortsrates ist das jedenfalls nicht“, so Nienaber.

Realität sieht ganz anders aus

Sein Kollege Ralf Eggers (CDU) hatte das Statement des Ortsbürgermeisters ein wenig entschärft, doch Wilfried Seifert, Mitglied im Seniorenbeirat der Stadt, wollte Nienabers Aussage nicht so im Raum stehen lassen. Das sei „vermessen“, meinte er. In der Einwohnerfragestunde verwies er auf die mit gutem Erfolg angelaufenen Quartiersprojekte in Okel, Schnepke und Osterholz. Ähnliche Strukturen müssten überall geschaffen werden, die Realität sei anders, als der Ortsbürgermeister sie geschildert habe.

„Wenn dir das nicht gefällt, dann kannst du ja gehen“, entgegnete Nienaber und beendete die Diskussion, die er als „Belehrung“ auffasste. – Ein Hinweis, den Seifert nicht allein befolgte.

Kommentar

„Unangemessen und undemokratisch“

Von Heiner Büntemeyer. - Über den Nutzen von Ortsräten ist schon häufig laut nachgedacht worden. Die Einrichtung von Ortsräten kostet Geld, ihre Bedeutung dagegen ist minimal. Vermutlich wurden sie vor 40 Jahren bei der ungeliebten Zusammenlegung der Ortschaften zur Stadt Syke der Bevölkerung in den betroffenen Dörfern als eine Art Beruhigungspille verabreicht.

Wenn Ortsräte eine Funktion haben, die über das Vorschlagsrecht von Straßennamen hinausgeht, dann ist diese mit dem Begriff Bürgernähe vielleicht am besten beschrieben. Dazu gehört, dass im Ortsrat Meinungen im Dorf aufgegriffen und diskutiert werden und andererseits den Bürgern Ratsbeschlüsse und Maßnahmen der Verwaltung verständlich gemacht werden. Diese Aufgabe setzt eine gewisse Sensibilität voraus, die Fähigkeit zum Zuhören und die zur Bereitschaft zur Diskussion mit den Bürgern. Das geplante Quartiersmanagement stellt eine wunderbare Plattform dar, um darüber und mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen– sollte man meinen. Die Ortsbürgermeister in anderen Ortsteilen haben diese Chance beherzt genutzt. Barriens Ortsbürgermeister Manfred Nienaber wäre gut beraten gewesen, dieses Thema aufzugreifen und dazu die Meinung der übrigen Ratsmitglieder und in der Fragestunde auch die der Zuhörer einzuholen.

Natürlich muss auch der Ortsbürgermeister seine Meinung sagen. Er sollte sich aber dessen bewusst sein, dass es auch andere Meinungen geben könnte. Er sollte auch souverän genug sein, in solchen Diskussionen nicht unbedingt darauf zu achten, dass die Statements der Zuhörer am Ende ein Fragezeichen haben. Sich auf den Begriff Einwohnerfragestunde zu versteifen, und den Bürgern die Anzahl der geäußerten Sätze vorzuzählen, ist schlechter Stil. Ihnen dann auch noch den Rat zu geben, nach Hause zu gehen, wenn ihnen die Meinung des Ortsbürgermeisters nicht passt, ist nicht nur hochgradig undemokratisch, sondern auch dem Amt eines Ortsbürgermeisters unangemessen."

Rubriklistenbild: © dpa

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