Kontaktverbot wegen Corona-Pandemie

Skype im Seniorenheim: Barrier Einrichtung geht neue Wege

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Wenn echter Besuch nicht mehr möglich ist, muss es halt eine technische Lösung geben. Roman Wohlgemuth (Mitte) und Thorsten Kerth wollen im Barrier DRK-Seniorenheim per Videotelefonie den Kontakt zwischen Bewohnern und deren Angehörigen ermöglichen.

Der digitale Aufschwung wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie macht auch vor dem DRK-Seniorenheim in Barrien nicht Halt. Dort sollen die Einwohner schon in Kürze Videotelefonie über Skype nutzen können.

Barrien – Kommste übern Hund, kommste übern Stert. Eine alte norddeutsche Redensart, die sinngemäß so viel heißt wie: Das eine zieht das Nächste nach sich. Das kann negativ sein. Etwa wenn eine vermeintliche Kleinigkeit immer weiter ausufert und kein Ende zu nehmen droht. Das kann aber auch positiv sein. Etwa wenn aus einer kleinen guten Idee für einen Einzelnen Vorteile für alle entstehen. So wie bei Thorsten Kerth und Roman Wohlgemuth.

Thorsten Kerth leitet das DRK-Seniorenheim in Barrien, Roman Wohlgemuth ist der Betreuer eines väterlichen Freunds, der seit ein paar Jahren dort lebt. Beide haben unabhängig von einander über dieselbe Frage nachgegrübelt: Wie kriegen wir in Zeiten von Corona und Besuchsverbot eine zuverlässige Kontaktmöglichkeit hin?

Corona-Krise erreicht Seniorenheime: Experimente mit WhatsApp-Videotelefonie

Thorsten Kerth hat bereits mit WhatsApp-Videotelefonie experimentiert. Das funktioniert, ist aber nicht ideal. „Unsere Mitarbeiter gehen dafür mit ihren privaten Handys ans Bett“, erklärt der Heimleiter. „Aber das Personal kann ja nicht den ganzen Tag mit dem Handy hin und her rennen.“ Und hinzu kommt: Auf dem kleinen Handy-Display können pflegebedürftige Senioren mitunter nicht allzu viel erkennen.

Roman Wohlgemuth hatte in eine andere Richtung gedacht und für seinen Betreuten Skype mit Bildwiedergabe auf den Fernsehschirm einrichten wollen. Als er darüber mit Thorsten Kerth sprach, war der sofort Feuer und Flamme. Und dann kam eins zum anderen. Schnell waren sie sich einig: Alle Bewohner sollten die Möglichkeit haben, per Skype mit ihren Liebsten zu kommunizieren.

Die Videotelefonie soll nicht nur privat für Wohlgemuths väterlichen Freund in dessen Zimmer kommen, sondern für alle. Dazu soll der Fernsehraum Skype-fähig gemacht werden.

IT-Firma aus Syke soll Skype-Videotelefonie in Seniorenheim prüfen

Thorsten Kerth konnte sich gut vorstellen, den Fernsehraum im Erdgeschoss dafür umzurüsten, und konsultierte die Syker Firma AVS, um die technischen Möglichkeiten auszuloten. Ergebnis: „Das wird jetzt so, wie wir das zuhause auch machen würden. Im Besucherbereich im Erdgeschoss haben wir ein offenes WLAN. Das ist im Fernsehraum stark genug, um dort Skype einzurichten. Die Verbindung bauen wir über ein Laptop auf. Dann spiegeln wir das Bildsignal auf den Fernsehschirm und installieren darüber eine kleine Webcam.“

Aus der Fernsehstube würde damit zu bestimmten Tageszeiten eine Art Video-Telefonzelle. Und alle Bewohner sollen das gleiche Recht haben, sich darüber mit ihren Angehörigen zu verbinden.

Skype in der Corona-Krise: „Kontakt ist so wichtig“

Die Kosten dafür übernimmt Roman Wohlgemuth komplett. Als Spende. Und sein väterlicher Freund bekommt darüber hinaus eine private Installation in seinem Zimmer. Da er bettlägerig ist, könnte er von der Lösung im Fernsehraum nicht profitieren. „Kontakt ist so wichtig für die Bewohner“, sagt Wohlgemuth. Und Thorsten Kerth hakt ein: „Wir konnten uns sehr schnell ausmalen, was über kurz oder lang passieren würde, wenn man den Bewohnern den Besuch wegnimmt.“

Kerth weiter: „Herr Wohlgemuth und ich stehen beide auf dem Standpunkt ‚Geht nicht gibt’s nicht, und lange dauern geht schon gar nicht.‘ Wir spinnen gerne mal solche Ideen, und fast immer kommt auch etwas dabei raus.“

Coronavirus: Skype im Seniorenheim ist nicht so schnell installiert

Das mit dem „lange dauern geht schon gar nicht“ ist allerdings der bislang einzige Haken an der ganzen Sache: Ein bis zwei Wochen wird es schon brauchen, bis alles funktioniert. „Einige wichtige Teile haben im Moment Lieferzeiten“, sagt Kerth. Das soll der optimistischen Stimmung aber keinen Abbruch tun. „Diese Wartezeit überbrücken wir mit WhatsApp“, sagt Kerth. „Und dann schauen einfach mal, wie es sich bewährt. Kann durchaus sein, dass wir dann einen zweiten Zugangspunkt im Obergeschoss einrichten. Für die Bewohner, die nicht mehr so mobil sind, dass sie ins Untergeschoss kommen können.“ Roman Wohlgemuth wäre dann auf jeden Fall wieder mit dabei. Und das alte norddeutsche Sprichwort hätte sich bewahrheitet: Kommste übern Hund, kommste übern Stert.

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