Bürgertelefon steht nicht still

Coronavirus im Landkreis Diepholz: Nur keine Panik!

Atemschutzmasken gibt es in verschiedenen Qualitäten. Diese gehören zur Schutzklasse FFP 2 und FFP 3 und sind für medizinisches Personal gedacht, sollte es Corona-Infizierte betreuen müssen. Die OP-Atemschutzmasken, die in der Klinik Sulingen gestohlen worden sind, haben keine Schutzwirkung gegen das Virus. Foto: Dpa/Foto: Daniel Karmann
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Atemschutzmasken gibt es in verschiedenen Qualitäten. Diese gehören zur Schutzklasse FFP 2 und FFP 3 und sind für medizinisches Personal gedacht, sollte es Corona-Infizierte betreuen müssen. Die OP-Atemschutzmasken, die in der Klinik Sulingen gestohlen worden sind, haben keine Schutzwirkung gegen das Virus.

Zurzeit gibt es weder eine bestätigte Infektion noch einen Verdachtsfall im Landkreis Diepholz. Aber die Angst vor dem Coronavirus ist spürbar. Dabei sind die Kliniken auf den Ernstfall vorbereitet.

  • Diebstahl: Atemschutzmasken aus der Klinik in Sulingen gestohlen
  • Experte: Atemschutzmasken als Coronavirus-Schutz völlig unnötig
  • Kliniken im Landkreis Diepholz auf Coronavirus vorbereitet

Landkreis Diepholz – In Arztpraxen und Krankenhäusern melden sich mehr Patienten, und die Kliniken müssen sich vor Diebstählen von Atemschutzmasken schützen. Eine Atemschutzmaske der Kategorie FFP3 bietet ein Bürger aus dem Landkreis Verden für 30 Euro im Internet an. Nach wenigen Minuten ist die Kleinanzeige verschwunden, die Maske hat offensichtlich im Nu einen Käufer gefunden. Auch in Delmenhorst, Bremen oder Vechta sind solche Masken im Angebot – für bis zu 75 Euro.

Immerhin: Die Maske FFP3 kann mindestens 99 Prozent Schutz vor Viren oder Bakterien bieten – ganz anders als die OP-Masken, die Unbekannte vor wenigen Tagen in der Klinik Sulingen gestohlen haben. Die Polizei hatte 1 200 gestohlene OP-Atemschutzmasken gemeldet. „Es waren 1 000, 20 Pakete zu je 50 Stück“, korrigiert Uwe Lorenz als Geschäftsführer der Kliniken im Landkreis Diepholz.

Coronavirus im Landkreis Diepholz: Atemschutzmasken völlig unnötig

Wer die Masken gestohlen hat – und damit womöglich Geschäfte mit Menschen in Angst machen will – ist unklar. Die Pakete mit den OP-Masken standen in der Schleuse zum Operationssaal. „Sie ist abgeschlossen“, sagt Uwe Lorenz. Doch am Tag des Diebstahls hätten nicht nur Klinikmitarbeiter Zugang zu diesem Bereich gehabt: „Es waren auch Mitarbeiter von Fremdfirmen und Handwerker im Haus.“

Dass Atemschutzmasken als Coronavirus-Schutz völlig unnötig sind, hatten Fachleute in den vergangenen Tagen fast gebetsmühlenartig wiederholt. Im Landkreis Diepholz besteht ohnehin kaum Ansteckungsgefahr: „Wir schätzen das Risiko nach wie vor als gering ein“, so Kreisrätin Ulrike Tammen.

Coronavirus im Landkreis Diepholz: Bürgertelefon steht nicht still

„Gegen CoViD2019 schützen OP-Masken nicht“, erläutert Dr. Christoph Lanzendörfer, Mediziner und regionaler Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung. Mit Nachdruck rät der Hausarzt und Internist, der auch Sucht-, Sport- und Rettungsmediziner ist, zur Besonnenheit. Ja, die Zahl der nachfragenden Patienten in den Praxen sei gestiegen. Aber sie würden in der Regel richtig reagieren: „Sie rufen an und fragen: Muss ich kommen?“ Husten, Fieber, Schnupfen und Heiserkeit allein seien aber noch kein Grund zur Sorge. Das Wichtigste sei der Kontakt zu nachweislich Infizierten, betont Dr. Lanzendörfer. Auch der Aufenthalt in einem Coronavirus-Risikogebiet kann ein Grund für einen Anruf beim Arzt sein. So hatte sich eine Frau bei ihrer Rückkehr aus Italien vorsorglich bei ihrer Hausärztin gemeldet: „Sie hatte noch nicht einmal Symptome.“ Zur Vorsicht sei die Frau dann einige Tage zuhause geblieben.

Derweil steht das Bürgertelefon im Kreishaus in Diepholz nicht still, berichtet Kreisrätin Ulrike Tammen. Von Hysterie will sie nicht sprechen. Aber von einer „nicht erklärbaren Unruhe“ in der Bevölkerung. Denn immer wieder fragen besorgte Bürger nach – auch bei der Einsatz- und Rettungsleitstelle. Eine auffällige Zahl von Besorgten würde sich nach dem Hausarztbesuch sogar direkt in den Kliniken vorstellen – ohne ein möglicher Verdachtsfall zu sein.

Vereinzelt, so die Kreisrätin, habe es im Landkreis Diepholz begründete Coronavirus-Verdachtsfälle gegeben. „Sie haben sich aber alle nicht bestätigt.“ Per Abstrich seien alle Betroffenen getestet worden. Ergebnis in allen Fällen: negativ, kein CoViD2019.

Coronavirus im Landkreis Diepholz: Kliniken sind vorbereitet

Das Charakteristische an CoViD2019 sei die hohe Konzentration der Viren im Rachen, erklärt Dr. Lanzendörfer, die zunächst unbemerkt bleibe: „Die Infektion wird erst später vom Körper registriert.“ Sie könne aber auch völlig ohne Symptome verlaufen. Menschen tragen das Virus in dem Fall unbemerkt weiter. Ersten groben Schätzungen zufolge würde in unseren Breitengraden von sieben Infizierten nur einer erkranken, erläutert der Arzt.

Dr. Christoph Lanzendörfer rät – genau wie Kreisrätin Ulrike Tammen – unbedingt zur Besonnenheit: „Ganz schlecht ist es, wenn man einfach in die Praxis kommt. Denn dort steckt man entweder andere Patienten an – oder man wird selbst angesteckt.“

Die Kliniken im Landkreis Diepholz sind auf einen Corona-Fall vorbereitet, betont Klinikverbund-Geschäftsführer Uwe Lorenz: „Räumlich, personell und inhaltlich“ würde ein solcher Patient vom regulären Krankenhausbetrieb isoliert. „Wir sind ganz nah dran, immer im Austausch“, berichtet der Geschäftsführer über die Zusammenarbeit mit dem Landkreis und anderen Institutionen. Unabhängig davon verfügen die Klinken bereits über aktuelle Infektionsausbruchspläne bei Influenza: Grippewellen gibt es schließlich immer wieder.

Coronavirus im Landkreis Diepholz: Maskendiebstahl beeinflusst Klinikalltag nicht

Der Diebstahl der OP-Masken beeinträchtigt den Klinikalltag in Sulingen im Übrigen nicht. Zum einen könnten sich die drei Kliniken im Landkreis gegenseitig mit Material unterstützen. Zum anderen seien sie einem Einkaufsverbund angeschlossen. Dieser Verbund habe sich längst entsprechend eingedeckt: „Nachschub ist kein Problem“, sagt Uwe Lorenz – und betont zur aktuellen Situation im Landkreis Diepholz: „Panik ist wirklich nicht angebracht!“

Trotzdem ist es auch im Landkreis Diepholz schon zu Hamsterkäufen gekommen. Darauf ließ zumindest eine Kundin schließen, die in einem Supermarkt einen Karton voller Konservendosen erwarb sowie paketweise Reis und Nudeln. Ob die aus China oder Italien stammten, fragte sie allerdings nicht.

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