Null Arbeit, null Einkommen, null Hilfe

Corona-Pandemie: Für Freiberufler geht es um die blanke Existenz

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Mit Konzerten am offenen Fenster hat Hauke Kranz einschlägige Erfahrungen gesammelt. Seit 2018 bietet die Syker Pianistin und Klavierlehrerin solche Fensterkonzerte immer wieder mal an.

Was macht eigentlich ein Musiker, wenn er keine Konzerte mehr spielen darf? Darauf hat die Politik in der Corona-Krise noch keine Antwort gefunden. Die Syker Pianistin Hauke Kranz hat zumindest einen Weg gefunden, ihrer Kreativität weiterhin freien Lauf zu lassen.

Syke – Wie sieht der Alltag einer Musikerin in „Einzelhaft zuhause“ aus? Was sind die besonderen Herausforderungen, wenn Corona sämtliche Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten brach liegen lässt? Wenn wir jetzt ein dummes Wortspiel dazu machen wollten, würden wir sagen: Die Pianistin Hauke Kranz kann ein Lied davon singen.

„Ich möchte keine Jammergeschichte erzählen, obwohl ich das könnte“, sagt die freiberufliche Profi-Musikerin und Klavierlehrerin. „Alle Konzerte bis zum Sommer sind abgesagt. Unterricht ist auch nicht mehr möglich. Das heißt: Null Einkommen für mich.“

Coronavirus: Musiker haben keine Anlaufstelle für finanzielle Hilfe

Staatliche Hilfe gibt es derzeit keine. Kranz: „Es gibt zwar Versprechungen, aber noch keine Stelle, wo wir Musiker und Künstler Gelder beantragen könnten.“

Konkret heißt das: Für die Sykerin wird es finanziell jetzt ernst. „Meine Rücklagen sind ab April aufgebraucht. Ich müsste mich dann arbeitslos melden. Aber auch da ist bei Freiberuflern das Verfahren noch nicht klar.“

Hauke Kranz bleibt erstmal nur, die Ausgaben zu minimieren. Heißt: Die üblichen Steuervorauszahlungen und die Beiträge zur Künstlersozialkasse zu verringern. „Ansonsten kann ich nur hoffen, dass mein privates Umfeld mich mitträgt und meine Schüler noch eine Weile stillhalten. Im Moment bleibt nur Krisenmanagement. Alles andere – Petitionen, Spendenaufrufe – ist noch sehr zäh. Das gibt es zwar alles schon, da passiert aber noch nicht besonders viel.“

Corona-Krise: Auch positive Erfahrungen

Es gibt aber auch positive Erfahrungen. Hauke Kranz erlebt gerade einen besonderen Zusammenhalt unter Musikern und Künstlern. „Wir spielen zum Beispiel online Konzerte“, erzählt sie. „Jeder seinen Teil, und hinterher wird das dann zusammengeschnitten und klingt wie ein richtiges Konzert.“

Richtig gut findet sie die „Balkonkonzerte“, die neulich aus Italien nach Deutschland herübergeschwappt sind. Jeden Sonntag um 18 Uhr spielen Musiker von Balkonen, Dachterrassen, aus Gärten und Wohnzimmern die „Ode an die Freude“. Und manche geben anschließend noch ein richtiges Konzert.

„Ich bin dabei“, sagt Hauke Kranz. „Solange, bis wir wieder echte Konzerte spielen können.“ Ihren Beitrag überträgt sie auch als Livestream auf Facebook und sammelt die Videos, um sie anschließend auf ihrem Youtube-Kanal zu veröffentlichen.

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