Containerweise Sperrmüll

Spenden-Ärger nach Hochwasser: „Kriegen mehr Schrott als Brauchbares“

Janine Wienecke vor gespendeten Artikeln, die sich in einem Raum bis unter die Decke stapeln.
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Janine Wienecke zeigt‘s: Der ehemalige Frühstücksraum von Wessels Hotel ist voll bis unter die Decke mit brauchbaren, teils sogar neuen Spenden für die Opfer der Flutkatastrophe in Ahrweiler. Darüber freuen sie und ihr Partner Thorsten Selle sich sehr. Die Medaille hat aber auch eine Kehrseite.

Janine Wienecke und Thorsten Selle sammeln Spenden für das Hochwassergebiet Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Hilfsbereitschaft der Syker ist riesig: Der ehemalige Frühstücksraum von Wessels Hotel, den sie für ihre Aktion als Lager nutzen dürfen, ist voll bis unters Dach. Aber die Medaille hat auch eine Kehrseite: „Wir bekommen mehr Schrott als Brauchbares.“

Syke – Es ist genau so gekommen, wie Thorsten Selle und Janine Wienecke es befürchtet hatten: Seit Ende August sammelt das Syker Unternehmerpaar Sachspenden für die Katastrophenregion Bad Neuenahr-Ahrweiler, die im Juli vom Hochwasser verwüstet worden war. Die gute Nachricht ist: Die Hilfsbereitschaft ist riesig. Der ehemalige Frühstücksraum von Wessels Hotel, den sie als Lager nutzen können, ist voll bis unter die Decke. Die schlechte Nachricht ist: Viele verwechseln anscheinend die Spendensammlung mit einer Sperrmüllentsorgung.

Fleckige Bettwäsche und seit Jahren abgelaufene Lebensmittel

„Wir bekommen mehr Schrott als Brauchbares“, sagt Janine Wienecke. Und zwar kubikmeterweise. „Der erste Müllcontainer war nach noch nicht mal einer Woche voll.“ Gegenwärtig stehen zwei auf dem Gelände. Darin findet sich das gesamte Spektrum, das einem beim Stichwort „entrümpeln“ durch den Kopf geht. Kaputtes Geschirr, gammelige Küchenmaschinen – zum Teil museumsreife Stücke aus den 60er-Jahren mit der entsprechenden Patina –, Bettwäsche voller undefinierbarer Flecken, schimmelige Kopfkissen, und säckeweise Bekleidung, bei der einem schon beim Öffnen der Muff von feuchtem Keller und Schimmel in die Nase steigt.

„Und der Container ist noch harmlos“, sagt Janine Wienecke. „Beim ersten waren alle erschrocken.“ Vieles davon haben die Leute einfach ungefragt vor der Tür abgelegt, erzählt Wienecke. „Nicht Hallo gesagt, nicht gefragt, ob wir das überhaupt gebrauchen können. Bekleidung haben wir zum Beispiel nie gesammelt.“

Für die Kreiszeitung macht Janine Wienecke noch einmal den Müllcontainer auf. Darin findet sich alles – von der vergilbten Küchenmaschine aus den 60er-Jahren bis hin zur fleckigen Bettwäsche und verschimmelten Kopfkissen. Und dies ist nicht der erste Müllcontainer, der so voll geworden ist.

Dass auch ein paar schrottreife Fahrräder bei ihr vor der Tür gelandet sind, konnte sie im letzten Moment verhindern. Nicht aber die eine oder andere Mogelpackung, die ihr heimlich untergeschoben wurde. Besonders ärgert sich Janine Wienecke über seit Jahren abgelaufene Lebensmittel, von denen sie mehrere große Einkaufstaschen voll gefunden hat.

Ihr Lebenspartner Thorsten Selle hat sich vor gut einem Jahr mit einem Dienstleistungsunternehmen in Syke selbstständig gemacht. Janine Wienecke arbeitet bei ihm im Betrieb. Seit Monaten fahren beide fast jedes Wochenende in die Katastrophenregion im Landkreis Ahrweiler, um den Menschen dort beim Aufräumen und Wiederaufbauen zu helfen. Ehrenamtlich und auf eigene Kosten. Die Spendensammlung haben sie noch zusätzlich organisiert. Nach dem Motto: Wenn wir sowieso da hinfahren, können wir auch Sachen mitnehmen, die die Leute dort dringend brauchen. „Es sollte aber vernünftiges, heiles Material sein und kein Sperrmüll“, hatte Thorsten Selle damals gesagt (wir berichteten). „Sonst können wir es nicht mitnehmen. Und wir können nicht auch noch einen Müllcontainer hier aufstellen, um die Sachen zu sortieren.“

Das Wichtigste aus dem Landkreis Diepholz: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Genau das passiert aber. Und Janine Wienecke steht oft bis in die späten Abendstunden vor den Bergen abgegebener Sachen und sortiert Verwendbares vom Müll. Jetzt muss sie die Notbremse ziehen: Sie hat die Zeiten, an denen sie Spenden annimmt, reduziert – ab sofort Montag bis Donnerstag von 9 bis 14 Uhr – und nimmt bestimmte Sachen grundsätzlich gar nicht mehr an.

Ganz oben auf Wieneckes Favoritenliste der Unverschämtheiten: seit Jahren abgelaufene Lebensmittel – bei ihr körbeweise abgegeben.

Keine Lebensmittel – als Resultat der großen Mengen seit Jahren abgelaufener Spenden. Keine Betten und Matratzen. „Die sind bergeweise vorhanden, wir brauchen keine mehr.“ Keine Stühle. „Wir haben keinen Platz, um sie zu lagern.“ Und keine Kerzen. „Damit sind wir überschüttet worden.“

Benötigt: Werkzeuge, Trocknungsgeräte und Elektro-Kleingeräte

Was hingegen noch immer dringend benötigt wird, sind Werkzeuge jeder Art, Trocknungsgeräte und Elektro-Kleingeräte – in einem Zustand, dass man sie selber von Fremden nehmen und benutzen würde.

Janine Wienecke nennt ganz bewusst keine Kontaktnummer. Wer etwas spenden möchte, muss damit direkt zu Wessels Hotel kommen. „Dann schaue ich mir das an und entscheide direkt, was ich davon annehme, und was nicht. Anders geht’s nicht.“

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