Solide Performance

Comedy mit Götz Frittrang im Gleis 1: Unterhaltsam mit Einschränkungen

+
Götz Frittrang bei seinem Auftritt im Gleis 1.

Syke - Von Ulf Kaack. Einen mit Einschränkungen unterhaltsamen Abend hat Götz Frittrang am Samstag im gut besuchen Gleis 1 präsentiert. Der Comedian und Kabarettist trug sein aktuelles Programm „Götzseidank“ vor. Eine solide Performance, die aber durchaus Ansätze zum Rumnörgeln mit sich brachte.

Comedy – einst ein Hoffnungsträger im Fernsehen und der Unterhaltungsbranche – ist auf einer Erfolgswelle schwimmend mittlerweile überpräsent und im Mainstream angekommen. Okay, es macht immer noch riesig Freude, sich fremdbespaßen zu lassen. Doch ein richtig frischer Wind ist selten zu vernehmen. Im TV halten Größen wie Dieter Nuhr, Anke Engelke oder Oliver Kalkofe das Zepter fest in der Hand. Und das machen sie zugegebenermaßen gar nicht so schlecht.

Umso spannender ist es, sich auf der nicht-medien-gefeatureten Seite umzusehen: beim Nachwuchs und in der Kleinkunstszene. Das tun die Macher im Gleis 1 seit einiger Zeit mit großem Erfolg, holen immer wieder weniger bekannte Künstler nach Syke. Am Samstag war das Götz Frittrang, geboren am Bodensee, in Bamberg beheimatet und im Norden nur mit verhaltenem Bekanntheitsgrad behaftet. Man konnte also gespannt sein.

Handwerklich erwies sich Frittrang als Meister seines Fachs. Sein Programm kam völlig ohne Technik aus. Keine Bildschirme, keine Gimmicks, keine Toneinspielungen. Auch auf Deko wurde verzichtet. Der einsame Mann auf der Bühne reichte vollkommen aus. Und das spricht für den Künstler. Mit geschliffener Rhetorik – ohne Manuskript und dabei frei von Versprechern – absolvierte er mit scheinbarer Leichtigkeit ein beeindruckendes Pensum.

Inhaltlich bediente sich Götz Frittrang bei den Standardthemen seines Fachs: Mann-Frau-Beziehungen, Jung-Alt-Kontroversen, die bildungsferne Generation der Smartphone-User, die ewige „Wir damals …“-Arie, die Deutsche Bahn – hatte man alles irgendwie schon mal gehört. Auch in diesem Außenposten der Zivilisation, wie der Comedian die Stadt Syke bezeichnete. Über weite Teile des Programms, besonders zu dessen Beginn, herrschte humoristische Blutarmut in den Monologen.

Permanent warf er amüsante Schmunzler in den Raum. Durchaus mit geschärftem Blick analysiert und in der Summe charmant. Doch fehlte es den Gags deutlich an Biss. Zu wenig krawallig war das Programm. Zu sehr an Banalitäten und Althergebrachtem festgemacht. Den Zuschauern hätte Götz Frittang an der einen oder anderen Stelle deutlich mehr Zynismus und Brachialhumor, gern dabei politisch unkorrekt oder unter der Gürtellinie, zumuten können.

So hinterließ „Götzseidank“ den leichten Beigeschmack eines verschenkten Abends. Der talentierte Humorist hätte deutlich mehr aus dem Programm herausholen können. Darum der freundliche Tipp aus dem Außenposten der Zivilisation: Beim nächsten Mal weniger artig sein und den Finger nicht nur in die Wunde legen, sondern auch kräftig draufdrücken.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Citroën Berlingo: Meister der Möglichkeiten

Citroën Berlingo: Meister der Möglichkeiten

USA schieben früheren Nazi-Kollaborateur nach Deutschland ab

USA schieben früheren Nazi-Kollaborateur nach Deutschland ab

Rückkehr der "Siedler" und "Desperados"

Rückkehr der "Siedler" und "Desperados"

Sonne, Strand und Meer: Beliebte Strandhotels auf Mallorca

Sonne, Strand und Meer: Beliebte Strandhotels auf Mallorca

Meistgelesene Artikel

Gourmetfestival-Premiere: „Hammer, Hammer, Hammer!“

Gourmetfestival-Premiere: „Hammer, Hammer, Hammer!“

Abi Wallenstein: Wie eine Wundertüte

Abi Wallenstein: Wie eine Wundertüte

75 Nachwuchs-Schumis driften um Pylonen

75 Nachwuchs-Schumis driften um Pylonen

Auf zum Reload 2018: So gelingt die Anreise zum Festival

Auf zum Reload 2018: So gelingt die Anreise zum Festival

Kommentare