Der Comedian Torsten Sträter stellt im Gleis 1 sein neues Programm „Selbstbeherrschung umständehalber abzugeben“ vor

Tageslichtgeisterbahnen und Diättagebücher

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Was oder wen sucht Torsten Sträter?

Syke - Von Rainer Köster. Rappelvoll war`s, warm und stickig. Und deshalb ließ der Akteur auf der Bühne als erstes die Scheinwerfer dimmen, um es überhaupt aushalten zu können – zumal er auf sein Markenzeichen, die graue Wollmütze, nicht verzichten wollte.

„Er liest seine Geschichten vor und erzählt dazwischen seltsames Zeug.“ So beschreibt seine Agentur das Schaffen von Torsten Sträter, dem Comedian aus dem Ruhrgebiet, der am Freitag in Sykes Comedy-Hochburg Gleis 1 in einer schräg-chaotischen Mischung aus Stand-Ups, kurzen Vorträgen und Lesungen sein Programm „Selbstbeherrschung umständehalber abzugeben“ vorstellte.

Sträter hat in der jüngeren Vergangenheit neben seinen Touren durchs Land so einige Comedy-Preise abgeräumt. Dabei kommt man ganz schön rum, und so standen im Mittelpunkt des ersten Programmteils seine für Touristenführer wenig geeigneten Reiseerinnerungen. Denn Sträter fand sich meist in Orten wieder, die er schlicht ätzend findet. Syke kam da noch ganz gut weg, vielleicht, weil es seiner Ansicht nach so klein ist, dass es „bei Google-Maps im Maßstab 1:1 dargestellt wird“. Da kennt er schlimmere Plätze, allen voran die teure Schweiz, wo einen schon das Anknabbern eines Schokoriegels aus der Hotel-Minibar finanziell ruinieren kann. Aber auch über seine Geburtsstadt Dortmund hat er wenig Schmeichelhaftes mitzuteilen. So kennt er den Grund, warum die Stadt im Zweiten Weltkrieg nicht bombardiert wurde: „Als die Bomberpiloten runter kuckten, haben sie gedacht: ,Hier waren wir schon‘. Arg ist es auch nebenan, in Castrop-Rauxel, „Europas größter Tageslichtgeisterbahn“.

Zu Hochform läuft Sträter auf, wenn er scheinbar oder wirklich spontan Anregungen aus dem Publikum aufgreift. Einer jungen Besucherin rät er als Schritt zum Erwachsenwerden zu einem Bustrip nach Lloret de Mar („14 Tage Spanien, fünf Übernachtungen“) um warnend hinzuzufügen: „Sie kommen als Mädchen und gehen als Frau.“ Und auf die Frage, wer denn morgen arbeiten müsse, meldet sich einer von der Feuerwehr. Sträter: „Da können Sie ja noch gar nicht wissen, ob sie morgen arbeiten müssen.“ Zwischendurch liest er sein durch Youtube allerdings schon sattsam bekanntes „Diättagebuch“, das im Krankenhaus endet, weil seine Fressattacke auch vor dem Tischkalender nicht haltmacht.

Nicht alles war wirklich komisch, mancher Brachialwitz im Stil des Mario Barth fand nur ein verhaltenes Echo, und so zog sich der Abend hin, auch, weil Sträter an keinem Impuls aus dem Publikum vorbei konnte und entsprechend vom Hölzchen aufs Stöckchen kam. Als es kurz vor 23 Uhr dann an die leider nur mäßig witzige Geschichte seines fettleibigen Bruders ging, der sich beim Bäcker für Beleidigungen seines Hintermannes durch den Aufkauf aller Brötchen rächt, war`s denn auch genug und man sehnte sich nach frischer Luft. Fazit: Der Abend war zu lang.

Dass es auch ganz kurz geht, bewies Sträter vor der Pause mit dem zweiten Teil seines Diättagebuchs. Der nämlich beginnt um 14.30 Uhr mit einer Auflistung eiserner Vorsätze und endet vor dem Büfett: „14.33 Uhr. Sch…, es gibt Torte.“

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