„Mehr Sachlichkeit und weg von der Hysterie“

Christoph Klomburg ist neuer Vorsitzender beim Landvolk Mittelweser

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Christoph Klomburg aus Barrien liegt ein sachlicher Dialog am Herzen.

Syke - Von Julia Kreykenbohm. Gespräche mit der Presse sind für Christoph Klomburg kein gänzlich neues Terrain. Immerhin hat sich der Landwirt aus Barrien schon vor ein paar Jahren für eine Kampagne des Landvolks Mittelweser zur Verfügung gestellt und seinen Hof für angehende Redakteure geöffnet.

Doch jetzt ist alles ein bisschen anders. Nun spricht er nicht mehr als Landwirt über seinen Betrieb, der ihm von klein auf vertraut ist, sondern als neuer Vorsitzender des Landvolk-Kreisverbandes Mittelweser. Vor zwei Monaten wurde er auf der Kreisverbandsversammlung in Neubruchhausen gewählt (wir berichteten).

„Nach so einem Gespräch fällt einem meist noch etwas ein, was man hätte sagen können“, sagt der 34-Jährige schmunzelnd. Man merkt: Klomburg nimmt sein neues Amt ernst, hat Respekt davor, einem Verband vorzustehen, dem etwa 5000 Mitglieder angehören. Doch er wirkt dabei nicht verkrampft-bemüht, sondern geht mit seiner Position als Neuling, der noch viel zu lernen hat, offen und gelassen um: „Nach drei Jahren ist man bestimmt gut geübt, dann läuft es besser.“

Für Klomburg war seine Ernennung ein Sprung von Null auf 100. „Ich bin zwar schon lange Mitglied des Landvolks, hatte aber nie irgendwelche Ämter inne.“ Doch dann sei er angesprochen worden, weil sein Vorgänger Lars Nordbruch seine Amtszeit nicht verlängern wollte. Klomburg bat sich Bedenkzeit aus, denn wie alle Landwirte habe er auf seinem Hof gut zu tun. „Außerdem braucht man den Rückhalt der Familie. Wenn die nicht mitzieht, kann man das Ehrenamt nicht machen.“ Und Großeltern, Eltern und Ehefrau gaben grünes Licht.

Seit zwei Monaten in der „Aufnahmephase“

Nun ist er seit gut zwei Monaten in der „Aufnahmephase“, wie er selber sagt. „Ich lerne alles kennen, treffe viele verschiedene Leute und werde bei allem wirklich toll unterstützt, unter anderem von Tobias Göckeritz, dem Vorsitzenden für den Bereich Nienburg.“ Demnächst leitet er zum ersten Mal die Wahlen bei den Bezirksversammlungen.

Als „der Neue“ hält es der zweifache Vater auch für übereilt, schon Ziele und Projekte für seine Amtszeit anzukündigen. Er will sich erst ausreichend informieren, bevor er etwas rausposaunt, was er dann womöglich zurücknehmen muss. Diese Bodenständigkeit will er auch in seine Arbeit einfließen lassen und wünscht sie sich nicht nur im Bezug auf landwirtschaftliche Themen: „Mehr Sachlichkeit und weg von der Hysterie.“

Aktuell beschäftigen ihn die Gülle-Problematik und die zwei Demonstrationen von Landwirten während der Grünen Woche in Berlin. „Wir wollen dann vor Ort Aktionen machen“, so Klomburg. Keine Provokationen, sondern vernünftige Gespräche, die die Menschen erreichen. Der Vorstand sehe sich als Mittler zwischen den Landwirten, der Politik und auch der Öffentlichkeit. Der Dialog mit den Bürgern liegt Klomburg am Herzen. Er will so viele Landwirte wie möglich dazu motivieren, ihre Höfe zu öffnen. „Das haben wir jahrelang verdaddelt“, stellt er kritisch fest. Man habe zu viel als selbstverständlich vorausgesetzt, was die Leute jedoch nicht wussten und so wurden Missverständnisse und Vorurteile geboren.

„Wir wollen ein gutes Miteinander“

Um Konfliktpunkte zu vermeiden, gibt die Landvolk-Zeitung auch einen Knigge heraus, der Landwirte für Verhaltensweisen sensibilisieren soll, die sie womöglich als nicht schlimm empfinden, die jedoch den Leuten sauer aufstoßen. „Wir wollen ein gutes Miteinander“, sagt Klomburg, der weiß, wie sehr der negative Druck der Öffentlichkeit belasten kann. Dieser und auch die oft schwierigen Rahmenbedingungen haben ihn ab und zu mal zu der Frage gebracht: „Warum tust du dir das noch an?“

Dabei liebt er seinen Beruf, in den er hineingeboren wurde, denn auch sein Vater war Landwirt. Der Familienbetrieb hat eine Putenmast und -aufzucht, Schweine und Ackerbau. Zudem betreibt er mit anderen Landwirten eine Biogas-Anlage. „Man ist selbstständig, Unternehmer und viel an der frischen Luft“, zählt Klomburg die Punkte auf, die ihn nach wie vor begeistern, auch wenn ihn die viele Bürokratie manchmal stört. „Ich liebe die Arbeit mit den Puten, die technischen Herausforderungen und am Ende des Tages zu sehen, was ich geschafft habe. Entspannt auf dem Trecker zu sitzen, ist manchmal wie Urlaub.“

All diese positiven Aspekte will er in Zukunft wieder stärker betont sehen. Es sei völlig richtig, Missstände zu benennen, aber „immer nur herumzujammern macht keinen guten Eindruck“.

Und welche Themen werden die Landwirte in der nächsten Zeit beschäftigen? „Die Nährstoffverteilung und Dünge-Verordnung“, sagt Klomburg. „Bei Letzterer geht es ja darum, das, was man hat, möglichst effizient einzusetzen.“

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