Christin Henkel begeistert im Gleis 1

„In Syke ist die Welt in Ordnung“

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Christin Henkel zeigte im Zusammenspiel von Klavier, Kabarett und Chanson ihre Vielseitigkeit.

Syke - Von Dagmar Voss. Eine hohe Kleinmädchenstimme und niedlich-kokettes Auftreten täuschten zunächst darüber hinweg, dass Christin Henkel in ihrem Chanson-Kabarett-Programm über humorvoll hinaus ziemlich böse, auch schon mal satirisch bis zynisch werden kann. Am Freitagabend begeisterte die gebürtige Thüringerin mit „Klakason“, also die Zusammensetzung von Klavier, Kabarett und Chanson, ein eher überschaubares Publikum im Gleis 1.

Mitten aus dem Leben gegriffen ihre witzigen Lieder über Freundinnen und Alkohol, Schönheitschirurgie und Großstadtwelten bis zu Politik, Liebe – meist misslungen – und Sex. Ihr vorwiegend aus eigener Feder stammendes musikalisch-komisches Kaleidoskop begleitete sie selbst am Piano. Damit von Beginn alles klar sein möge, bat zuvor eine Männerstimme aus dem Off, die Künstlerin mit einem „ostdeutschen Applaus“ zu begrüßen. Sie selbst wollte zunächst wissen, ob denn in Syke alles noch so sei, wie es sein soll, mit der Nachfrage, wie es hier um die Laktoseintoleranz stehe. Zur Gegenfrage aus dem Publikum: „Was fürn Ding ist das denn?“, kam ihr Aufseufzen, dass die Welt hier noch in Ordnung sei.

Zum Geständnis, dass ihre Zielgruppe ja mehr zwischen 25 du 35 Jahren liege, musste sie feststellen, dass es etliche Zuhörer in genau diesen Jahrgängen gab. Für die, vor allem die Frauen, hatte die 32-Jährige ein Warnlied geschrieben. Nämlich dass man besser nicht den Männern mit Gitarre auf den Leim gehen solle, die abends am Lagerfeuer so romantisch schrammeln könnten. Das genau sei ihr passiert, aber leider habe sie feststellen müssen, dass sie da nicht die einzige gewesen sei, die seinem Geflüster am See über ein Schwanenpaar verfallen sei. Fazit: „Und schließlich ist der Schwan auch nicht monogam.“

Urkomisch wurde es beim Surflehrer Klaus und dessen Burn-out oder bei Flirtcoach Peter, aus dem nichts anderes werden konnte bei seinem fatalen Äußeren – angeblich nachzusehen auf YouTube. Zu ihren politischen Liedern zählte auch das über die Thüringer, die froh sein können, dass sie noch nicht russisch eingemeindet seien. „Wann holt sich Putin Sachsen-Anhalt? … wie gut dass ich noch Russisch kann.“

Das Publikum erklatschte sich noch eine Zugabe, einen Coversong über Sex in Ostwestfalen – da blieb kein Auge trocken. Für Zuhörer Eberhard Schmiedeke aus Ristedt auf alle Fälle ein gelungener Abend: „Sie singt klasse und musikalisch ist es auch sehr reichhaltig mit gutem Humor – einfach ein abwechslungsreiches Programm.“

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