Der Schnepker Feld-Versuch

Carsten Winte baut Süßkartoffeln an – obwohl das in Syke eigentlich gar nicht geht

Kniet sich rein: Carsten Winte baut auf einem Hektar Fläche bei Schnepke Süßkartoffeln an.
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Kniet sich rein: Carsten Winte baut auf einem Hektar Fläche bei Schnepke Süßkartoffeln an.

Eine Kartoffel, die eigentlich gar keine Kartoffel ist, baut Carsten Winte bei Schnepke an: die Süßkartoffel. Der findige Landwirt startet seinen Feld-Versuch, obwohl das norddeutsche Klima eigentlich so gar nichts für die Pflanzen ist.

Syke – Manche Leute kommen auf den Hund – die einen im übertragenen Sinn, die anderen im wörtlichen. Und manche Leute kommen auf die Süßkartoffel. Carsten Winte zum Beispiel. Als Student hat er darüber geforscht, später seine Masterarbeit über Süßkartoffeln geschrieben und ein Jahr danach auf dem Kartoffelhof seiner Familie in Falldorf einen Versuchsanbau angelegt. „Ich wollte herausfinden, welches Anbausystem für unseren Betrieb das beste ist“, sagt er. Jetzt geht Carsten Winte den nächsten Schritt: den in Richtung kommerzieller Anbau. Auf einem Hektar Feld bei Schnepke hat er zum ersten Mal eine größere Fläche bepflanzt. Das ist insofern bemerkenswert, dass Süßkartoffeln im norddeutschen Klima eigentlich gar nicht gedeihen. Dass sie es trotzdem tun, ist zum größten Teil das Ergebnis von Wintes eigenen Forschungen und Versuchen während des Studiums.

„Süßkartoffeln sind überhaupt keine Kartoffeln“, erklärt er. „Die Pflanze ist eher unserem Knöterich ähnlich.“ Und unser Klima mag sie gar nicht. „Die Süßkartoffel ist ein tropisches Gewächs. Die wachsen noch bei 60 Grad. Dafür mögen sie’s nicht kalt. Das Kraut stirbt bei vier Grad.“ Ganz anders als bei unseren heimischen Kartoffeln dürfen die Knollen auch nicht gekühlt werden, sondern lagern am besten bei Temperaturen zwischen 10 und 15 Grad. Richtige Kartoffeln bilden dann schon Keime. Und lagern deshalb bei vier Grad.

Ernte erfolgt ausschließlich von Hand

Überhaupt sind Süßkartoffeln empfindlich. Die Ernte erfolgt ausschließlich von Hand. „Die Schale ist sehr dünn“, erklärt Carsten Winte. „Die kann man so mit den Fingern abdrücken. Erst durchs Lagern wird sie fest und hart.“ Herkömmliche Kartoffelroder kann man daher vergessen. Und spezielle für Süßkartoffeln gibt es nicht. Jedenfalls: Noch nicht. Carsten Winte arbeitet dran.

Wie übrigens auch an einer Methode, die Setzlinge selber zu züchten. Bisher muss er die aus Spanien und Portugal importieren. „Auf den Hektar kommen 40 000, das Stück zu 20 Cent.“ Größenordnungen, bei denen sich der Hirnschmalzeinsatz lohnt. Außerdem: „Bei der Bestellung muss man ein halbes Jahr im Voraus die Kalenderwoche angeben, in der geliefert werden soll. Wenn es dann zu kalt ist, hast du ein großes Problem. Denn die Pflanzen müssen in die Erde. Nach drei bis vier Tagen sind die Setzlinge nicht mehr pflanzbar.“

Mäusefraß als großes Problem

Das größte Problem bei der Süßkartoffel ist aber ein ganz anderes: Mäusefraß. „Wenn das Kraut erst mal wächst, bildet es eine dicke Schicht, die perfekte Tarnung für Nager bietet“, erklärt Winte. „Da ist dann alles voll mit Mäusen. Das ist praktisch blickdicht für Fressfeinde. Auf unserem Versuchsfeld hatten wir 2018 auf einzelnen Parzellen einen Ausschuss von 80 Prozent.“ Eine Lösung für dieses Problem hat er noch nicht.

Erinnern im frühen Wachstumsstadium ein wenig an Schwarzwurzeln: Diese länglichen Knollen wollen später einmal Süßkartoffeln werden.

Woher hat Winte eigentlich die Faszination für diese buchstäblich exotische Pflanze? – So genau kann er das selber gar nicht sagen. „Wir waren eine gute Truppe im Studium. Der Reiz war, etwas Neues zu machen. Es gibt in Deutschland erst ein paar Betriebe, die das auch machen. Und ich habe das immer auch als Investition in die Zukunft gesehen.“

Heute bekommt man in jedem Burger-Laden Süßkartoffel-Pommes. Ich würde sagen: Früher war es Mode, inzwischen ist es Markt.

Carsten Winte

Sind Süßkartoffeln denn überhaupt ein Markt auf Dauer? Oder nicht vielleicht doch eher bloß eine Modeerscheinung? „Vor fünf Jahren wussten wir’s nicht“, sagt Carsten Winte. „Heute bekommt man in jedem Burger-Laden Süßkartoffel-Pommes. Ich würde sagen: Früher war es Mode, inzwischen ist es Markt.“

So bestellt Carsten Winte sein Feld in Schnepke. Das Vorsatzgerät am Trecker hat er selbst aus alten Teilen konstruiert.

Ein Markt, der auch Gewinn bringt? „Bei Direktvermarktung: Ja! Beim Großhandel schaffen wir das noch nicht. Da müssten wir mit den US-Preisen mithalten und das könnten wir nicht.“ Um mit den Weltmarktpreisen konkurrieren zu können, müssten die gesamten Abläufe von der Pflanzung über die Ernte bis zu Lagerung und Transport weit stärker technisiert werden, erklärt Winte. Derzeit gehe vieles nur über Handarbeit, und die sei in Deutschland nun mal ein preistreibender Kostenfaktor. Er ist sich bewusst: „Ein großer Teil wird auch immer Handarbeit bleiben. Aber zumindest ein Stück weit müssen wir in die Richtung.“

Von Michael Walter

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