Carola Reimann besucht Kinderhospiz Löwenherz

Personalnotstand in der Kinderpflege

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Sozialministerin Carola Reimann (in Rot) war gestern im Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz in Syke zu Besuch. Ihr gegenüber: Löwenherz-Leiterin Gaby Letzing, dahinter MdL Volker Meyer und (verdeckt) Letzings Geschäftsführerin Fanny Lanfermann.

Syke - Von Michael Walter. Gut zugehört hat sie, helfen will sie, Nägel mit Köpfen hat sie aber nicht gemacht – konnte sie auch gar nicht. Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann (SPD) war Mittwochnachmittag im Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz zu Gast, um mit der Leitung des Hauses und Betroffenen über den Personalnotstand speziell in der Kinderkrankenpflege zu sprechen.

Ihr Besuch war quasi die Spätfolge eines Besuchs ihres Chefs: Ministerpräsident Stephan Weil hatte Ende Mai das Hospiz besichtigt (wir berichteten) und danach vorgeschlagen, gemeinsam mit seiner Ministerin Lösungsmöglichkeiten zu suchen.

Gut eine Stunde dauerte das Gespräch im Anschluss an die Besichtigung des Hauses. Und der Ministerin war anzumerken: Die Verbesserung des Pflegenotstands ist ihr eine Herzenssache. Ihre Möglichkeiten, diese Verbesserung auch zu bewirken, sind indes ziemlich begrenzt.

Der Bedarf an Pflegekräften ist riesig. „Allein in Niedersachsen fehlen mindestens 3.000  Vollzeitstellen“, so Hospizleiterin Gaby Letzing. Und Heike Witte, Chefin des Kinderpflegedienstes „Krank und Klein“, ergänzte: „Ich könnte sofort 50 neue Fachkräfte einstellen. Aber ich finde keine. Fällt mir Personal aus, kann ich es nicht ersetzen.“

Welch dramatische Folgen das haben kann, schilderte die Mutter eines pflegebedürftigen Kindes: Es laufe darauf hinaus, selbst die Pflege zu übernehmen oder weniger qualifizierte Pflegehelfer als Aushilfe zu akzeptieren. Beides sei mit Risiken für das Kind verbunden, da notwendige Fachkenntnisse fehlten. Etwa was die künstliche Beatmung ihres Kindes betreffe.

Fachkräfte bewerben sich lieber in Krankenhäusern

Eine Ursache des chronischen Personalmangels: Auf Kinderpflege spezialisierte Fachkräfte bewerben sich lieber in Krankenhäusern, weil sie dort bis zu einem Drittel mehr verdienen als in der ambulanten Pflege.

Eine andere Ursache: Es fehlen die Ausbildungsplätze. Gaby Letzing: „Auf jeden Ausbildungsplatz kommen vier Bewerber.“ Angesichts des dramatischen Personalmangels könne sie das nur noch „absurd“ nennen.

Carola Reimann weiß um die Probleme, kann sie aber nicht ohne Hilfe abstellen. Beispiel: Ein Tarifvertrag könnte helfen, die Verdienstmöglichkeiten in der ambulanten Pflege denen in den Krankenhäusern anzugleichen. „Ich bin aber nicht Tarifpartner“, sagt Reimann. Und da fängt das Problem erst an. „Bei den Metallern gibt es die IG Metall und die Arbeitgeberverbände. Zwei starke Partner, die miteinander die Probleme lösen müssen. Das gibt es im Pflegebereich nicht.“ Dort gibt es eine Vielzahl von Tarifpartnern, von denen aber keiner flächendeckend vertreten ist. „Ich hab davon mal eine Karte machen lassen – da kriegt man Pickel von!“

Die Ausbildungsmöglichkeiten zu verbessern sei unstrittig nötig. „Ich habe aber keinen Zugriff auf die Fachschulen. Das ist Sache des Bildungsministeriums“, so Reimann. In ihrem Ressort ist allerdings ein Projekt angesiedelt, das Pflegedienste im ländlichen Raum darin unterstützt, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. „Das läuft jetzt im dritten Jahr und funktioniert sehr gut. Das soll auch weiterlaufen.“

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