Spanische Erzieherin lernt bei Praktikum im Talita Kumi das deutsche Kita-Wesen kennen

Carmen und die Sprache der Liebe

Kuscheln erwünscht: Praktikantin Carmen Martin Jiménez mit „ihren“ Kita-Kindern vom Talita Kumi. Foto: Heinfried Husmann

Barrien - Von Frank Jaursch. Die kleine Sunna findet Carmen supernett. „Weil sie uns so lieb hat“, begründet die Fünfjährige durchaus schlüssig ihre große Sympathie für die dunkelhaarige Gast-Erzieherin im Barrier Kindergarten Talita Kumi. Und Sunna sagt stolz, was sie schon von der Besucherin gelernt hat: „Buenos dias!“

Vor zwei Monaten hat die 26-jährige Carmen Martin Jiménez ihr Praktikum in dem Kindergarten an der Hügelrose begonnen. Im Rahmen des Erasmus-Förderprogramms hatte die Spanierin im Anschluss an ihr Studium die Möglichkeit für einen Einblick bekommen: Wie sieht Kita-Arbeit eigentlich in anderen Ländern aus?

Als sie im September in Norddeutschland ankam, galt es dabei für sie erst mal, einen Schock zu überwinden: Jiménez hatte erwartet, in einem bilingualen Kindergarten tätig zu sein – so war die Zusicherung aus Spanien gewesen. Doch im Talita Kumi spricht niemand spanisch. Und Carmen spricht kein deutsch!

Trotz dieses Handicaps aber habe es nicht mal eine Minute gedauert, bis sich die Spanierin wohlgefühlt habe. „Alle waren vom Beginn an so freundlich zu mir“, schwärmt sie.

Die Kommunikation läuft – auch im Pressegespräch – größtenteils auf Englisch. Das klappt, „selbst bei Kolleginnen, die vorher gesagt haben, dass sie gar kein Englisch können“, betont Kita-Leiterin Isolde Huchtmann-Schmedes mit einem Lachen.

Und bei den Kindern? Carmen Martin Jiménez zuckt mit den Schultern. „Ich weiß auch nicht, wie wir das machen, aber es funktioniert.“ Sie hält kurz inne und fügt dann schmunzelnd hinzu: „Wir kommunizieren mit der Sprache der Liebe.“ Und das mitunter auch mit Dolmetscher. Wie im Fall des kleinen Jungen, der einen besonderen Übersetzungswunsch an Huchtmann-Schmedes herantrug: „Kannst du Carmen sagen, dass ich sie liebe?“

Tatsächlich läuft bei der jungen Gasterzieherin und den Kindern ganz viel über die Ebene der Körpersprache. Dabei hilft Jiménez ihre spanische Offenheit: Umarmung und Küsschen zur Begrüßung sind in Sevilla schließlich etwas ganz Normales. Hier in Deutschland musste sie sich – zumindest im Umgang mit Erwachsenen – erst mal an den förmlichen Handschlag gewöhnen.

Die Zeit im Talita Kumi ist für sie „das Beste von allem“. „Sie strahlt den ganzen Tag“, sagt die Kita-Leiterin über ihre jüngste Verstärkung. Dabei nimmt Carmen auch die vielen Unterschiede im Vergleich zu einer spanischen „Escuela infantil“ wahr. Der augenscheinlichste: Die Kinder werden hier nicht nach Jahrgängen sortiert. „Ich kann sehen, wie sie hier voneinander lernen.“ Und die Kleinen haben mehr Zeit zum Spielen und Herumtoben als in Spanien. „Da ist alles viel straffer.“ Auch Huchtmann-Schmedes, die vor zwei Jahren selbst einen spanischen Kindergarten besucht hatte, bestätigt diese Wahrnehmung. „Die Idee ,Bewegung ist das Tor zum Lernen' ist da noch nicht so verankert.“

Die Folgen sind sichtbar, findet auch Carmen Martin Jiménez: Die deutschen Kita-Kinder seien unabhängiger. „Wenn ich die Wahl hätte: Ich würde das deutsche System bevorzugen.“

Noch bis Mitte Dezember dauert das Praktikum der jungen Spanierin in Syke, dann geht es zurück in ihre Heimat. „Vielleicht komme ich ja eines Tages zurück“, überlegt Carmen – und verspricht: dann mit besseren Deutschkenntnissen.

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