Business-Lunch: Warum „Industrie 4.0“ jeden Unternehmer interessieren sollte

„Jeder will mitmachen, aber keiner weiß, wie es geht“

Referent Jean-Claude Leclere (l.) während seines Impulsreferates zu Beginn des gestrigen Business-Lunches. - Foto: Ehlers

Syke - Von Frank Jaursch. Das Thema scheint so weit weg – und ist doch schon längst da. „Industrie 4.0“ lautete der Titel des Impulsreferates beim gestrigen Syker Business-Lunch. Vor gut 30 Unternehmens-Vertretern gelang es dem Referenten Jean-Claude Leclere dabei recht anschaulich, darzustellen, wie sehr die Philosphie hinter „Industrie 4.0“ in den kommenden Jahren fast jeden Unternehmer betreffen wird.

„’Industrie 4.0’, das ist wie Teenager-Sex“, fand der Bremer Berater einen spannenden Einstieg: „Jeder will mitmachen, aber keiner weiß so richtig, wie es geht.“

Leclere umriss die charakteristischen Elemente des Schlagwortes: Vernetzung von Mensch und Maschine, Optimierung von Prozessen. Es geht um Kostenminimierung, Energieersparnis, Effizienz. Ein Beispiel: Ein Unternehmen erhält digital einen Auftrag. Das System definiert, welche Rohstoffe benötigt werden und welche Bestellungen bei Lieferanten notwendig sind. All das geschieht vollautomatisch.

Klingt zunächst mal nach ganz großen Rädern, die da gedreht werden. Doch all das „hat möglicherweise auch Einfluss auf Ihre Geschäfte“, sprach der Bremer Franzose seine Zuhörer direkt an.

Denn das Phänomen ist keineswegs nur auf die Industrie beschränkt. In Amerika sei der Begriff „Industrie 4.0“ völlig unbekannt, so Leclere – dort spreche man viel treffender vom „Internet der Dinge“. In vielen Lebensbereichen würden diese Vernetzung und die Optimierung von Prozessen Einzug halten. „Und dann werden Sie über kurz oder lang mit den selben Fragen zu tun haben – ob Sie wollen oder nicht.“

Um auf diese Umstellung vorbereitet zu sein, bedarf es einer ganzen Reihe von Bausteinen. Die erste Frage von Leclere an die Unternehmer: „Sind Sie im Kopf soweit?“ Künftig habe man mit einer höheren Komplexität zu tun als in der Vergangenheit. Die Verantwortlichen würden aus diesem Grund lernen müssen, Aufgaben an Mitarbeiter zu delegieren. „Keine leichte Aufgabe – besonders, wenn man lange mit festen Prozessen gearbeitet hat.“

Die Hierarchie in Unternehmen werde künftig eher zurückgehen, weil Teams projektbezogen arbeiten und selbstständig Entscheidungen treffen. Mit dieser Art Machtverlust hätten viele Unternehmer ein Problem. „Wenn es an die Änderung der Strukturen geht, merke ich oft, dass der Geschäftsführer mauert.“ Die Norddeutschen, so schmunzelte Leclere, hätten dafür einen sehr treffenden Sinnspruch: „Der Fisch stinkt vom Kopf.“

Zudem hat Leclere eine „typisch deutsche“ Eigenschaft als Mangel wahrgenommen. „Bloß keine Fehler machen!“ Man werde künftig in einer neuen Unternehmenskultur dahin kommen müssen, mehr Dinge auszuprobieren – und dann auch Fehler zuzulassen, um langfristig voranzukommen.

Beinahe etwas verblüfft kam aus der Zuhörerschaft im Anschluss an den Kurzvortrag die Erkenntnis, dass so manches in Sachen Kooperation und Koordination schon genauso läuft wie von Leclere beschrieben. Ganz selbstverständlich und ohne Probleme. „Ich wusste nur nicht, dass man das ‘Industrie 4.0’ nennt...“

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