Bunte Vielfalt zwischen Billard und Bogenschießen: Vätergruppe im Jugend- und Kulturzentrum am Lindhof existiert jetzt im zweiten Jahr

„Das ist hier keine Bühne für profilsüchtige Machos“

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Gemeinsam können Väter und Kinder dienstags etwas im Jugendzentrum unternehmen.

Von Michael Walter. Männer und Frauen ticken in manchen Bereichen grundsätzlich anders. Wenn sich fünf Mütter regelmäßig auf dem Spielplatz treffen, kennt nach dem vierten Mal jede von jeder die Lebensgeschichte. Bei fünf Vätern kann es ein halbes Jahr dauern, bis der erste fragt: Sagt mal, wie heißt ihr eigentlich?

Über dieses Stadium ist die Vätergruppe inzwischen hinaus, die sich immer dienstags ab 18 Uhr im Jugend- und Kulturzentrum am Lindhof trifft. Carsten Heine, der als Einrichtungsleiter diese Gruppe betreut, ist überzeugt: „Hier wächst gerade etwas zusammen.“

Seit Januar 2014 gibt es diese Gruppe. Erklärtes Ziel: Väter unternehmen etwas gemeinsam mit ihren Kindern und knüpfen dabei Kontakte untereinander. Der Anfang war sehr vielversprechend. Nach den Sommerferien gab es einen deutlichen Knick. Und im Herbst begann die Diskussion in den politischen Gremien, ob die Gruppe für ein weiteres Jahr finanziert werden sollte. Die Entscheidung zur Verlängerung war umstritten.

Ein gutes halbes Dutzend Väter zwischen 40 und 50 bildet heute den harten Kern der Gruppe. Hinzu kommen noch eine ganze Reihe „Gelegenheitstäter“, die aus unterschiedlichen Gründen nicht jede Woche an den Treffen teilnehmen können. Heine: „Wir haben hier die bunte Vielfalt. Alleinerziehende Väter, in Trennung lebende, die ihre Kinder sonst nicht sehen dürften, aber auch ganz muntere Sachen, wo Mutti gesagt hat: Du gehst da jetzt mal hin und unternimmst mit deinem Jungen was.“

Rainer Schröder (42) ist von Anfang an dabei. Als hauptberuflicher Hausmeister bei der Stadtverwaltung ist er auch für das Jugendhaus zuständig und weiß um dessen Vorzüge. „Man hat einfach alles hier. Vom Billardtisch bis zur Fahrradwerkstatt. Ein Vogelhaus basteln könnte ich mit meiner Tochter zuhause nicht; hier schon. Oder Bogenschießen!“

Percy Bolte (44) aus Heiligenfelde – er gehört seit September dazu – ist über seinen Sohn (11) auf dieses Angebot gestoßen. Der Junior kommt ohnehin dreimal die Woche ins Jugendhaus, um Freunde zu treffen. „Ich wollte gerne wissen, wo mein Kind seine Freizeit verbringt“, sagt der Vater. „Also bin ich einfach mal hingegangen.“ Der besondere Reiz: „Man macht hier Sachen, an die man sich sonst gar nicht rantrauen würde.“ Und Rainer Schröder ergänzt: „Hier sind immer Väter dabei, die etwas können, was man selber nicht kann.“

Und das funktioniert. Inzwischen werden unter den Vätern durchaus auch private Probleme gewälzt. Wer kennt sich damit aus? An wen wende ich mich? Und man hört auch mal eine offene Meinung. „Entscheidend ist, dass alles hier in diesen vier Wänden bleibt“, betont Percy Bolte.

„Ich hatte immer das Gefühl, das so etwas in Syke fehlt“, sagt Carsten Heine. Für ihn ist dabei „gar nicht entscheidend, wie viele kommen. Entscheidend ist, dass hier ein vertrauensvolles Klima entsteht, in dem man sich austauschen kann.“ Und worüber er sich dabei ganz besonders freut, ist der freundliche Umgangston untereinander. „Das ist hier keine Bühne für profilsüchtige Machos geworden. Zum Glück!“

jugendkulturzentrum@syke.de

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