Bürgermahl: Leiterin des Überseemuseums unterhält mit ihren Schilderungen

Der Reiz der Originale

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Der Blick ins Programm lohnte sich: Gastrednerin Wiebke Ahrndt mit Ralf Michel (l.), dem Vorsitzenden der Bürgerstiftung, und Moderator Michael Lux.

Syke - Von Frank Jaursch. Der anhaltende Applaus am Ende dürfte es dem Vorstand der Bürgerstiftung signalisiert haben: Mit der Wahl ihrer Referentin zum jährlichen Bürgermahl haben sie auch diesmal wieder richtig gelegen. Es lag nicht zuletzt an Prof. Dr. Wiebke Ahrndt, dass die Veranstaltung zu einer kurzweiligen Angelegenheit wurde. Die Leiterin des Bremer Überseemuseums unterhielt die gut 60 Gäste mit drei anekdotenreichen Beiträgen.

Darin sprach sie über ihre Arbeit in dem renommierten Museum, über die neue Wal-Ausstellung und über die Herausforderung, die junge Generation für Museen zu gewinnen. In meist freier Rede entführte sie die Gäste in ihre Museumswelt. Sie umriss die Geschichte ihres Hauses, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Und veranschaulichte auch die Verantwortung: „Ein Haus wie das unsrige prägt die Bilder in den Köpfen, die uns zeitlebens nicht mehr verlassen.“

Auch darum gehen die Museums-Experten mit Liebe und Akribie ihrer Passion nach. Das Museum ist berühmt für szenischen Darstellungen in großen Dioramen, die Präparatoren messen sich in internationalen Meisterschaften und sind zum Teil preisgekrönt.

Längst hat die Zahl der zusammengetragenen Objekte – es sind mittlerweile mehr als 1,2 Millionen – die Zahl der tatsächlich ausgestellten Exponate weit übertroffen. Einige Tiere allerdings schaffen es nicht nur in die Ausstellung, sondern auch ins Anekdoten-Buch von Wiebke Ahrndt.

Der „dicke Heinrich“ zum Beispiel, ein stattlicher Zackenbarsch, der dereinst die Filteranlage im Museum gefressen und daran gestorben sei. Ihm wurde eine neue Existenz als Exponat im „Great Barrier Reef“-Bereich geschenkt. Oder Sumpfbüffel Max, an dessen Beispiel Ahrndt die mitunter monatelange Prozedur des Präparierens („Sag bloß nicht ‚Ausstopfen‘!“) veranschaulichte – mit trockenem Humor und entwaffnender Offenheit.

Die aktuelle, gerade eröffnete Ausstellung „Mensch – Wal – Pazifik“ diente als Beispiel dafür, wie so eine Ausstellung entsteht: Von der ersten Idee über das Brainstorming, konzeptionelle Feinheiten bis zur Anschaffung der Exponate.

Zwei Jahre hat der Aufbau der aktuellen Ausstellung gedauert, Kostenpunkt: etwa 450000 Euro. Das sei – allen Förderern und Drittmitteln zum Trotz – „ein ökonomisch durchaus riskantes Geschäft“.

Anhand einer Analogie zu James Bond verdeutlichte Ahrndt die große Herausforderung: Wer einen neuen Bond-Film ansieht, erwartet bestimmte Dinge – schöne Frauen, schnelle Autos, Pistolenschüsse. Aber man möchte eben auch mit einer neuen Story überrascht werden. Ähnlich sei es bei einer Ausstellung: Man muss Erwartungen erfüllen – und die Gäste zugleich überraschen.

Optimistisch betrachtete Wiebke Ahrndt schließlich die Rolle der Museen für die junge Generation. Kinder könnten, so zeigte sie sich überzeugt, im Internet zwar alles erfahren. „Aber hier kann man auch Erfahrungen machen.“ Ein 300 Kilogramm schweres Blauwalherz betreten und den Herzschlag darin hören zum Beispiel, oder plötzlich einer 5000 Jahre alten Katzenmumie gegenüberstehen.

Ahrndt nimmt bei Kindern und Jugendlichen zudem einen großen Reiz von Originalen wahr. „Das sind Dinge, die sind unwiederbringlich und von unschätzbarem Wert. Wenn die weg sind, gibt es die auf der ganzen Welt nicht nochmal.“ Gerade bei den Kindern, die mit der „Kaputt? Kauf‘s neu“-Mentalität aufwüchsen, löse das große Begeisterung aus. „Das kann nur das Museum.“

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