Bücherflohmarkt mit rund 14000 Bänden

Wo Leseratten zu Wühlmäusen werden

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Bei 14000 Büchern fiel die Wahl nicht immer leicht.

Von Dieter Niederheide. Mit einer Kiste und einigen Taschen voller Bücher, die insgesamt 37 Kilo auf die Waage brachten, verließen am Sonntag Ute Flade (53) aus Bremen, ihre Tochter Tessa (21), Studentin an der Hochschule Bremerhaven, und Renate Pelka (56) aus Barrien das Kreismuseum. Was wollen die drei mit so vielen Büchern? „Lesen!“, kam lächelnd die Antwort.

Bücher, so weit das Auge im Kreismuseum reichte, waren auf zwei Ebenen (auf der Erde und darüber auf den Tischen) aufgebaut. Ilse Steffek und Jörn Warneke, seit Jahren in der Museumsbücherei ehrenamtlich aktiv, haben geschätzt, dass es etwa 14000 Bücher unterschiedlicher Fachrichtungen waren, die per Kilopreis von einem Euro erworben werden konnten.

In Kartons, Kisten, Leinenbeuteln und Plastiktaschen trugen Leseratten die Literatur aus dem Kreismuseum. Eine Besucherin brachte es auf beeindruckende 47 Kilogramm Literatur für lange Winterabende, die bis in den nächsten Spätsommer hineinreichen dürfte.

Aus der Tragetasche eines Bücherfreundes schauten Franz Beckenbauer, Wladimir Putin und „Fix und Foxi“ hervor, auf einer Kiste war die Weltgeschichte auf mehreren Buchtiteln vereint. Bei einem derartigen Angebot wurden die Leseratten zu Wühlmäusen auf den Bücherkrabbeltischen.

Museumsleiter Dr. Ralf Vogeding verriet, dass der Bestand des Bücherflohmarktes zu etwa 95 Prozent in den vergangenen drei bis vier Wochen von Leuten herangebracht wurde, die ihre Bücherregale ausgeräumt hatten. Er betonte, dass es bislang bei den Bücherflohmärkten im Kreismuseum noch nie so viele Bücher gab wie 2015. Insbesondere sehr viele Kinderbücher.

Das war auch gut so, denn es waren zahlreiche Eltern mit Kindern gekommen. Insbesondere am Sonntagvormittag gab es einen wahren Run auf den Lesestoff – die ehrenamtlichen Mitarbeiter kamen gar nicht von den beiden Waagen, auf denen die Literatur gewogen wurde, weg.

Vogeding hat in den vergangenen Jahren einen Lese-Kreislauf ausgemacht: „Es gibt Leute, die in einem Jahr Taschen voller Bücher holen, diese ein Jahr später zum Bücherflohmarkt zurückbringen und sich kiloweise neuen Lesestoff mitnehmen.“

Gleich, ob die Schwarte über die versunkenen Hochkulturen der Vergangenheit oder die Traumreise rund um die Welt, ob Erzählungen von Wilhelm Busch oder der Band zum Thema Selbstheilungskräfte des Körpers: Jedes Buch ist Lesestoff für irgendeinen, der daran Freude hat und dem damit geholfen ist.

„Der Mond – ihr Helfer im Garten“: Das Buch mit diesem Titel veranlasste einen Kleingärtner zu einer süffisanten Bemerkung. „Mein Stückchen Garten ist winterfest“, lachte er, „jetzt kann mir der Mond auch nicht mehr helfen.“

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