Brigitte Gläsel und Jürgen Maisenbacher präsentieren gemeinsam ihre Ausstellung „Lebensspuren“ im Kreismuseum

Dunkle Erkenntnisse und menschliche Verhaltensweisen

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Brigitte Gläsel und Jürgen Maisenbacher stellen ihre Plastiken und Malereien vor.

Von Dagmar Voss. Fast wirkt es wie ein Dialog, wie sich die weiblichen Wesen auf der einen Seite und die männlichen auf der anderen Seite anblicken. Da sind die Frauenporträts mit dem humorigen Titel „Alte Schachteln“ von Brigitte Gläsel und die Metallobjekte aus der Reihe „Vogelmenschen“ von Jürgen Maisenbacher, die in der neuen Ausstellung „Lebensspuren“ anscheinend in Kommunikation treten.

Lebensspuren haben die beiden auf vielfältige Weise dargestellt. So sitzt da der lebensgroße „Bruno“ aus geschweißtem Kupfer und Stahl am Eingang des Raums, der scheinbar gelassen durch seine runde Brille die Besucher beobachtet. „Statisches Sitzen, Beobachten und dabei verschwiegen sein, das stellt er dar“, erklärt dessen Schöpfer. Der promovierte Naturwissenschaftler fährt fort: „Gern karikiere ich menschliche Verhaltensweisen, aber meine Arbeiten sollen in ihren Aussagen ambivalent bleiben, sollen die Veränderlichkeit der Dinge symbolisieren.“ Das lässt sich auch in winzigen Metallplastiken sehen wie „Germanys Next Topmodel“, bei der die eher gestelzt wirkende Haltung dieses Kupferwesens zum Schmunzeln einlädt.

In ihrem größten Ausstellungsstück „Albtraum“ hingegen hat Psychologin Gläsel ihre eher dunklen Erkenntnisse aus einem Seminar zu „Nachkriegskinder“ bei der bekannten Bestsellerautorin Sabine Bode verarbeitet: „Ich träumte in der Nacht darauf diese Bilder und habe da wohl mein Erkennen bearbeitet, dass die Vergangenheit noch immer präsent ist, dass alles gewärtig ist – und dass im Dritten Reich nicht nur die Männer Nazis waren, sondern auch die Frauen.“ Zu sehen ist zwischen entlaubten Bäumen ein großes unbelebtes Gebäude auf einer Brücke, davor eine Frau mit Kind, und unter der Brücke schemenhafte Figuren, die nicht sehr Vertrauen erweckend wirken. Für diejenigen Gäste, die gern mal ein bisschen aktiv werden, gibt es ein Stellbild, quasi ein Paravent, versehen mit 15 drehbaren Glasscheiben, darauf sind ebenfalls Menschen abgebildet.

Brigitte Gläsel und Jürgen Maisenbacher arbeiten seit Jahren zusammen in einem Atelier in Achim. Die jährlichen Tage des Offenen Ateliers gestalten sie ebenfalls schon lange zusammen. Dabei ist ihnen ganz offensichtlich ihre Individualität erhalten geblieben und daraus entstanden sind Werke, die zum näheren Betrachten einladen, zum Hineingehen und Sich-Mitnehmen-Lassen in die künstlerischen Welten.

Seit Sonntag sind diese sehenswerten Gemälde und Bildobjekte, Plastiken und Druckgrafiken der beiden Achimer Künstler im Sonderausstellungsraum des Kreismuseums zu sehen.

Hausherr Ralf Vogeding stellte sich zur Vernissage dem Prozess des Kommunizierens, einerseits zwischen den Arbeiten der beiden Kunstschaffenden, andererseits zwischen Werken und Betrachtern. „Wenn Kunst das vermag, uns zu berühren und mitzunehmen, dann ist es gute Kunst“, so der Museumsleiter.

Die Ausstellung der mehr als 80 Arbeiten sind noch bis zum 10. Januar 2016 im Kreismuseum zu sehen.

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