Syker Autor Hendrik Lambertus veröffentlicht historischen Roman „Das Erbe der Altendiecks“

Die Bremer Buddenbrooks

Hobby-Historiker erkennen es vielleicht – für alle anderen ist es eine historische Tatsache, mit der man im Freundeskreis beeindrucken kann: Auf dem Cover von „Das Erbe der Altendiecks“ von Autor Hendrik Lambertus ist unter anderem der Bremer Dom zu erkennen – mit nur einem Turm. Der Südturm war im 17.  Jahrhundert eingestürzt und wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts neu erbaut. Foto: Heinfried Husmann
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Hobby-Historiker erkennen es vielleicht – für alle anderen ist es eine historische Tatsache, mit der man im Freundeskreis beeindrucken kann: Auf dem Cover von „Das Erbe der Altendiecks“ von Autor Hendrik Lambertus ist unter anderem der Bremer Dom zu erkennen – mit nur einem Turm. Der Südturm war im 17.  Jahrhundert eingestürzt und wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts neu erbaut.

Syke - Natürlich hat er die „Buddenbrooks“ gelesen. Und sehr gemocht. Als Leser begleitete Hendrik Lambertus einst den Verfall einer Lübecker Kaufmannsfamilie, grandios erdacht und niedergeschrieben vom großen Thomas Mann. Nun hat sich der Syker selbst in die Riege der Familiensaga-Autoren eingereiht – mit „Das Erbe der Altendiecks“.

Der Syker Autor ist ein echter Vielschreiber. Gerade hat er den zweiten Band seiner „Mitternachtsschule“ und das neue Buchprojekt „Die Mission der tollkühnen Bücher“ veröffentlicht: zwei Werke, die sich vor allem an die junge Leserschaft ab acht Jahren richten.

Parallel dazu aber arbeitete er an einer Anregung seiner Lektorin: Die hatte ihm vorgeschlagen, sich doch mal an einem historischen Roman – einer Familiensaga – zu versuchen. Lambertus ging in sich. Und schlug seiner Lektorin bald darauf drei mögliche Szenarien vor: aus den Bereichen Alchemie, Festungsbau oder Uhrmacherei. Die Wahl fiel auf Letzteres.

Vor der neuen Aufgabe hatte Lambertus gehörigen Respekt: Die „Angst, was falsch zu machen“, begleitete ihn durch das gesamte Projekt. Um die Geschichte einer (fiktiven) Bremer Uhrmacherdynastie möglichst stimmig ins Bremen des 18. und 19. Jahrhunderts einzupassen, recherchierte Lambertus akribisch. Er war Stammgast in der „Bremensien“-Abteilung der Uni-Bibliothek und in der Stadtbibliothek. Tief stieg er in die Geschichte der Stadt ein, „die ich sehr mag“. Und geht seitdem mit anderen Augen durch Bremen. „Ich weiß jetzt, wo früher das alte Stadthaus war – oder wo der Pranger stand.“

Darüber hinaus brauchte Lambertus auch einen Experten für das Handwerk der Altendiecks: einen Uhrmachermeister mit einem Faible für antike Uhren. Er fand ihn in Timo Gérard: Der Bremer stand ihm mit vielen technischen Ratschlägen zur Seite und gewährte ihm auch Einblicke in seine Werkstatt.

In dem Werk begleitet der Leser die Uhrmacherfamilie Altendieck über vier Generationen – von der Mitte des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Der rote Faden, der alle Teile verbindet, ist Gesche Altendieck, die als Kind den beruflichen Erfolg ihres Vaters miterlebt, als junge Frau die Geschicke der Uhrmacherfamilie lenkt, die Leitung später an ihren Sohn weitergibt und schließlich als Matriarchin über den Fortbestand ihrer Familie und ihres Lebenswerkes wacht.

Auf der einen Seite achtete Lambertus penibel darauf, keine Fehler einzubauen, wenn es um Ortsnamen oder den historischen Rahmen ging. Andererseits aber nahm er sich die Freiheit, seiner erdachten Dynastie einen festen Platz in der Bremer Geschichte zu geben. Ein Beispiel: Die mächtige Meybach-Bodenstanduhr, die noch heute in der Oberen Rathaushalle steht, ist in dem Roman eben eine Altendieck-Uhr. „So einen Roman kann man nicht authentisch-historisch schreiben“, erklärt der Syker. „Aber man kann sich bemühen, plausibel-historisch zu schreiben.“

Diese Freiheit hielt Lambertus nicht davon ab, hier und da an seinen eigenen Ansprüchen nahezu zu verzweifeln. „Geschrieben – nachgeschlagen – Panik bekommen – neu geschrieben“, so ging es nach seinen Schilderungen mehr als einmal. „Es war eine Gratwanderung“, sagt Hendrik Lambertus. Doch eine, die schließlich noch zum Ziel führte. Vor wenigen Tagen kamen die ersten Exemplare von „Das Erbe der Altendiecks“ in Syke an. „Ein magischer Moment“, schildert der Syker den Augenblick, als er das Paket öffnete. Wie sieht das Buch aus? Wie fühlt es sich an? Wie liegt es in der Hand?

„Es ist immer anders, als man es sich vorgestellt hat.“ Das Schreiben, die Abgabe des Manuskripts – all das liegt dabei schon eine Weile zurück. „Das eigene Buch zum ersten Mal in den Händen zu halten“, sagt Hendrik Lambertus, „das ist wie ein Ernten“. Er hält kurz inne. „Wie ein Geschenk.“ Ein besonderes Geschenk gab es für ihn mit der Veröffentlichung des Romans: „Das Erbe der Altendiecks“ ist auch als Hörbuch erschienen – als ungekürzte Lesung mit Schauspieler Oliver Erwin Schönfeld. „Es ist spannend, das eigene Buch vorgelesen zu bekommen“, findet Lambertus.

Wie wäre es mit dem nächsten Schritt – einer Verfilmung des Familienstoffes? „Ach, da würd’ ich nicht Nein sagen“, sagt Lambertus mit einem Schmunzeln und scheint für einen Moment zu überlegen, wie das wohl aussehen würde. „Das Potenzial dafür hätte es. Wäre spannend, zu sehen, wie andere Leute das umsetzen, was man da gemacht hat.“ Es müssen ja nicht gleich „Die Buddenbrooks“ sein: Die Saga erfuhr durch die aufwendig gedrehte Fernsehserie 1979 einen großen Popularitätsschub. Lambertus reichen fürs Erste Buch, E-Book und Hörbuch.

„Das Erbe der Altendiecks“ ist im Rowohlt-Verlag erschienen und ab sofort im Buchhandel als Taschenbuch für zwölf Euro erhältlich. Lambertus: „Die lokalen Buchhändler liefern auch aus!“

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