Landtagskandidaten im Interview

Torsten Kobelt: „Der böse Wolf lauert woanders“

Torsten Kobelt

Landkreis - „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, sagt Torsten Kobelt – und will genau das im Landtag umsetzen. Der 52-Jährige kandidiert für „Die Partei“. Kobelt ist gelernter Tischler, arbeitet jetzt aber in der Instandhaltung von Windenergieanlagen.

„Ledig, aber liiert“, wie er es formuliert, wohnt er in Ahausen (Weyhe). „Was ich mache, mache ich mit Leidenschaft“, sagt er zu seiner Stärke. Seine Schwäche beschreibt er so: „Ich zweifle oft, ob das, was ich tue, gut genug ist.“ Und seine Angst? „Tatsächlich überfällt mich manchmal die furchtbare Angst, eines meiner Kinder könnte vor mir sterben. Das würde ich nicht überleben wollen.“ Im Interview nimmt Kobelt Stellung zu aktuellen landespolitischen Themen.

Wenn landesweit mindestens 300 Lehrer an den Schulen fehlen, weil es nicht genügend Bewerber gibt, dann ist das ein Kardinalproblem im Bildungsbereich. Denn Bildung schafft die Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft – persönlich, gesellschaftlich und wirtschaftlich. Wie wollen Sie das akute Lehrermangel-Problem lösen und wie wollen Sie das finanzieren?

Torsten Kobelt: Lehrer brauchen mehr Wertschätzung. Das Märchen des bequemen Beamtenjobs hält sich zäh. Dazu kommen starre Lehrmethoden, veraltete Strukturen und Materialien. Finanzieren kann man das flott aus Mitteln der Parteienfinanzierung. Wer acht Milliarden Plakate pro Landkreis verballern kann, kann auch Lehrer einstellen.

Dass die Polizei in Niedersachsen verstärkt werden muss, ist -– wie Wahlprogramme beweisen – politisch unstrittig. Wieviele neue Kräfte wollen Sie einstellen – auch mit Blick auf die bevorstehende Pensionierungswelle? Und vor allem: Wie wollen Sie diese Polizisten in Zeiten des Fachkräftemangels gewinnen?

Kobelt: Die Polizei muss einen Querschnitt der Gesellschaft widerspiegeln. Eine intensivere Vernetzung mit Schulen, Politik und anderen gesellschaftlichen Kräften ist daher die Zukunft. Polizei als starres Instrument der Exekutive ist unzeitgemäß und bürgerfern. Vernünftige Bezahlung statt Überstunden versteht sich von selbst.

Haben Sie Sorge um die Innere Sicherheit in Niedersachsen? Wenn ja, was muss dann sofort umgesetzt werden?

Kobelt: Innere Sicherheit kommt von innen. Das Geschwafel vom drohenden Bürgerkrieg und Horden, die uns überrennen, zeichnet ein irreales Bild. Es naht nicht das Ende der zivilisierten Welt und man kann sogar einen Butterpreis von zwei Euro überleben. Aber von der Angst leben ganze Wirtschaftszweige.

Die Klagen über eine überlastete Justiz scheinen kein Ende zu nehmen. Der Niedersächsische Richterbund fordert 250 neue Stellen für Gerichte und Staatsanwaltschaften. Wie stehen Sie zu dieser Forderung?

Kobelt: Mein Drei-Punkte-Plan: Cannabis legalisieren. Unsinnige Haftstrafen fallen weg. 100 Richter freigesetzt. Bedingungsloses Grundeinkommen einführen. Klagen gegen Hartz IV fallen weg. Hundert Richter freigesetzt. Kostenlosen ÖPNV einführen. Menschen kommen legal nach Hause. 50 Richter freigesetzt. Problem gelöst.

Niedersachsen hat Schwein – sprich mit 8,01 Millionen Borstentieren mehr Schweine als Bürger (7,7 Millionen Einwohner). Der Tierschutz in der Landwirtschaft hat deshalb – nicht nur für Schweine – enorme Bedeutung. Was würden Sie sofort verbessern?

Kobelt: Das T in „Partei“ steht für Tierschutz. Wir fordern daher Rasenheizungen für Koppeln und Weiden, die Beachtung von Persönlichkeitsrechten bei Katzenvideos und eine Fütterungspflicht für Enten. Auch Schweinepriester würden wir gern einstellen. Leider werden die wohl stattdessen erstmalig in den Landtag einziehen.

Die schätzungsweise 120 Wölfe in Niedersachsen haben laut Landesjägerschaft in neun Jahren 500 Nutztiere gerissen. Der Konflikt zwischen Nutztierhaltern und Wolfsanhängern wird immer schärfer. Haben Sie eine Lösung?

Kobelt: 500 „Nutztiere” in neun Jahren? Da reißen die Raser und Drängler auf den Straßen sicher mehr Lebewesen pro Jahr. Die Relation ist eindeutig. Wie viele „Nutztiere” sterben an Krankheiten aufgrund der Massentierhaltung, bei Transporten oder werden getötet, weil sie nicht nützlich genug sind? Der böse Wolf lauert woanders.

Alle Kandidaten, alle Ergebnisse

Die weiteren Kandidaten im Wahlkreis und die Ergebnisse am Wahlabend finden Sie in unserem Überblick.

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