Kritiker der Gemeindereform

Exil-Syker Hans-Günter Henneke: Blick zurück ganz ohne Zorn

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Seit 25 Jahren vertritt Hans-Günter Henneke die Interessen der Landkreise gegenüber Bund und Ländern. Henneke ist ein Steimker Jung und wird heute 60. 

Syke - Von Michael Walter. Er ist ein echter Steimker Jung, war fünf Jahre lang Stellvertreter des Oberkreisdirektors in Diepholz und ist seit 1993 Geschäftsführer des Deutschen Landkreistags, des Spitzenverbands der Landkreise: Hans-Günter Henneke. Heute wird er 60 Jahre alt.

Seine familiären Wurzeln sind oft nach Henstedt verlegt worden. Dabei ist er doch auf einem Bauernhof in Steimke aufgewachsen, einen Steinwurf von der Henstedter Ortsgrenze entfernt. „Ich bin als Einzelkind mit Landwirtschaft und Vieh groß geworden“, erzählt Henneke. Trotzdem war von Kindheit an Politik sein Steckenpferd.

Nicht ganz unschuldig daran düfte sein Opa gewesen sein. Der war 26 Jahre lang Bürgermeister von Steimke, bevor das Dorf im Zuge der Niedersächsischen Gemeindereform in die Stadt Syke eingemeindet wurde. „Er hat mein politisches Interesse geweckt“, sagt Henneke. „Ich habe das schon als Kleinkind mitverfolgt.“

Hans-Günter Henneke 1988 bei seinem Amtsantritt als Kreisrat in Diepholz.

Vor jeder Wahl musste der kleine Hans-Günter die Wahlbenachrichtigungen an die Haushalte verteilen. „Damals gab es in Steimke noch keine Straßennamen, sondern nur Hausnummern. Und die waren nach der Reihenfolge des Baus vergeben, also bunt verteilt.“ Folge: „Ich kannte im Dorf jeden Namen und jedes Haus. Das behält man. Und das prägt.“

Abitur am Gymnasium 1976

1976 machte Henneke sein Abitur am Syker Gymnasium und studierte danach Jura in Kiel, wo er anschließend von 1980 bis 1988 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni beschäftigt war. Bis er dann in Diepholz zum Kreisrat gewählt wurde – was ihn damals selbst ein bisschen überrascht hat.

„Ich bin gefragt worden, ob ich das machen will“, erzählt er. „Das kam insofern für mich überraschend, weil ich mich in den 70er-Jahren intensiv gegen die Kreisreform engagiert hatte.“ Bei einigen muss er damals bleibenden positiven Eindruck hinterlassen haben, nicht zuletzt beim damaligen Oberkreisdirektor Heise. Bei anderen eher einen negativen. „Ich bin im Vorstellungsgespräch mit Zeitungsartikeln von vor elf Jahren konfrontiert worden.“ Vielleicht habe er ja gerade deswegen die Einstellungskommission überzeugt, spekuliert Henneke. Jedenfalls wurde er gewählt und hatte fortan gleich zwei Arbeitsplätze als stellvertretender Verwaltungschef: In Diepholz und in Syke. „Das war eine dankbare Zeit“, blickt Henneke zurück. Wenngleich er bei der Termingestaltung auch immer habe aufpassen müssen, dass seine Verabredungen auch ins richtige Kreishaus kamen.

1993 wechselte er dann zum Deutschen Landkreistag, zunächst nach Bonn, später nach Berlin. Seitdem ist Hans-Günter Henneke ein Exil-Syker. Der Draht nachhause wurde dünner, ist aber nie ganz abgerissen. „Man lernt über die Entfernung ja keine neuen Menschen mehr kennen. Die meisten, die ich noch kenne, sind so alt wie ich oder älter. Und viele alte Bekanntschaften verflüchtigen sich auch.“

Mutter lebt weiterhin in Steimke

Seine Mutter lebt nach wie vor in Steimke. Einmal im Monat besucht Henneke sie. Kriegt man da noch mit, wie sich seine alte Heimatstadt entwickelt? „Schwierig“, sagt Henneke nach einigem Nachdenken. „Bis Ende der 90er-Jahre haben sich in Syke die Dinge mit großer Intensität entwickelt. Danach nicht mehr.“ Städtebaulich habe sich die Stadt zwar auch danach noch sehr verändert. „Aber sie hat dadurch nicht an innerstädtischem Gesicht gewonnen.“

Hennekes Eindruck ist: „Früher hat sich das städtische Leben zwischen Mühlendamm und Hauptstraße abgespielt, heute zwischen Famila und Aldi auf dem Parkplatz. Aber ich kann niemandem einen Vorwurf machen“, sagt er. Und fügt nach einer kurzen Denkpause hinzu: „Gibt es die Werbegemeinschaft eigentlich noch?“

Die aktuelle Syker Kommunalpolitik verfolge er nicht mehr, sagt Henneke. „Ich kenne von den Leuten auch niemanden mehr, auch nicht die Bürgermeisterin.“

Könnte sich Hans-Günter Henneke vorstellen, noch einmal nach Syke zurück zu ziehen? – Da muss er erstmal tief Luft holen. „Ich bin gewählt bis Achtundsechzigeinhalb“, sagt er schließlich. „Danach muss man mal kucken. Unser Familiengrab ist in Syke, ich werde also zumindest dort beerdigt werden. Aber was bis dahin passiert, weiß ich auch nicht.“

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