Kim Henkensiefken und Peter Unger bauen in Wachendorf Fachgeschäft auf

E-Bikes aus der Colonie

Peter Unger (links) und Kim Henkensiefken bauen mitten auf dem Land und mitten in der Pandemie ein neues Fahrradgeschäft auf.
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Peter Unger (links) und Kim Henkensiefken bauen mitten auf dem Land und mitten in der Pandemie ein neues Fahrradgeschäft auf.

Wachendorf – Unter der Tür laufen noch die provisorischen Stromkabel. Die Treppe zum künftigen Lagerraum führt auf einen nur teilausgebauten Boden und in der Werkstatt stehen noch halb ausgepackte Kisten und Kästen rum: Von fertig kann im neuen Geschäft der P & K Bike Company Syke noch keine Rede sein.

Fertig sind allenfalls die Betreiber: Seit Oktober rackern Kim Henkensiefken und Peter Unger wie verrückt, um aus der alten Scheune in der Colonie Wachendorf ein Schmuckstück zu machen, das zukünftig ihre Existenz sichern soll. Weit sind sie dabei schon gekommen. Aber eben lange noch nicht fertig.

„Lass uns mal ‘n Fahrradladen aufmachen“, hatte vor Jahren der eine zum anderen gesagt. Damals buchstäblich eine Schnapsidee. Aber 2020 nahm die konkrete Züge an. Als sich abzeichnete, dass Fahrrad Haake in Falldorf bald aus Altersgründen schließen würde. Peter Unger hatte lange dort gearbeitet und hätte die Nachfolge übernehmen können. „Das wollte ich aber nicht“, sagt er. Unger ging als Angestellter zu einem Fahrradhersteller, wo er immer noch im Servicebereich beschäftigt ist.

Aber dann hatte ein gemeinsamer Freund von Kim und Peter vorgeschlagen, seine alte Scheune wieder herzurichten und zwei Ladenlokale draus zu machen. Eins für sich selbst, eins für Unger und Henkensiefken. Aus den zwei Läden ist am Ende nur einer geworden.

Probelauf: Die Hebebühne in der Werkstatt funktioniert.

„Hier war überhaupt nichts“, sagt Peter Unger. „Nicht mal ein dichtes Dach.“ Heute ist da ein schicker, stylischer Verkaufsraum mit viel offenem Holz, Licht und Luft bis unters Dach und als Blickfang einem Haus im Haus für die Nebenanlagen.

„Im Oktober haben wir angefangen, das Dach abzureißen und seitdem sieben Monate 24/7 gearbeitet“, erzählt Kim Henkensiefken. „Entweder in unseren Hauptberufen oder beim Bau der Firma.“

„Das war durchaus mit Rückschlägen und Herzschmerzen verbunden“, sagt Peter Unger. Die Baugenehmigung zog sich hin. Gleichzeitig musste mit großem zeitlichen Vorlauf Ware bestellt werden. „Das ist in der Branche so“, sagt Henkensiefken. „Du bestellst normalerweise im Sommer schon die Ware für das nächste Jahr.“ Und die will ja auch irgendwann bezahlt werden.

„Wir wussten, dass es funktioniert“, sagt Henkensiefken. „Aber wir wussten nicht, dass es sich so lange hinzieht. Wir hätten eigentlich im Februar schon den Betrieb aufnehmen wollen. Tatsächlich wir es jetzt wohl Mitte Mai.“ Immerhin: Kredite mussten die beiden Jungunternehmer nicht aufnehmen. Den Umbau haben sie mit ihrem Eigenkapital finanziert.

Ist es nicht riskant, mitten in Pandemie und Lockdown ein neues Geschäft aufzubauen? Peter Unger sieht es differenziert: „Gut ist, dass wir uns langsam strukturieren können, ohne dass uns das über den Kopf wächst. Und die Leute verbringen jetzt wieder viel mehr Zeit mit der Familie und in der Umgebung. Da kommt ganz schnell das Thema Fahrrad ins Spiel.“ Negativ sieht er tatsächlich die momentane Goldgräberstimmung, die in der Branche dadurch entsteht. „Normalerweise kannst du als Händler innerhalb von drei, vier Wochen ein Rad beim Hersteller nachbestellen. Heute sind 95 Prozent ausverkauft. Was du nicht auf Lager hast, kannst du dieses Jahr auch nicht mehr besorgen.“ Kim Henkensiefken hakt ein: „Das gilt für Ersatzteile genauso.“

Übrigens: Gefragt sind momentan fast ausschließlich noch E-Bikes. Das klassische Fahrrad „nur zum Treten“ – Peter Unger spricht dabei von „Bio-Bike“ – ist vom Markt fast völlig verschwunden. „Die Nachfrage liegt nur noch bei etwa zehn Prozent, und davon ist der Großteil für Kinder.“

Von Michael Walter

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