Bibliotheken des Landkreises wollen Flüchtlingen helfen

Mit Büchern Brücken schlagen

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Jutta Behrens (l., Leiterin der Stadtbibliothek Syke) und Referentin Martina Dannert in der Bücherecke, die speziell auf die Bedürfnisse von Flüchtlingen ausgelegt ist. Besonders Bildwörterbücher sind gefragt.

Syke - Von Vivian Krause. Die Frage: Was können wir als Bibliotheken tun? Das Ziel: Geselligkeit, Informationen, ein gemeinsames Miteinander und das Erlernen der Sprache. Die Lösung: Angebote schaffen, willkommen heißen und Vorurteile beseitigen.

Die Willkommenskultur sollte auch in der Bibliothek gelebt werden – dies machte Martina Dannert, Leiterin der Stadtbibliothek Osnabrück, bei ihrem Vortrag auf dem Regionaltreffen der Bibliotheken des Landkreises Diepholz deutlich. „Keiner hat damit gerechnet, dass wir so ein Einwanderungsland werden“, so Dannert. Dennoch seien die Bibliotheken „ganz toll aufgestellt“.

Wie genau die Angebote auf Flüchtlinge und Zuwanderer zugeschnitten werden, das liege in der Hand der einzelnen Bibliotheken. Dabei müsse nicht nur die Herkunft bedacht werden, sondern auch die jeweiligen, lokalen Möglichkeiten. Konkret nennt Dannert: Kommunikationskurse, Lernateliers, ein Sortiment beispielsweise an Bildwörterbüchern, Spiele- und Filmnachmittage, Praktika oder eine spezielle Führung durch die Bibliothek: „Zeigen, nicht erzählen – das funktioniert gut!“ Die Angebote seien laut der Bibliotheksleiterin für alle, „nicht nur für Flüchtlinge.“

Selbstredend müsse bei allem ein Unterschied zwischen den großen und kleinen Bibliotheken gemacht werden. „Man kann ja keine Äpfel mit Birnen vergleichen“, so Birgit Heumann von der Beratungsstelle für öffentliche Bibliotheken Weser-Ems und Aurich.

Neben Jutta Behrens, Leiterin der Stadtbibliothek Syke, waren Vertreter der Bibliotheken aus Twistringen, Stuhr, Lemförde, Bassum, Diepholz, Sulingen und Nienburg anwesend. Mit großem Interesse sogen sie die Vorschläge von Dannert auf, brachten ihre eigenen Erfahrungen in die Runde und nahmen Ideen mit.

Das Konzept der Bibliothek Osnabrück für Zuwanderer hat erst kürzlich den Bibliothekspreis der VGH-Stiftung erhalten – und somit eine Vorbildfunktion für alle anderen. „Wir haben aber auch sehr gute Voraussetzungen“, so Dannert. Besonders hebt sie dabei die Vernetzung und Kooperation mit Experten und Ehrenamtlichen hervor. „Die Türen sind alle offen, das glaubt man gar nicht“, motiviert sie die Anwesenden.

Die Willkommenskultur sei eine gelebte Haltung, die sich in der Kommunikation und im Umgang miteinander zeigt. Man solle Vorurteile beiseite schieben und auch bei einer Dame mit dem klassischen Kopftuch die Frau dahinter sehen – das Alter, das Aussehen, die Persönlichkeit.

Ganz unbewusst behandle man Flüchtlinge anders: Man spreche lauter mit ihnen, obwohl sie dadurch die Wörter auch nicht besser verstehen. „Die sind nicht schwerhörig.“

„Ein menschliches Miteinander ist ganz wichtig“, unterstreicht auch Behrens.

Die Sprache ist ohne Frage ein großes Problem, aber auch „nicht alle können Englisch“, so Dannert. Die Stadtbibliothek Osnabrück hat dazu ein Tablet mit einer Übersetzungs-App bereitgelegt. Diese übersetze das gesprochene Wort in die jeweilige Sprache. Es sei immer ein „Voneinander-lernen“, ein Verstehen und auch eine Vermittlung von Werten. Es gehe dabei um Sensibilität, Vernetzung und ein wenig Pragmatismus. „Ob der Flyer nun korrekt übersetzt ist oder nicht, ist egal. Es geht dabei um die Botschaft“, so Dannert.

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