„Gut gegen Nordwind“

Walter Sittler kommt erneut nach Syke: „Wir wollen in die Fantasie der Zuschauer“

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Schauspieler Walter Sittler spielt Sonntagabend ab 19 Uhr im Syker Theater. Für die Lesung „Gut gegen Nordwind“ gibt es noch Restkarten an der Abendkasse.

Syke – Im Jahr 2006 landete der Wiener Journalist und Autor Daniel Glattauer einen Bestseller mit „Gut gegen Nordwind“, der Geschichte von Emmi und Leo. Eine fehlgeleitete Mail ist der Start in eine zauberhafte Internet-Bekanntschaft.

Der Roman wurde in 28 Sprachen übersetzt und mittlerweile an 40 deutschen Theatern aufgeführt in unterschiedlichen Besetzungen. Sonntag kommt das Stück als Lesung ins Syker Theater – mit Walter Sittler als Leo und Aglaia Szyszkowitz als Emmi. Wir sprachen mit dem Schauspieler über das Stück, über Lesungen und seine Beziehung zu Syke. Die Fragen stellte Ruth Cordes.

Herr Sittler, Sie werden am Sonntag in Syke im Theater mit dem Stück „Gut gegen Nordwind“ zu sehen sein. Wo sind Sie im Moment unterwegs?

Ich bin zur Zeit in München, und wir proben einen musikalischen Abend, aber da kann ich Ihnen noch nicht so viel drüber sagen, weil wir gar nicht wissen, ob wir das hinkriegen. Ansonsten bin ich unterwegs mit Mariele Millowitsch, mit dem Stück „Alte Liebe“ von Elke Heidenreich und Bernd Schröder. Und dann hab ich noch das Hildebrandt-Programm und den Kästner und dann wird’s noch einen neuen Kommissar geben aus Gotland. Außerdem planen wir einen Dokumentarfilm, meine Frau und ich als Produzenten.

Das hört sich alles super spannend an.

Ja, das ist es auch. Etwas viel, aber super spannend!

Die Aufführung „Gut gegen Nordwind“ wird eine Lesung?

Ja, Aglaia Szyszkowitz und ich haben das 2010 / 2011 unzählige Male als Schauspiel aufgeführt. Später kam öfter die Anfrage, dass Stück zu lesen, weil es die Requisite zum Beispiel auch gar nicht mehr gibt. Wir haben das gemacht, und das hat sehr gut funktioniert. Für Syke haben wir jetzt noch Musik integriert. Das ist neu! Wir machen das total gern, weil es ein modernes Stück ist. Und ja, es zeigt, was los ist in den Zeiten, in denen wir leben. Mit unseren Kommunikationsmitteln. Es ist eine andere Art als vor 40 Jahren.

Als Laie würde man vermuten, dass eine Lesung kaum schauspielerische Möglichkeiten bietet. Wie sehen Sie das? Wie würden Sie einem Laien den Unterschied zum Schauspiel erklären?

Wenn es eine gute Lesung ist, dann fehlen das Bühnenbild und die vielen Bewegungen. Sonst fehlt nichts!

Zwischen mir und dem Publikum und zwischen Aglaia und dem Publikum ist das Papier. Aber inhaltlich, gesprochen und emotional darf eigentlich nichts fehlen. Es geht vielleicht nicht ganz so hoch hinauf. Nicht so, wie wenn man lange geprobt hat und mit Requisite und Bühnenbild umgeht, aber die Emotionen sind genau so stark.

Was verstehe ich unter hoch hinauf?

Also dass man noch extremer spielen würde, was man mit dem Papier auf dem Tisch natürlich nicht tut. Die Intensität ist eigentlich genauso. Was ankommt, ist genauso. Wenn eine Lesung gut läuft, dann bringt man die Fantasie des Zuschauers richtig in Gang. Und das ist das, was wir wollen. Wir wollen in die Fantasie der Zuschauer. Dass sie mehr erleben, als wir spielen. Das ist das Kunststück des Theaters. Und das ist auch das Kunststück, wenn gute Unterhaltung gemacht wird.

In der Kirche ist es genau dasselbe letztlich: Ein guter Pfarrer bewegt dich. Du weißt nicht genau wohin. Das ist im Prinzip die Verführung zu einem selbst. Dann nimmt der Zuschauer was mit. Und das ist toll, wenn das passiert.

In Zeiten des schlechten Benehmens im Internet setzt das Stück ganz andere Akzente. Es hat Charme, setzt auf flirtiges, intimes, vorsichtiges und höfliches Herantasten. Sehen Sie sich als eine Art Botschafter der guten Kommunikation im Netz?

Nein, weil bei der Kommunikation im Netz sich die Leute Dinge offen an den Kopf werfen. Das ist bei Emmi und Leo ganz anders, die bleiben auf ihrem Spielfeld. Die gehen ja nicht nach draußen damit. Das ist eine Liebesgeschichte, ohne dass sie sich physisch näher kommen. Sie kommen sich sehr nahe, sind wahnsinnig intim. Nur das Körperliche fehlt. Es ist nicht als Botschafter des guten Benehmens zu verstehen. Mehr eine Botschaft, wie man miteinander reden kann. Auch in Zeiten des Internets. Wenn nicht irgendwann das Körperliche dazu kommt, das Sich-sehen, Riechen, Anfassen, dann wird es sehr schwer…

Wie viel Leo Leike steckt in Walter Sittler?

(lacht) Also, wir sind ja verschiedene Persönlichkeiten. Wir versuchen immer eindeutig zu sein, das funktioniert aber ganz schlecht. Und die Anerkennung, dass man vielfältig ist, macht das Leben leichter. Das bedeutet nicht, dass man alles auslebt, was man fühlt und denkt und machen könnte. In meinem Beruf ist es ja wichtig, dass man viele Personen sein will. Und ein kleiner Teil bei mir ist sicherlich auch Leo Leike. Also ganz bestimmt sogar, sonst würde ich es nicht so gerne spielen. Ich muss jede Person, die ich spiele, mögen. Egal, ob der Zuschauer sie mag oder nicht. Egal, ob sie als gut oder schlecht empfunden wird. Das ist nicht mein Problem. Ich muss sie mögen. Urteilen müssen andere.

Herr Sittler, wir freuen uns, dass Sie nach Syke kommen. Haben Sie Erinnerungen an Syke? Sie waren ja schon mal hier.

Ich war schon ein paar Mal in Syke. Einmal war das Theater nicht spielbar, weil es einen Defekt gab. Da haben wir woanders gespielt. Und das ist das Tolle am Theater. Wir brauchen die Männer und Frauen, die spielen – und die, die zuschauen. Ob das nun eine alte Kirche ist oder das Theater. Theater ist natürlich schon schöner, da ist es warm, und man hat gutes Licht, und es ist der Ort, wo meine berufliche Heimat ist.

Ja, ich komme gerne wieder nach Syke.

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