Bestseller-Autorin Dora Heldt liest – und überzeugt mehr, wenn sie es nicht tut

„Jetzt wird‘s komischer“

Dora Heldt war am Dienstagabend zu Gast bei der Kreisparkasse in Syke.
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Dora Heldt war am Dienstagabend zu Gast bei der Kreisparkasse in Syke.

Syke - Von Frank Jaursch. Dora Heldt als Publikumsmagnet: Nur selten war der Run auf die Karten der „Literatur vor Ort“-Veranstaltung von Kreissparkasse und Nordwest-Radio so groß wie in diesem Jahr. Die 250 Plätze im KSK-Veranstaltungssaal waren nach drei Tagen ausverkauft. Am Dienstagabend kam die Bestsellerautorin nach Syke, um aus ihrem neuen Buch zu lesen und ein bisschen zu plaudern – über ihre Bücher, über Sylt und die Welt.

„Gefühlte 93,5 Prozent sind weiblich“, schätzt Moderatorin Hilke Theessen zu Beginn der Lesung schmunzelnd mit einem Blick ins Publikum. Tatsächlich sind die Damen deutlich in der Überzahl. Wer ihre Romane kennt, weiß warum.

Es sind Geschichten von Frauen „in den besten Jahren“ – Geschichten, in denen dem Leser (oder eben meist der Leserin) der Esprit einer flotten Schreibe und ein Hauch salziger Inselluft entgegenweht. Seit ihrem dritten Roman „Urlaub mit Papa“ (2008) ist Heldt immer wieder in den Bestseller-Listen präsent.

In Syke liest sie aus ihrem neuen Buch „Wind aus West mit starken Böen“. Darin hat sie „neues Personal“ eingebaut – die eingefleischten Fans müssen also auf lieb gewonnene Protagonisten der vorangegangenen Bücher verzichten.

Heldt selbst bezeichnet das jüngste Werk als ihr „Herzensbuch“. Es spielt größtenteils auf Sylt – jener Insel, auf der Heldt geboren wurde und die sie bis heute als „Zuhause“ bezeichnet, auch wenn sie in Hamburg wohnt.

Beim Schreiben habe sie sich viele Gedanken über ihre eigene Jugend gemacht, erzählt sie mit angenehm tiefer Stimme. „Ich hab das so ernst genommen beim Schreiben.“ Ist das vielleicht der Grund dafür, dass den anschließend vorgelesenen Textpassagen ein wenig die Leichtigkeit anderer Heldt-Werke zu fehlen scheint? Die Zuhörer bekommen eine Vorstellung von der neuen Protagonistin Katharina (48), von ihrer Schwester Inken, deren Ex-Mann Jesper und von Katharinas erster großen Liebe Hannes. Hinzu kommen treffend beschriebene Schilderungen, in denen Sylt-Besucher vielfach bekannte Motive wiedererkennen.

Doch nur vereinzelt entlocken Textstellen dem Publikum leises Gelächter. Die Lesung in Syke ist erst Heldts zweite Lesung überhaupt zu ihrem neuen Buch, und die Autorin scheint mit der Auswahl der Texte nicht ganz zufrieden zu sein. „Es bleibt nicht so ernst, keine Sorge“, erklärt sie nach knapp zehn Minuten geradezu entschuldigend. Ein paar Kapitel später kündigt sie an: „Jetzt wird‘s komischer. Das Hotel brennt nämlich ab.“ Der Applaus am Ende der 50 Minuten ist ebenso freundlich wie zu Beginn, aber eben nicht überschwänglich.

Viel mehr überzeugt die Autorin im anschließenden Gespräch mit Moderatorin Hilke Theessen. Denn Heldt hat viel zu erzählen und einiges zu sagen. Über ihre Tätigkeit als Buchhandels-Vertreterin etwa, oder auch über ihre Verärgerung über die wahnsinnige Baupreisentwicklung auf Sylt.

Die hat sie als scharfe Kritik in ihren neuen Roman eingearbeitet. „Dem Zahnarzt aus Winsen an der Luhe, der sich grad für 2,8 Millionen Euro ein Haus auf Sylt gekauft hat, muss ich das nicht erzählen“, sagt sie und fügt hinzu: „Aber wenn ich mir überlege, dass seine Frau das bei mir liest...“

Die Zuhörer erhalten Einblicke in Heldts Arbeitsroutinen. Sie erfahren, wie sie auf Kritik (und Kritiker) reagiert. Heldt berichtet von ihrem mitunter mangelhaften Organisationstalent – und davon, dass sie sich selbst auch an grauen Novembertagen buchstäblich in gute Laune schreiben kann.

Am Ende des Gesprächs gibt es deutlich längeren Applaus für Dora Heldt. Und einen entwaffnend offenen Rat von der Moderatorin: „Sie können sich“, sagt Theessen, „ja noch andere Textstellen raussuchen. Es kommen ja noch viele Lesungen.“

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