Bestseller-Autor Klaus Modick widmet sich in seinem neuen Buch Rilke und Vogeler

Der leere Stuhl des ungeliebten Dichters

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Bestseller-Autor Klaus Modick

Syke - Von Tobias Kortas. „Man kann Rilke nichts Schlimmeres antun, als ihn zu zitieren“, meint der Oldenburger Bestseller-Autor Klaus Modick kühl. Seine Zuhörer lachen herzhaft. Schließlich sind es ja vor allem diese herrlich ironisch wiedergegebenen Zitate Rainer Maria Rilkes, die das gut 50-köpfige Publikum in der Buchhandlung Schüttert bei der Vorstellung seines neuen Romans „Konzert ohne Dichter“ begeistern.

„Die Dinge des täglichen Lebens sträuben sich gegen den Umgang mit mir“, erklärt der berühmte Dichter zum Beispiel übertrieben hochmütig, als er geistesabwesend eine Tasse umwirft.

Ein Jahr lang hat Modick an „Konzert ohne Dichter“ gearbeitet. Ein 240-seitiges Buch, das bereits Platz fünf der Spiegel-Bestsellerliste erreicht hat. Montag Abend stellte er sein neues Werk in Syke vor.

„Die Arbeit an dem Roman hat damit begonnen, dass ich mich für Jugendstil-Architektur in Oldenburg interessiert habe“, sagt Modick. Bei diesem Thema kommt man um Heinrich Vogeler nicht herum. „Ich habe schließlich über Vogeler recherchiert und bin auf das Gemälde ››Das Konzert oder Sommerabend auf dem Barkenhoff‹‹ gestoßen.“ Markantes Detail: Vogeler hat ins Zentrum des Bildes, das Mitglieder der Worpsweder Künstlerszene wie Paula Modersohn-Becker, Clara Rilke-Westhoff und Otto Modersohn um 1900 zeigt, einen leeren Stuhl gezeichnet. Modick war neugierig auf den Grund dafür und hatte damit das Thema für einen neuen Roman gefunden. „Dort hätte eigentlich Rilke sitzen sollen. Doch der hatte es sich mit den Worpsweder Künstlern dermaßen vermiest, dass Vogeler ihn quasi aus dem Bild radiert hat“, fand Modick heraus.

Zunächst aber verbindet Vogeler und Rilke eine tiefe Freundschaft. So lädt Vogeler den damals jungen Dichter häufig in sein Domizil nach Worpswede ein. Doch das Verhältnis kippt mit der Zeit. Sätze wie „Jeder Vokal sei eine Feier, jeder Konsonant ein zur Feier geladener Gast“, mit dem Rilke von seinem geplanten Gedichtband spricht, rezitiert Modick mit deutlichem Sarkasmus. Dem Zuhörer wird klar, dass Rilkes Hochmut der Grund für den leeren Stuhl auf dem Gemälde Vogelers war.

Modick weiß, wie er sein Publikum während der Lesung zum Lachen bringt: Etwa mit dem ständigen „Ach was!“ der schwerhörigen Tante Vogelers zum selbstverliebten Gerede Rilkes.

Wie er denn so detailgetreu die historischen Personen in seinem Buch nachzeichnen konnte, will ein Zuhörer anschließend von Modick wissen. „Es war schon alles da, ich musste es nur zur Kenntnis nehmen“, antwortet der 64-jährige Oldenburger und verweist auf seine Quellen. „Rilke war zum Beispiel ein manischer Briefeschreiber, mit Texten von über 60 Seiten.“ Schließlich dienten auch die Gedichte des berühmten Lyrikers und die Bilder von Heinrich Vogeler oder Paula Modersohn-Becker als Material für den Roman.

Für seine Lesung erntet Modick kräftigen Applaus.

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