Jan Jahn wirbt für mehr Einmischung

Beruhigungsmantra statt Meckerkultur

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Gastierte zum fünften Mal in der Barrier Wassermühle: Kabarettist Jan Jahn. 

Barrien - Von Anika Bokelmann. Jan Jahn plädiert für mehr Einmischung und Zivilcourage. Nur wer sich politisch engagiert, kann Deutschland lebens- und liebenswerter machen. „Obwohl Deutschland ja gar nicht so schlecht ist.“ Auf diese Aussage kam der Kabarettist immer wieder zurück.

Auf Einladung der Kulturinitiative Rüttelschuh gastierte Jan Jahn zum mittlerweile fünften Mal in der Wassermühle in Barrien – diesmal mit seinem aktuellen Programm „Kein schöner Land“.

Passend dazu eröffnete und beendete er den unterhaltsamen Abend mit dem gleichnamigen deutschen Volkslied, das einige Zuschauer direkt mit anstimmten. Überhaupt zeichnete sich Jahns Politkabarett durch Musik aus. Ob mit Klavier oder Gitarre – stets untermalte er seine Ausführungen zu Themen, die Deutschland bewegen, mit reichlich Rhythmus oder aber auch mal mit ruhigen und nachdenklich stimmenden Tönen.

Suche nach der „guten Nachricht“

Egal, ob die Vermaisung der Landschaft oder die anstehende Bundestagswahl, immer suchte Jan Jahn „die gute Nachricht“, wie er dem Publikum mit einem Schild plakativ vor Augen hielt. „Es ist Zeit für mehr Mais“, betonte der in Berlin geborene Kabarettist, der inzwischen in Hamburg lebt, beispielsweise mit Blick auf Biogas und die Aussicht auf „Ein Bett im Maisfeld“.

„Was ist unser eigener Anteil an allem, was schief läuft?“, fragte Jan Jahn weiter provokativ in die kleine Runde in der Wassermühle. Da dem Kleinkünstler zufolge den Deutschen „das Meckern in den Genen liegt“, sah er sich in der Pflicht, die Vorteile seines Heimatlandes aufzuzeigen: Die Brotvielfalt und die Demokratie führten diese Liste an.

Weiter verdeutlichte Jahn die Politikverdrossenheit anhand von Zahlen. So hatte er recherchiert, dass sich 72 Prozent der Bürger über das mangelnde Interesse der Politiker an der Meinung der Bevölkerung beschweren. Im Gegenzug seien aber auch 67 Prozent nicht an Politik interessiert, so der Kabarettist, der mit farbenfrohen Outfits und Kostümen für Abwechslung sorgte. „Jeder so, wie er es verdiente“, lautete Jahns Kommentar.

Weitere Themen des rund zweistündigen Programms, denen sich Jan Jahn musikalisch in Form von Sprechgesang und instrumentaler Begleitung näherte, waren die Nachbarschaftskultur, geprägt von mangelnder Freundlichkeit, die neueste Generation von Smartphones und die „Quasimodo-Haltung“ der Nutzer sowie die Bedeutung des Ehrenamts.

Immer wieder suchte Jan Jahn den Kontakt zum Publikum, band die Männer und Frauen anhand von Fragen und Zurufen in seine Geschichten ein und hatte zudem Tipps parat.

So riet der Künstler, in schwierigen Situationen, beispielsweise bei Vorfahrtsmissachtungen im Straßenverkehr oder Zugverspätung, ein „Beruhigungsmantra“ anzustimmen, das schließlich Publikum und Protagonist des Abends gemeinsam sangen.

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