Interview zum Abschied in den Ruhestand

Jobcencter-Chef Bernd Jobs: Der Name ist Programm

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Bernd Jobs ist seit zwölf Jahren Geschäftsführer des Jobcenters (vorher Arbeitsmarktservice). Heute wird der 62-Jährige offiziell in den Ruhestand verabschiedet. 

Syke - Der Name ist bei Bernd Jobs Programm. Menschen wieder in Arbeit zu bringen – in Jobs – hat er sich zur beruflichen Lebensaufgabe gemacht. Arbeitsamt, Agentur für Arbeit, Arbeitsmarktservice und schließlich Jobcenter: Nach mehr als 40 Jahren, davon zwölf als Geschäftsführer, verabschiedet er sich in den Ruhestand. Im Interview blickt er zurück auf Herausforderungen sowie erfolgreiche Projekte und verrät, worauf er sich jetzt freut. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Heute, am Mittwoch, ist der Tag Ihrer offiziellen Verabschiedung, aber nicht der Tag des Abschieds. Wie lange bleiben Sie noch im Jobcenter?

Bernd Jobs: Der offizielle Beginn des Ruhestands ist der 1. September. Aber ich bleibe noch bis Ende Juli im Jobcenter. Danach trete ich meinen Resturlaub an. Am 1. September habe ich dann 42 Jahre bei der Bundesagentur für Arbeit vollendet.

An Ihrem ersten Tag als Geschäftsführer hieß das Jobcenter noch Arbeitsmarktservice. Was war damals die größte Herausforderung auf dem Arbeitsmarkt?

Jobs: Wir hatten am Standort Syke im Januar 2005 eine Arbeitslosenquote von 10,2 Prozent. Das waren 6081 Menschen, die damals arbeitslos waren. Zum Vergleich: Im Mai 2017 waren es 2312 Arbeitslose, das entspricht einer Quote von gerade einmal 3,6 Prozent. Die Herausforderung war damals, möglichst schnell mit unseren verschiedenen Instrumenten möglichst viele Menschen zu aktivieren, also zu fördern. Die große Herausforderung war, diesem Anspruch gerecht zu werden – weil nicht nur Sozialhilfe- und Arbeitslosenhilfe-Empfänger das neue Klientel waren, sondern auch alle Menschen, die plötzlich durch die neuen Hartz IV-Regelungen zusätzlich Ansprüche geltend machen konnten. Daraus resultierte, dass wir absolut unterbesetzt waren und die Personalausstattung entsprechend angepasst werden musste. Trotzdem gehörten wir zu den 25 bundesweit ermittelten Arbeitsgemeinschaften, die vom Start weg in der Lage waren, eine sehr hohe Zahl von Menschen in arbeitsmarktfördernde Maßnahmen zu bringen. Darüber freue ich mich noch heute.

Und welches ist heute die große Herausforderung?

Jobs: Heute haben wir kein Massenarbeitslosigkeits-Problem mehr. Die heutige Herausforderung ist die weitere Senkung des Langzeitleistungsbezugs. Von 8589 erwerbslosen Hilfebedürftigen befinden sich 4951 im Langzeitleistungsbezug. Mit diesem Anteil von zirka 58 Prozent gehören wir schon zu den Jobcentern, die eine unterdurchschnittliche Betroffenheit haben. Dennoch ist es Ziel, diesen Stand noch weiter zu senken. Da gibt es viele Probleme mit den Betroffenen aufzuarbeiten. Zum Spektrum gehören zum Beispiel Qualifikation, Gesundheit und soziales Umfeld. Hier bedarf es weiterer, auch neuer Ansätze, um den Betroffenen den Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Die Stärkung des sozialen Arbeitsmarktes, wie sie jetzt gerade wieder aktuell diskutiert wird, halte ich für den richtigen Weg.

Gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern haben Sie immer wieder neue Möglichkeiten konzipiert, um Menschen wieder in Arbeit zu bringen. Welches war das kreativste Projekt?

Jobs: Das ist tatsächlich „Lila“! Da haben unsere Mitarbeiter sich hingesetzt und diese lebenswelt-orientierte Integrationsarbeit mit Langzeitarbeitslosen konzipiert. Hier geht es insbesondere darum, sich durch die aufsuchende Arbeit – also Besuche bei den Familien – und in derem direkten Lebensumfeld um die Probleme und ihre Lösung zu kümmern. Betreut werden Bedarfsgemeinschaften – in der Regel sind das Familien – mit mindestens einem minderjährigen Kind. Das Ganze funktioniert im Netzwerk aller möglichen sozialen Hilfsangebote – wie Schuldnerberatung, Jugendamt, karitative Einrichtungen und auch Vereine. Das Ziel ist: Teilhabe in jeder Beziehung!

Und welches war das erfolgreichste Projekt?

Jobs: Wann ist das Jobcenter erfolgreich? Wenn jeder Arbeitsplatz gut und qualifiziert besetzt ist. Wenn es gelungen ist, zusammen mit beiden Trägern, sprich der Bundesagentur für Arbeit und dem Landkreis, eine möglichst effektive und zügige Stellenbesetzung – also ein gutes Vakanzmanagement – zu realisieren. Das war für mich immer Chefsache!

Was werden Sie im Ruhestand vermissen?

Jobs: Auf jeden Fall all die netten Menschen, mit denen ich innerhalb und außerhalb des Jobcenters gut zusammengearbeitet habe. Das werde ich vermissen!

Worauf freuen Sie sich jetzt?

Jobs: Auf mehr Zeit, zuerst mit meiner Frau, meinen Kindern und den Enkelkindern – und auf mehr Selbstbestimmtheit.

Hintergrund:   „Arbeitsmarktservice Landkreis Diepholz“

Im Zuge der Arbeitsmarktreform war 2005 der „Arbeitsmarktservice Landkreis Diepholz“ gegründet worden – mit der Bundesagentur für Arbeit und dem Landkreis als Träger in einer Arbeitsgemeinschaft. Bernd Jobs übernahm die Geschäftsführung des Arbeitsmarktservice mit insgesamt 84 Vollzeitstellen, die sowohl Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit als auch des Landkreises besetzten. 2010 wurde der Arbeitsmarktservice in das Jobcenter umgewandelt. Das hat heute 141 Vollzeitstellen, was mehr als 150 Mitarbeitern entspricht.

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