Schulcoachinprojekt gestartet

Beim Eis taut Tanja auf

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Anfangs musst erst das Eis gebrochen werden, jetzt gehört es zum wiederkehrenden Ritual: Tanja und ihr Coach Ingeborg Wilke

Syke - Tanja hält schon ihre Eiswaffel in der Hand. Viertel nach drei am Dienstag, da schleckt sie. Diesmal Schoko und Vanille, manchmal auch Stracciatella. Immer selber Tag, selbe Uhrzeit, selbes Ritual, selber Italiener. Der Dienstagnachmittag hat einen festen Platz in Tanjas Wochenkalender. Einen ganz festen. Nichts, was ihn umstoßen könnte. Gar nichts.

Pünktlich um drei steht sie vor der Lindhof-Schule in Syke. Und steigt in das Auto von Frau Wilke. Und fährt mit ihr die paar hundert Meter auf den Parkplatz des Eiscafés. Da kann es schneien oder hageln. Tanja genießt ihr Eis. „Sie braucht diese Minuten der Erholung“, sagt Ingeborg Wilke, „die sieben Stunden in der Schule, das schlaucht ganz schön.“ Ingeborg Wilke muss es wissen. Bis vor zweieinhalb Jahren ist sie selbst jeden Tag in der Schule gewesen. 40 Jahre Lehrerin in Asendorf. Jetzt genießt sie ihren Ruhestand und freut sich auf den Nachmittag mit der Grundschülerin aus Syke. Ingeborg Wilke ist Schülercoach. Ehrenamtlich. „Stärker werden“ heißt dieses Präventionsprojekt an der Schule im Syker Süden. Alles hat ganz klein angefangen. „Lehrer wurden gebeten, in ihren Klassen nach Jungen und Mädchen Ausschau zu halten, die aus irgendwelchen Gründen unter ihren Möglichkeiten bleiben,“ sagt Projektleiterin Andrea Gudehus-Ochmann. Ziel ist es, die Schüler optimal auf die weiterführende Schule vorzubereiten und vor allem den für sie optimalen Schultypen herauszufiltern.

Tanja ist aufgeweckt. Sofort hat sie ihre beiden Lehrer entdeckt, denen ebenfalls nach Eis zumute ist. „Herr Bischoff, was machen wir morgen im Sachunterricht?“, ruft sie quer durch die Eisdiele. Sachunterricht bereitet ihr Freude. Andere Fächer nicht so. Aber das ist heute Nachmittag kein Gesprächsthema. Das ist nie ein Gesprächsthema, jedenfalls spricht nie jemand irgend einen Schüler auf die Schulfächer an. „Macht keinen Sinn“, sagt die Projektleiterin, „Druck erleben die Schüler schon genug. Zuhause, im Unterricht. Jede Form von Druck führt zu noch mehr Abneigung.“ Nicht selten, dass die Jungen und Mädchen dann erst richtig auf Durchzug stellen. Und gar nichts mehr geht.

Tanja hat auch an diesem Märztag wieder ihr ganz besonderes Weihnachtsgeschenk in die Eisdiele mitgebracht. Ein Buch liegt vor ihr und ihrem Coach. „Tanja 2015“ steht in weißen Buchstaben auf der Titelseite. Sie blättert, ihr Blick fällt auf den Pfau und die Ziege. Die Fotos haben sie bei ihrem Ausflug in den Tierpark Petermoor in Bassum geschossen. „Die Tiere vom Zoo finde ich cool,“ sagt Tanja. Eigentlich ist es kein wirkliches Weihnachtsgeschenk, das vor ihr liegt. Weihnachtsgeschenke sind immer auch eine Überraschung. Tanja kannte den Inhalt längst. Gemeinsam mit Frau Wilke saß sie einige Dienstagnachmittage am Computer, saß nach dem obligatorischen Schokoladeneis am PC, und gemeinsam haben sie die Bilder ausgesucht, die am schönsten sind, und haben sie auf die Buchseiten gestellt. Jetzt hat jeder ein Buch. Tanja sowieso, und Ingeborg Wilke auch.

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