Beim Jump-Bewerbungstraining wird schon mal Klartext gesprochen

„Das ist Blub, Bla, Sülz!“

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Mal Showmaster, mal Motivator, mal Kritiker: Holger Helming, Dozent des Jump-Bewerbungstrainings, nutzt viele Facetten, um sich der Aufmerksamkeit der Schüler sicher zu sein.

Syke - Von Frank Jaursch. „‚Über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch würde ich mich sehr freuen.‘“ Holger Helming liest den Satz aus einer Musterbewerbung vor, als würde er ihm körperliche Schmerzen bereiten. Dann blickt er in die Runde vor sich. „Verwendet nie, nie, NIE diesen Satz!“, verkündet er dann – zur offensichtlichen Irritation einiger Zuhörer. Beim Bewerbungstraining kann es eben schon mal zu Überraschungen kommen.

Seit 20 Jahren vermittelt das Rotenburger Unternehmen Up Consulting mit seinem Jump-Training Grundsätze der richtigen Bewerbung. Nahezu jede zweite Schule in Niedersachsen hat das Angebot schon in Anspruch genommen. Gestern kam die Klasse 9Rb der GTS 2001 in den Genuss der Schulung jenseits des Unterrichts.

Im Veranstaltungssaal der Kreissparkasse am Mühlendamm brachte ihnen Referent Holger Helming wichtige Grundsätze näher. „Es geht vor allem darum, die eigenen Stärken in den Vordergrund zu bringen“, erklärt der Dozent in einer Pause.

Diese Aufgabe erfüllt Helming mitunter auf recht unkonventionelle Weise. Mal ist er arrogant, mal kumpelhaft, mal Showmaster, mal scharfer Kritiker. Doch stets bleibt das Ziel sichtbar: Den Schülern Rüstzeug mitzugeben, das ihnen einen besseren Start ins Berufsleben ermöglichen könnte.

„Warum sollte ich dich einstellen? Gib mir vier Gründe!“ Das ist eine der Aufgaben, die die Jugendlichen zu erledigen haben.

Es ist wichtig, dass die Bewerber sich ihrer Stärken bewusst sind. Dafür hat Helming zuvor „Qualitätenbriefe“ ausgeteilt: Darin schreiben jeweils sieben Jugendliche getrennt voneinander die besten Eigenschaften des Mitschülers auf. „Diese Briefe spiegeln die Außenwirkung wider“, erläutert Helming. Und die kann sich unter Umständen von der eigenen Einschätzung ganz gewaltig unterscheiden.

Eine zentrale Botschaft, die der Dozent seinen Zuhörern mitgibt: Seid konkret, seid individuell. „Schlagworte wie ‚teamfähig‘ benutzt jeder“, erklärt Helming, „aber wenn du deine Schlagworte begründen kannst, wird es individuell. Und eine Bewerbung muss individuell sein.“

Als es darum geht, einen Einstiegssatz für eine Bewerbung zu formulieren, schlendert er von Stuhl zu Stuhl, blickt einem Jugendlichen über die Schulter, schüttelt den Kopf. „Bitte konkret werden“, mahnt er, „das ist Blub, Bla, Sülz!“

Nichts scheint ihm verhasster zu sein als die Standard-Bewerbungen aus dem Internet. Egal wie unbeholfen ein Schüler-Versuch klingt: Helming lobt die positiven Elemente, macht Mut, gibt Hinweise.

Sehr zur Freude von Klassenlehrerin Canan Gözübatik. „Gerade ‚Jump‘ ist ganz toll, da lerne ich auch immer wieder was dazu“, bemerkt sie. Auch die Jugendlichen folgen aufmerksam den Tipps von Holger Helming. Seine Hinweise sind für sie von noch größerem Wert als das, was im Unterricht dazu gesagt wird. „Lehrer sind darin ja nicht so erfahren“, ist Lennart sicher. Benjamin fügt hinzu: „Ihm glaub ich mehr.“

Für die Schüler haben die Erkenntnisse des Vormittags wichtige Folgen, wie ein Pausengespräch verdeutlicht: „Die Bewerbung, die ich geschrieben habe, kann ich wegschmeißen.“

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