Bei Sturm- und Glättegefahr

Bis 4.45 Uhr muss der Landkreis über Schulausfälle entscheiden

Nach vorgegebenen Kriterien fällt Thorsten Abeling seine Entscheidung.
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Nach vorgegebenen Kriterien fällt Thorsten Abeling seine Entscheidung.

Sabine war die erste, die Thorsten Abeling mit diesem Ausnahme-Management konfrontiert hat. Das gleichnamige Sturmtief gefährdete die Sicherheit der fast 9 000 Schüler im Landkreis. Deshalb verfügte der Leiter des Landkreis-Fachdienstes Bildung den Schulausfall – nach einem detaillierten, rechtssicheren Alarmplan.

  • Bei Sturm und Glätte muss bis 4.45 Uhr über den Schulausfall entschieden werden
  • Landkreise kommunizieren miteinander, da sie gemeinsame Verkehrsströme nutzen
  • 2021 gab es an drei Tagen wetterbedingten Schulausfall im Kreis Diepholz

Landkreis Diepholz – Fast zwei Jahre ist das jetzt her, aber das Sturmgeschehen in der Erinnerung noch immer präsent. Seit knapp vier Jahren ist Thorsten Abeling Leiter des Landkreis-Fachdienstes Bildung – seitdem haben Wetterprognosen für ihn eine andere Bedeutung. Denn er muss im Ernstfall sorgsam entscheiden, ob der Schulweg sicher ist oder nicht. „Wir wollen nicht überrascht werden“, betont der Fachdienstleiter. Deshalb hat er schon im Herbst alle wichtigen Kontaktdaten in seinem Netzwerk überprüft und aktualisiert.

Flächenlandkreise haben es schwerer - über Stuhr und Lemförde muss zusammen entschieden werden

Straßenmeistereien und Busunternehmen gehören dazu – selbstverständlich die landkreiseigene Einsatz- und Rettungsleitstelle sowie Mitarbeiter der Polizei. „Ich brauche den Kontakt nachts“, berichtet Thorsten Abeling. Denn zwischen Wetterprognosen, Verkehrslage und möglichem Unterrichtsausfall liegt nur ein kleines Zeitfenster. Wetterdaten – so verlässlich wie nur eben möglich – und die aktuelle Straßenlage haben einen entscheidenden Stellenwert. Bis 4.45 Uhr muss Abeling darüber entschieden haben, ob die Schule ausfällt oder nicht.

In einem Flächenlandkreis wie Diepholz eine enorme Herausforderung: Was tun, wenn es in Stuhr schneit und in Lemförde nicht? Abeling weiß, welche Herausforderung der plötzliche Schulausfall für berufstätige Mütter und Vater bedeutet. Und genauso: „Wir können es nicht allen Recht machen.“ Denn es sei unmöglich, Teile des Landkreises von der Entscheidung auszunehmen. Mehr noch: Der Fachdienstleiter stimmt sich sorgfältig mit den Nachbar-Landkreisen ab, denn die Verkehrsströme sind miteinander verbunden, Buslinien miteinander verzahnt und landkreisübergreifende Schulbesuche Alltag.

Schon im November hat Thorsten Abeling die Schulen mit einem Anschreiben für das Thema Unterrichtsausfall sensibilisiert. Es gibt ein Merkblatt, insbesondere für Schulleiter, und genauso ein Informationsblatt für Eltern, das über die Schulen verteilt werden kann. Der Landkreis informiert aber auch direkt auf seiner Internetseite.

Nach Unterrichtsbeginn sind die Schulleitungen verantwortlich für die Schülerbeförderung

Ist schon am frühen Morgen klar, dass die Straßen vereist sind oder Schneewehen sie unpassierbar machen, veranlasst Thorsten Abeling alles Notwendige: „Es gibt einen Alarmplan, in welcher Reihenfolge was abzuarbeiten ist.“

Stellen sich die gefährlichen Witterungsverhältnisse jedoch erst nach Unterrichtsbeginn ein, „dann sind die Schulleitungen verantwortlich“, beschreibt der Fachdienstleiter die Rechtslage.

Sie informieren den Landkreis, der für die Schülerbeförderung zuständig ist. „Manche suchen aber auch schon selbst den Kontakt zu den Busunternehmen“, so der Fachdienstleiter. In jedem Fall müssen die Schulleiter eine Betreuungsmöglichkeit für Schüler sicherstellen.

Es liegt in der Natur der Sache: Ab Herbst hat Thorsten Abeling ein besonderes Auge auf die abendlichen Wetterprognosen, nutzt dafür verschiedene Kanäle. Informationen bekommt er aber auch von den Straßenmeistereien, der Polizei und ebenso von Busunternehmen. Er stimmt sich in jedem Fall mit seinem Stellvertreter Frank Hülskämper ab.

Nur die Polizeidirektion darf Rundfunkmeldungen zum Schulausfall herausgeben

Wie immer der Fachdienstleiter entscheidet: „Es muss alles genau dokumentiert sein.“ Unterrichtsausfall kann er in drei verschiedenen Stufen anordnen: an allen allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen, für alle Schülerinnen und Schüler der Klassen eins bis vier oder für alle Schülerinnen und Schüler der Klassen eins bis zehn.

Laut Alarmplan muss Abeling seine Entscheidung bis um 4.45 Uhr der Einsatz- und Rettungsleitstelle des Landkreises gemeldet haben. Deren Mitarbeiter informieren die Leitstelle der Polizei in Oldenburg. Sie allein sei berechtigt, so der Fachdienstleiter, eine Rundfunkmeldung herauszugeben: Ab 6 Uhr laufe die Nachricht dann im Radio, werde aber auch über die Warn-App Biwapp und auf der Internetseite des Landkreises veröffentlicht.

An drei Tagen war das 2021 der Fall, weil Schnee und Eis den Straßenverkehr im Landkreis behinderten. Mehrere Kommunen meldeten tückische Glätte und berichteten, dass die Bushaltestellen nicht geräumt werden könnten. In Gesprächen mit den Vertreten der 15 Städte, Gemeinden und Samtgemeinden konnte sich der Fachdienstleiter schließlich ein genaues Bild machen: Quer durch den Landkreis hatten sich spiegelglatte Straßen gezogen, „von West nach Ost“. Bassum, Sulingen und Bruchhausen-Vilsen waren betroffen, „aber in Stuhr war nichts“, erinnert sich Thorsten Abeling.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Diepholz: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Seine Richtschnur in solchen Fällen: „Eine gesunde Abwägung zwischen dem Sicherheitsinteresse der Schülerinnen und Schüler und dem Aussetzen der Schulpflicht.“ Dann fügt Abeling ganz bewusst hinzu: „Selbst wenn ich den Schulausfall nicht verfüge, können Eltern, die eine unzumutbare Gefährdung auf dem Schulweg durch extreme Witterungsverhältnisse befürchten, ihre Kinder auch dann für einen Tag zu Hause behalten oder sie vorzeitig vom Unterricht abholen!“

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