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„Hier wird viel zu schnell gefahren“: Behörden-Frust am Krusenberg

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Von: Michael Walter

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„Hier wird regelmäßig viel zu schnell gefahren“, finden (von links) Marco und Nadja Wrede, Linus mit seinen Eltern Carsten und Eva Wehrenberg und Wolfgang Held. Gerade erst ist die Verkehrsinsel, auf der die Nachbarn stehen, wieder mal von einem Lkw umgemangelt worden. Das abgerissene Verkehrszeichen hat Marco Wrede 30 Meter weiter weg gefunden. Der Schaden ist inzwischen schon repariert. An der Situation für die Anwohner ändert das allerdings gar nichts.
„Hier wird regelmäßig viel zu schnell gefahren“, finden (von links) Marco und Nadja Wrede, Linus mit seinen Eltern Carsten und Eva Wehrenberg und Wolfgang Held. Gerade erst ist die Verkehrsinsel, auf der die Nachbarn stehen, wieder mal von einem Lkw umgemangelt worden. Das abgerissene Verkehrszeichen hat Marco Wrede 30 Meter weiter weg gefunden. Der Schaden ist inzwischen schon repariert. An der Situation für die Anwohner ändert das allerdings gar nichts. © Michael Walter

Eine kleine Nachbarschaft am Krusenberg in Barrien fühlt sich von der Verkehrsbehörde des Landkreises im Stich gelassen: Die Anwohner – Familien mit Kindern – registrieren immer wieder, dass der Verkehr auf der Kreisstraße vor ihrer Tür viel zu schnell fährt. Der Landkreis verweist auf seine Messungen und Statistiken – und sieht keinen Handlungsbedarf.

Barrien – Nadja und Marco Wrede, Eva und Carsten Wehrenberg und Wolfgang Held haben etwas gemeinsam: Sie alle wohnen ganz oben auf dem Krusenberg, da wo das Ortsausgangsschild in Richtung Okel schon zu sehen ist. Und sie fühlen sich mit ihren Sorgen im Stich gelassen.

Es geht um die Straße Krusenberg in Barrien: Von der B 6 steigt sie in einer sanften Kurve den Berghang hinauf und geht oben auf dem Kamm in eine Ebene über. 200 Meter weiter kommt dann der Ortsausgang. Die Anwohner dieses Abschnitts – Familien mit kleinen Kindern – fühlen sich dort nicht mehr sicher. Und sie haben den Eindruck: Von der Verkehrsbehörde beim Landkreis Diepholz werden sie nicht ernstgenommen.

Mehr Verkehr seit der Sanierung der B6

„Hier wird viel zu schnell gefahren“, fasst Marco Wrede das Problem zusammen. „In beiden Richtungen. Und das ist mit der Zeit objektiv schlimmer geworden.“ Konkret: Seit der Krusenberg Umleitungsstrecke für die Sanierung der B6 geworden ist. „Seitdem haben wir hier mehr Verkehr als vorher“, sagt Wolfgang Held. „Die Leute haben gemerkt, dass man hier bequem und ohne Ampel fahren kann. Und es ist ja auch eine schöne Strecke.“

Das Problem ist die Geschwindigkeit: Ortseinwärts kommt man mit Tempo 100 auf das Ortsschild zu. Wer nicht den Anker wirft, rauscht noch mit 80 an den Grundstücken vorbei und lässt dann den Berg hinunter ausrollen.

Ortsauswärts verleitet der Übergang vom Hang in die Ebene zum kräftigen Gasgeben in der ausklingenden Kurve. Da kommt dann gleich das nächste Problem. Weil der Krusenberg ein Schulweg ist, hat der Landkreis irgendwann mal oben auf der Kuppe eine Querungshilfe gebaut. „Die steht aber so unglücklich, dass man sie erst im letzten Moment sieht, wenn man den Hügel rauffährt“, sagt Carsten Wehrenberg. Bereits mehrfach ist die Querungshilfe überfahren worden. „Bezeichnenderweise immer von unten kommend“, betont Wolfgang Held. Gerade neulich ist die Verkehrsinsel erst wieder von einem Lkw regelrecht plattgemacht worden. „Wenn da gerade einer drauf gestanden hätte, wäre das nicht gut ausgegangen“, ist Wolfgang Held ganz sicher.

Landkreis argumentiert: Dort passieren keine schweren Unfälle

Was die Nachbarschaft gleichermaßen ärgert wie frustriert: Den Behörden ist das alles seit Jahren bekannt, sowohl bei der Stadtverwaltung als auch beim Landkreis. Der Stadt gehört die Straße aber nicht. Und der Landkreis als „Eigentümer“ hat bisher keinerlei Handlungsbereitschaft erkennen lassen und immer mit der Statistik argumentiert: Es passieren dort keine schweren Unfälle, also ist es da auch nicht gefährlich. Ergo: Kein Handlungsbedarf.

Die Kreiszeitung bekommt dieselbe Antwort: „Das Verkehrsunfallgeschehen war bislang unauffällig“, heißt es auf unsere Anfrage an den Landkreis. Und: „Im Rahmen der Verkehrsschauen beziehungsweise der Verkehrsüberwachung gab es daher keine Grundlage für eine verkehrsbehördliche Anordnung“, so Landkreis-Sprecherin Anne-Katrin Beimforde.

Das Tempo hat der Landkreis laut Beimforde zuletzt im September kontrolliert. Ergebnis: „Die gemessenen Geschwindigkeiten ließen nicht auf eine außergewöhnliche Verkehrssituation schließen. Die Messergebnisse wiesen ahndungswürdige Geschwindigkeitsüberschreitungen bei gerade einmal zwei bis drei Prozent der Verkehrsteilnehmer auf.“

Anwohner hätten am liebsten Blitzer

Das widerspricht keineswegs den Beobachtungen der Anwohner. Sogar im Gegenteil! Für sie ist nur die Schlussfolgerung völlig falsch. „Immer wenn gemessen wird, ist es ja auch deutlich besser“, sagt Marco Wrede. Carsten Wehrenberg ergänzt: „Die Messungen fallen ja auf. Egal ob da Smilys stehen, Blitzer oder Matten über die Fahrbahn gelegt werden.“ Das seien bisher aber immer nur vorübergehende Aktionen gewesen. Weshalb die Nachbarschaft sich am liebsten bergauf wie bergab je einen festen Blitzer wünschen würde. „Zur Not würden wir die sogar selber bezahlen“, sagt Marco Wrede.

Aufgeben wollen die Familien vom Krusenberg nicht. Sondern sich vielmehr mit ihrem Problem direkt an den Kreistag und seine Gremien wenden. In der Hoffnung, dass die Politik der Kreisverwaltung einen eindeutigen Arbeitsauftrag erteilt.

Vielleicht passiert aber schon vorher etwas. „Durch die Stadt Syke wurde kürzlich eine Auswertung der aufgestellten Displays vorgenommen“, erklärt Landkreis-Sprecherin Anne-Katrin Beimforde. „Der Landkreis Diepholz nimmt diese zum Anlass, um im Rahmen einer Verkehrsschau gemeinsam mit der Polizei, der Straßenmeisterei und der Stadt Syke die Verkehrssituation vor Ort erneut zu erörtern.“ Und wenn sie schlau sind, laden sie die Anwohner vom Krusenberg dazu ein.

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