Lesereise nimmt die Kreiszeitung am Mühlendamm in den Fokus

Der Beginn der Syker Pressegeschichte

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Der Mühlendamm am Teich: Links lag das Haus der alten Kreiszeitung, in dem oben der Chefredakteur wohnte.

Syke - Von Ilse-Marie Voges. Das ehemalige Haus Café Felix steht noch an gleicher Stelle, renoviert und mit neuer Gastronomie. Daneben – in Richtung Stadt – das ehrwürdige Haus im Gründerzeitstil des Kaufmanns Sievers. Dessen Sohn Paul (Studienrat in Berlin) kam nach seiner Pensionierung zurück in sein Elternhaus nach Syke und wurde Chronist in seiner Heimatstadt. Sievers hat viele Beiträge für das städtische Heimatbuch geliefert. Später waren der Textilladen von Josef Meyer und die Drogerie Heinsen an gleicher Stelle präsent. Heute wird das „weiße Haus“ von der Kreissparkasse genutzt.

Gleich nebenan hatte die Kreiszeitung etwa 1860 ihr Geschäftshaus eingerichtet. Buchbinder Friedrich Wilhelm Süllau hatte 1834 nicht nur das Haus bauen lassen, sondern hier auch eine Werkstatt eingerichtet. 1860 wurde das Hoyaer Wochenblatt gegründet, ein Vorläufer der Kreiszeitung. Dreimal wöchentlich erschien das Blatt 1871, dabei lebten bereits mehr als 1 000 Einwohner in Syke. Es gab also längst nicht in jedem, Haushalt eine Zeitung. Der Verleger Anton Petzold hatte Interesse an dem Blatt, zumal man ihm berichtet hatte, dass es wahrscheinlich als Amtsorgan in der Stadt eingeführt werden sollte. Petzold, Geschäftsführer des Knaur-Verlages Hoya, erhielt die Genehmigung der Inhaberin und konnte zunächst eine Zweigstelle in Syke einrichten.

Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 erhöhte sich die Auflagenzahl, verdreifachte sich in den darauffolgenden Jahren. Inzwischen war Petzold Besitzer des Knauer-Verlages. Er entschied sich, für Syke ein eigenes Blatt herauszugeben.

Am 20. September 1884 wurde die erste Ausgabe der „Syker Zeitung“ in der alten Süllauschen Buchdruckerei gesetzt, die Petzold klugerweise bereits 1875 gekauft hatte. Petzold hatte zunächst eine Monopolstellung in den Kreisen Syke und Hoya. Aber auch in Bassum, Twistringen, Brinkum und Hoya entstanden neue Lokalblätter.

Die restriktive Pressepolitik des Dritten Reichs mit Zwangsfusionen und Verlagsverboten überlebten bis 1945 nur die Syker Zeitung und das Hoyaer Wochenblatt. Mit dem Einmarsch der britischen Truppen mussten auch sie ihr Erscheinen einstellen. Im September 1949 konnte in Syke wieder eine selbstständige Heimatzeitung erscheinen. 1952 wurden das Hoyaer Wochenblatt und die Syker Zeitung zusammengefasst und 1971 nach Fusionen eine neue Kreiszeitungs Verlagsgesellschaft gegründet, die kurz darauf ihren Sitz in das Syker Industriegebiet verlegte, wo die Zeitung bis heute ihren Sitz hat. Damit war das Zeitungshaus am Mühlendamm Geschichte.

Das alte Gebäude der Kreiszeitung gibt es längst nicht mehr. Die Kreissparkasse hat hier ihre Geschäftsräume. Der Mühlenteich ist natürlich geblieben, allerdings gibt es keine Überschwemmungen mehr, wie sie Jahrzehnte lang – bis etwa 1965 – üblich waren.

Der Mühlendamm galt stets als Sykes gute Stube. Die Kreissparkasse hat mit dem Vorplatz und den Bärenskulpturen (Bronzeplastiken von Holger Voigts 1987) diese Bezeichnung unterstützt.

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