Begegnungscafé der Diakonie gibt Flüchtlingen Starthilfe im für sie fremden Land

Über Kuchen in Kontakt kommen

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Jeden Freitag lädt die Diakonie Einheimische und Flüchtlinge zum Begegnungscafé im Gemeindehaus ein.

Syke - Von Aline Knake. „Die Flüchtlinge sind nicht nur eine Aufgabe für die Politik. Das geht uns alle etwas an.“ – Dieser Satz fiel am Freitagabend immer wieder im evangelischen Gemeindehaus. Dahin hatten Mandy Hayen und Matthias Ambacher für die Diakonie Syke zum „Flüchtlingscafé“ eingeladen.

Jeden Freitag von 17 bis 21 Uhr treffen sich dort Flüchtlinge und Einheimische, Kinder und Erwachsene, Menschen aus Syrien und Montenegro, Syke und Bassum.

Es ist eine besondere Atmosphäre: Kinder wuseln herum. Immer wieder kommt jemand Neues und bringt Kekse oder Obst mit. Im Konfirmandenraum spielen Nicole Stege und ihr Therapiehund Bakiri Lernspiele mit den Kindern. „Hunde sind immer tolle Türöffner, wenn es darum geht, Vertrauen aufzubauen“, erzählt die Entspannungstherapeutin. An einem Tisch im kleinen Saal sitzen zwei Männer und unterhalten sich lebhaft – nur mithilfe von Google-Übersetzer. „Es geht ja erst mal nur darum: Zusammen Kuchen essen, in Kontakt kommen, vielleicht Freundschaften schließen“, so Hayen.

Bei Mariam aus Syrien und der 13-jährigen Celina Swandzik hat das schon geklappt. Zum ersten Mal kam Celina, weil sie ein Interview mit einem Flüchtling für die Schule führen sollte. Celina ist wiedergekommen, um Mariam erneut zu treffen – „auch wenn es manchmal schwer ist, sich nur auf Englisch zu unterhalten.“ Auch Mariam kommt gerne in das Café: „Ich bin neu hier und kenne niemanden. Es macht Spaß, sich hier zu unterhalten“, erzählt sie.

Matthias Ambacher ist vom Engagement der Syker „total positiv überrascht“. So trifft man im Café etwa Richard Frey, der ehrenamtlich eine Familie aus Montenegro betreut. „Ich helfe ihnen bei uns Fuß zu fassen“, fasst er zusammen. So habe er dem Mann einen 1-Euro-Job und Arbeitskleidung besorgt, ist mit dem Kind mehrmals ins Krankenhaus gefahren. „Da kommt eine ganze Menge zusammen.“

Ingeborg Petersilge unterstützt eine syrische Flüchtlingsfamilie. „Radia ist wie meine Tochter. Manchmal sagt sie Mama zu mir“, erzählt sie. Gerade hat Petersilge ihren 87. Geburtstag gefeiert. „Da haben sie mich im Betreuten Wohnen besucht und für mich gekocht. Anschließend haben wir auf Arabisch und Deutsch unsere Gebete in den Himmel geschickt“, erzählt sie. Besonders berührt haben sie die Worte des syrischen Vaters: „Kein Krieg. Nach Hause gehen.“ Wie viele der Flüchtlinge hofft er, eines Tages in die Heimat zurückkehren zu können. Auch deshalb sagt Petersilge „Friedensuchende“ statt Flüchtlinge.

Anke Stell war selbst positiv überrascht über die vielen tollen Gespräche, die sie im Café geführt hat. Sie kam mit ihrer Tochter ins Flüchtlingscafé, „weil es so wichtig ist, dass wir unseren Kinder vorleben, offen zu sein und auch mit Fremden in Kontakt zu treten.“ Nun hat sie ihr eigenes Engagement geweckt und setzt sich zum Beispiel für den jungen Alaa ein, der gerne auf das Gymnasium gehen würde.

Hayen ist gespannt, wie sich das Projekt weiterentwickelt. „Wir haben ja gerade erst angefangen.“ Für die Zukunft hat sie schon viele Ideen: „Vielleicht kann man auch zusammen mal in die Disco oder über den Weihnachtsmarkt gehen.“

Auch für neue Gesichter ist das Flüchtlingscafé am kommenden Freitag von 17 bis 21 Uhr wieder offen.

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