29-Jährige stirbt 2019 bei Autounfall

Familienvater nach B51-Unfall der grob fahrlässigen Tötung schuldig

Im Dorfgemeinschaftshaus Heiligenfelde verhandelt das Amtsgericht Syke ein emotionales Verfahren zu einem Verkehrsunfall bei dem eine 29-Jährige starb.
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Im Dorfgemeinschaftshaus Heiligenfelde verhandelt das Amtsgericht Syke ein emotionales Verfahren zu einem Verkehrsunfall bei dem eine 29-Jährige starb.

„Gerechtigkeit? Wer bestimmt auf Erden, was gerecht ist?“, fragte Strafrichter Matthias Wawrzinek nach Verkündung seines Urteils, um dann zu ergänzen: „Ich kann hier nur Recht sprechen.“ In dem Fall eines Autounfalls am 11. Januar 2019, bei dem eine 29-jährige Frau ums Leben gekommen ist, lautet dieses Recht laut Wawrzinek: Der Angeklagte ist schuldig der grob fahrlässigen Tötung.

Syke – Eine Freiheitsstrafe von einem Jahr wird auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Der Angeklagte hat eine Geldauflage in Höhe von 2 400 Euro an den Weißen Ring zu zahlen. Er trägt ferner die Kosten des Verfahrens einschließlich der Kosten der Nebenkläger.

Emotionales Verfahren: Getötete Frau war schwanger

Vor der Urteilsverkündung hatte Matthias Wawrzinek in einem sehr emotionalen Verfahren versucht, den Sachverhalt aufzuklären, der zum Tod einer 29-jährigen jungen Frau geführt hatte. Rein rechtlich ist die Aufklärung sicherlich gelungen; der Verursacher wurde verurteilt. Der Familie der Getöteten kann dieses Urteil aber die schwangere Ehefrau, die Tochter und die Schwester nicht zurückgeben.

Der 41-jährige Familienvater auf der Anklagebank arbeitet in Bremen und fährt diese Strecke an jedem Arbeitstag. Vieles läuft da automatisch ab. An dem besagten Freitag befand er sich in seinem Opel Astra auf dem Heimweg und befuhr die B 51 in Richtung Bassum. Er weiß noch, dass er auf dem Parkplatz seines Arbeitgebers ins Fahrzeug stieg, um nach Hause zu fahren. Als nächstes erinnert er sich dann daran, dass ihm von Fremden aus seinem beschädigten Fahrzeug geholfen wurde.

Detaillierte Schilderung eines Zeugen: „Solche Bilder vergisst man nie.“

Nach Aussage eines Zeugen fuhr der Angeklagte seit Heiligenrode unauffällig hinter ihm. In der Gemarkung Döhren nahm dieser Zeuge das Fahrzeug dann plötzlich neben sich wahr „und im gleichen Moment knallte es auch schon“, schilderte er jetzt in seiner Aussage. Der Angeklagte hatte an einer Steigung mit Überholverbot zum Überholen angesetzt, obwohl er die Straße vor sich nicht einsehen konnte.

Vor dem überholten Personenwagen befand sich noch ein Sattelzug. Unmittelbar auf die geschilderte Stelle folgt eine Kurve. Ein weiterer Zeuge befand sich auf der Gegenfahrbahn hinter dem Fahrzeug der später Verstorbenen. Er schilderte, dass er nach der Kurve plötzlich ein Fahrzeug auf seiner Fahrspur wahrgenommen hat. Im gleichen Moment sei dieses Fahrzeug bereits mit dem vor ihm fahrenden Ford Fiesta frontal kollidiert. „Die beiden Fahrzeuge flogen auseinander. Eines kam rechts von der Fahrbahn zum Stillstand, das andere links“, berichtete er. Er habe sein Fahrzeug angehalten und sei dann zum Fahrer des Opel gelaufen. Zusammen mit anderen Ersthelfern habe er ihm aus dem Fahrzeug geholfen. Anschließend sei er zum Fiesta gelaufen und habe nebenbei schon die Polizei angerufen. Bei der Fahrerin des Fiesta habe er am Hals keinen Puls mehr feststellen können. Auf Nachfrage, warum er sich so genau an diese Details erinnere, sagte er: „Solche Bilder vergisst man nie.“

Staatsanwalt: „Ich liebe meinen Beruf eigentlich ganz doll, heute nicht.“

Kris Müller von der Dekra hatte im Auftrag der Polizei die Unfallfahrzeuge untersucht und den Unfall rekonstruiert. In seinem Gutachten kommt er zum Schluss, dass das Fahrzeug des Unfallverursachers sich zum Zeitpunkt der Kollision mit einer Geschwindigkeit von etwa 65 Stundenkilometern etwa seit einer Sekunde mittig auf der Gegenfahrbahn befunden habe. Weder der Verursacher noch die Fahrerin des Fiesta hätten zu diesem Zeitpunkt die Chance gehabt, den Unfall zu vermeiden. Technische Fehler konnte er an beiden Fahrzeugen ausschließen.

Die Frage, ob die Fahrerin angeschnallt war oder nicht, nahm zum Unverständnis der Familienangehörigen einen breiten Raum ein. Staatsanwalt Ziemann stellte in seinem Plädoyer aber deutlich heraus, dass diese Frage unerheblich sei. Fakt sei, dass durch das Verhalten des Angeklagten eine junge Frau ihr Leben verlor. Mit den Worten „Ich liebe meinen Beruf eigentlich ganz doll, heute nicht“, leitete er zum beantragten Strafmaß über, das für ihn „wie man es auch dreht oder wendet, nur unbefriedigend sein kann“.

Angeklagter äußert Bedauern, der Ehemann der Getöteten vermisst eine Entschuldigung

Rechtsanwalt Gregor Gysi, der den Ehemann der Getöteten als Nebenkläger vertrat, hätte sich eine Anklage wegen Totschlags gewünscht. Das Urteil lautet auf schuldig der grob fahrlässigen Tötung.

Der Ehemann vermisst bis heute eine Entschuldigung des Verursachers. Obwohl dieser sein aufrichtiges Bedauern ausdrückte, muss er darauf weiterhin warten.

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