BBS-Schüler recherchieren zum Thema Kinderarmut

Frau Graschinskis Odyssee durch Syke

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Tristesse und Einsamkeit: Armut bedroht auch und besonders Kinder in vielfältiger Weise. Angehende Erzieher der BBS Syke haben sich des Themas angenommen und wollen mit einer Broschüre eine Hilfestellung für Menschen in Not anzubieten. Archivfoto: dpa

Syke - Von Frank Jaursch. Frau Graschinski ist verzweifelt. Ihr Lebensgefährte hat sie rausgeworfen, jetzt sucht sie Hilfe für sich und ihre beiden Kinder. Nur wo gibt es die? Der Beginn einer langen und frustrierenden Odyssee durch Syke und von Amt zu Amt.

Frau Graschinski gibt es nicht wirklich – die Hilfe suchende Wachendorferin ist nur ein fiktives Beispiel. Doch ihre lange Suche nach der richtigen Stelle ist nicht ausgedacht: Angehende Erzieherinnen hatten bei ihren Recherchen zum Thema Kinderarmut genau diese beklemmenden Erfahrungen gemacht.

Alya Sakin war eine von ihnen. „Die Behörden schicken einen von einem Ort zum anderen“, schildert sie, „die wissen voneinander nicht Bescheid. Da dauert es Stunden, manchmal Tage, bis ich am Ziel bin.“

Die 29 Frauen und sechs Männer aus zwei Klassen der Fachschule Sozialpädagogik an den Berufsbildenden Schulen (BBS) beschäftigen sich im Rahmen des Lernfelds „Besondere Lebenslagen“ seit Februar mit dem Thema Kinderarmut. In Übungen näherten sich die Schüler der Problematik an. Was heißt eigentlich Armut für den Einzelnen? Welche sozialen, emotionalen, kulturellen Folgen hat finanzielle Armut?

In acht Gruppen machten sich die Schüler anschließend auf den Weg – zu Stellen, von denen sie Hilfe erhofften. Zur Syker Tafel etwa, zur Schuldnerberatung oder zur Kleiderkammer. Eine Gruppe litt buchstäblich mit ihrer fiktiven Antragstellerin Frau Graschinski, ging ihren Weg nach – vom Sozialamt zur Arbeitsagentur, zum Jobcenter, zum Jugendamt, zum Bürgerbüro. Als sie nicht mehr weiterwussten, riefen sie verzweifelt bei ihren Lehrerinnen an.

Pädagogin Imke Lehmkuhl bezeichnet das Ergebnis der Gruppe als ein „beschämendes, aber leider reales Ergebnis. Selbst diese Gruppe mit ihrer Vorbildung ist da an ihre Grenze gelangt.“

Wie ergeht es dann erst Menschen in echten Notsituationen, mit anderem Bildungshintergrund, zudem vielleicht noch mit Sprachproblemen? „Diese Situation ist einfach nicht in Ordnung“, moniert Alya Sakin. „Es heißt immer, es gibt Hilfe – aber wo findet man die?“

Die 35 künftigen Erzieher wollen die Hilfe suchenden dabei unterstützen, Antworten und die richtigen Ziele zu finden. Und zwar auf ganz pragmatische Weise: Seit Wochen sammeln sie in allen Kommunen des Landkreises Kontakt-Adressen und Telefonnummern. Diese sollen zu einer umfassenden Info-Broschüre zusammengestellt werden.

Wer nach den richtigen Anlaufpunkten in seiner Stadt oder Gemeinde sucht, wird sie hier auf einen Blick aufgelistet finden. „Wenn ich nicht weiß, dass es ein Angebot gibt, kann ich es natürlich auch nicht in Anspruch nehmen“, erklärt Schülerin Jaqueline Göldner lapidar.

Unterstützung erfahren die engagierten Sozialassistenten vom CDU-Landtagsabgeordneten Volker Meyer. Der sagte bei einem Besuch der Klassen spontan seine Unterstützung bei dem Vorhaben zu, wenn es um die Übersetzung des Flyers in andere Sprachen geht – und um die Pflege der richtigen Kontaktadressen und Telefonnummern in den kommenden Jahren.

Viele Kontaktadressen haben die Schüler bereits gesammelt, so manche Einrichtung aber hat landkreisweit gewiss noch keine Berücksichtigung gefunden. Vereine, Institutionen oder andere Einrichtungen, die ihr Angebot gern in die Broschüre aufnehmen lassen wollen, haben noch bis zum 5. Juli Gelegenheit, sich per E-Mail bei den Machern zu melden.

flyer-kinderarmut@web.de

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