Bauernhaus-Archiv veröffentlicht Kalender mit Speichern aus vier Jahrhunderten

„Eine bedrohte Spezies“

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Bernd Kunze (v.l.), Heinz Riepshoff und Dr. Ralf Vogeding präsentieren den druckfrischen Kalender vor dem Speicher des Kreismuseums – der es ebenfalls auf eines der zwölf Monatsblätter geschafft hat.

Syke - Von Frank Jaursch. Sie fristen meist ein Schatten-Dasein als Rumpelkammer oder Fahrradunterstellplatz – dabei sind die oft mehrere Jahrhunderte alten Speicher auf vielen landwirtschaftlichen Grundstücken so viel mehr als das. Den Lagerstätten von einst widmet das Bauernhaus-Archiv des Kreismuseums jetzt einen eigenen Kalender.

Archiv-Leiter Heinz Riepshoff und sein Mitstreiter Bernd Kunze haben die Fotos beigesteuert, die im Format Din-A3 den Speicher-Freund durch das kommende Jahr begleiten sollen. Der Kalender kostet 20 Euro und ist im Kreismuseum (04242/2527) zu bekommen. Die Auflage liegt zunächst bei 50 Exemplaren.

Die Lagerstätten, so berichtet Riepshoff, waren in früheren Jahrhunderten gewissermaßen die „Schatztruhe des Bauern“. Das dort gelagerte Getreide war neben dem Vieh das Kapital des Bauern. „Darum war der Speicher oft höherwertig gestaltet als das Bauernhaus selbst.“

Der Speicherbau trieb zum Teil seltsame Blüten – „die waren in einer Pracht gestaltet, die gar nicht mehr dem Inhalt entsprachen“, so Riepshoff.

Der Betrachter bekommt eine Reise durch die Speicher-Epochen geboten: vom mittelalterlichen Lehmspeicher, der Ende des 16. Jahrhunderts entstand, bis zum Backsteinspeicher aus dem Jahr 1851.

Den Grund, die oft stiefmütterlich behandelten Gebäude in den Fokus zu rücken, umschreibt Bernd Kunze: „Wir wollten den Blick auf eine bedrohte Spezies von Hauskategorie lenken.“ In den vergangenen Jahrzehnten sind gleich reihenweise Speicher abgerissen worden.

Doch noch gibt es viele der kleinen Schmuckkästchen in den alten Grafschaften Hoya und Diepholz. Auch der umfassend restaurierte Speicher auf dem Gelände des Kreismuseums hat ein Plätzchen im Kalender gefunden.

Der ist „in der Aufwändigkeit herausragend“, so Riepshoff. Gleichwohl würde eine Restaurierung heutzutage zu einem ganz anderen Ergebnis führen. „Es geht vieles von der Aura eines 400 Jahre alten Originals verloren“, sagt Kreismuseumsleiter Dr. Ralf Vogeding. Stattdessen geht man heute dazu über, die Nutzung und Verwitterung der Jahrhunderte sichtbar zu lassen. „Das zeigt den Charme der originalen Bausubstanz“, erläutert Vogeding.

Ein Dutzend hübsche Beispiele für diese These warten auf den Kalenderkäufer oder -beschenkten. Und wenn der Kalender sich gut verkauft, gäbe es noch eine ganze Reihe weiterer Themen, die sich für künftige Kalender des Bauernhaus-Archivs anbieten.

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