154 Betriebe haben in nur fünf Jahren aufgegeben

Bauern auf dem Rückzug

Kreislandwirt Wilken Hartje - Foto: Seidel
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Kreislandwirt Wilken Hartje 

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Nicht allein an einer Zahl, sondern an der Dynamik in den Dörfern macht Kreislandwirt Wilken Hartje den gravierenden Strukturwandel in der Landwirtschaft fest: „Früher gab es in einem Dorf noch zwischen zehn und 15 Bauern. Heute gibt es in manchen nur noch einen – und der wirtschaftet im Nebenerwerb“, stellt Hartje fest. Fakt ist, dass der Landkreis Diepholz in nur fünf Jahren sage und schreibe 154 Betriebe verloren hat.

Gab es 2011 noch 2.356 Landwirte im Landkreis, so waren es zum Jahresende 2016 nur noch 2.202. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche ist dagegen nur marginal geschmolzen – nämlich von 131.689 Hektar auf 129.519 Hektar. Der Betriebs- und Flächenvergleich beweist den Trend zu immer größeren Betrieben. Mehr als 100 Hektar hatten vor fünf Jahren noch 399 Landwirte unter dem sprichwörtlichen Pflug – aktuell sind es 405.

Zum Vergleich: Die Zahl der Landwirte, die nur bis zu 20 Hektar bewirtschaften, sank binnen fünf Jahren um 45 (von 979 auf 934), ist in der aktuellen Ausgabe des Heftes „Landwirtschaft in der Region Diepholz/Nienburg“ nachzulesen.

Strukturwandel auch in den unterschiedlichen Wirtschaftszweigen: Lebten vor fünf Jahren noch 249 Bauern von der Zuchtschweinehaltung, also der Ferkel-Erzeugung, sind es aktuell nur noch 135. Sage und schreibe 114 Betriebe haben aufgegeben – also fast die Hälfte. Wilken Hartje begründet das mit den enorm veränderten Haltungsvorschriften und den damit notwendigen Investitionen.

Weniger Landwirte halten mehr Tiere

Und Mastschweine? Immer weniger Landwirte halten immer mehr Tiere in ihren Ställen. Denn die Zahl dieser Betriebe ist zwar von 705 auf 503 gesunken – und damit um 202. Allerdings ist die Zahl der Mastschweine pro Betrieb von im Schnitt 589 auf 709 gestiegen – also um 120.

Rückzug auch bei den Rinderhaltern. Ihre Zahl sank von 935 auf 793 – also um 142. Dass der Milchpreis nicht annähernd die Produktionskosten deckte, hatte im vergangenen Jahr immer wieder Schlagzeilen gemacht. Die Entwicklung der Milcherzeuger belegt diese Misere. 

Binnen fünf Jahren war die Zahl der Milchkuhhalter von 451 auf 348 gesunken – also um 103. Im gleichen Zeitraum war die Zahl der Milchkühe jedoch von 28.689 auf 31.126 gestiegen. Will heißen: 2.437 Kühe mehr produzieren im Landkreis Diepholz das wertvolle Lebensmittel – und das in immer größeren Ställen. Standen dort 2011 im Schnitt noch 63 Kühe, so sind es aktuell 89, also 26 mehr.

Das ist ein Beweis für den Versuch, den desolaten Milchpreis über die Menge auffangen zu wollen. „Der Milchpreis hat ein anderes Niveau erreicht“, beschreibt der Kreislandwirt eine Verbesserung. Das Ziel – ein fairer Preis für die Erzeuger – sei aber noch nicht erreicht.

Zahl der Schaf- und Ziegenhalter gesunken

Gesunken ist übrigens auch die Zahl der Schaf- und Ziegenhalter – konkret von 184 mit 11.590 Tieren auf 143 mit 11.580 Tieren.

Buchstäblich im Galopp gestiegen dagegen die Zahl der Pferdehalter. Waren es vor fünf Jahren noch 476 mit 4.187 Tieren, so sind es aktuell 483 mit 4.458 Tieren – ein Beleg für den Wandel der Freizeitgestaltung.

Unabhängig davon: Dass junge Landwirte heutzutage andere Schwerpunkte setzen als früher, stellt Wilken Hartje mit Blick auf eine ganz andere Dynamik fest: „Das Landvolk Mittelweser sucht dringend junge Ehrenamtliche!“ Bisher ohne Erfolg: „Es finden sich in der Region keine Landwirte mehr, die sich für Politik oder Genossenschaften interessieren.“

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