Stadt verkauft verbilligte Grundstücke / Soziale Komponente

Bauen nach Punkten

Jana Speer (l.) und ihre Chefin Bürgermeisterin Suse Laue sitzen hier unmittelbar vor den beiden Grundstücken, die die Stadt Syke im Baugebiet Nördlich der Moorheide verkaufen möchte.
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Jana Speer (l.) und ihre Chefin Bürgermeisterin Suse Laue sitzen hier unmittelbar vor den beiden Grundstücken, die die Stadt Syke im Baugebiet Nördlich der Moorheide verkaufen möchte.

Syke – Zwei voll erschlossene Grundstücke in einem Neubaugebiet und ein bebautes Grundstück in der Neustadt möchte die Stadt gerne verkaufen – und zwar deutlich unter Wert. Dafür gibt es ein Bewerbungsverfahren mit einer sozialen Komponente.

Geld zu verschenken hat die Stadt eigentlich nicht, angesichts wegbrechender Steuereinnahmen nach neun Monaten Lockdown. Um die 2,5 Millionen Euro dürften am Jahresende wohl in der Kasse fehlen. Trotzdem verzichtet sie hier auf eine ganze Menge Geld. „Wir machen das ganz bewusst“, sagt Bürgermeisterin Suse Laue. „Wir möchten Familien mit Kindern oder in besonderen Lebenssituationen die Möglichkeit geben, sich in Syke ein Haus bauen zu können.“

Damit das am Ende auch so kommt, gibt es für die Grundstücke ein Bewerbungsverfahren mit einem Punktesystem. Alleinerziehende bekommen zum Beispiel mehr Punkte. Wer seine familiären Wurzeln in Syke hat, bekommt mehr Punkte. Die Anzahl der Kinder im Haushalt spielt eine Rolle, und wer noch nie ein eigenes Grundstück gehabt hat, bekommt ebenfalls einen Bonus.

Wer für eines der drei Grundstücke den Zuschlag bekommt, verpflichtet sich erstens, es innerhalb von drei Jahren zu bebauen und zweitens, mindestens fünf Jahre selber dort zu wohnen. Auf diese Weise will die Stadt vermeiden, dass diese verbilligten Grundstücke zu Spekulationsobjekten werden.

Oder besser: „vergünstigte“ Grundstücke. Denn billig sind sie trotz allem auf keinen Fall. 210 Euro pro Quadratmeter ruft die Stadt für die beiden Parzellen in Barrien auf. Und die sind jeweils gut 700 Quadratmeter groß.

Das Grundstück in der Neustadt gibt’s zum Festpreis von 162 060 Euro (wo die 60 Euro herkommen, konnte selbst Suse Laue auf Nachfrage nicht erklären). Das klingt bei knapp 900 Quadratmetern Grundstücksgröße zuerst mal nach einem echten Schnäppchen – hat aber einen dicken Haken: Da steht noch ein Haus drauf, und das ist in einem ziemlich maroden Zustand. „Bei einem Gebrauchtwagen würde dann da drunterstehen: Für Bastler“, sagt die Bürgermeisterin. Grundsätzlich wäre es zwar sanierbar, aber nur mit enormem Aufwand. Für die Stadtverwaltung ist das ein Fall für die Abrissbirne.

„Für Bastler“: Das Haus an der Südstraße 60 in der Syker Neustadt ist eigentlich ein Fall für die Abrissbirne.

Das Haus steht an der Südstraße 60 und ist in den 50er Jahren gebaut worden, wie die ganze Siedlung. Die aus dieser Zeit noch weitgehend erhaltene einheitliche Optik der Neustadt soll erhalten bleiben. Deshalb wären nach einem Abriss nicht alle Formen der Neubebauung erlaubt. Zum Beispiel keine Mehrparteienhäuser.

„Es gibt einen Besichtigungstermin“, sagt Rathaus- Mitarbeiterin Jana Speer. „Am 17. Juli von 9 bis 11 Uhr.“ Das ist ein Samstag.

Das Bewerbungsverfahren läuft bereits und endet am 18. August. Bei Punktegleichheit entscheidet das Los. „Wir glauben, dass sich viele bewerben werden“, sagt Suse Laue. „Wir hören es von den Ortsbürgermeistern und wir haben selber immer wieder Anfragen im Rathaus: Leute suchen Baugrundstücke. Und sehr oft sind das Leute, die früher mal in Syke gelebt haben, die hier aufgewachsen sind und dann zur Ausbildung weggegangen sind und jetzt wieder nach Syke zurück wollen.“

Online-Bewerbung

www.syke.de

(Für das Ausfüllen des Online-Formulars ist der Login über ein Bürgerkonto erforderlich)

Von Michael Walter

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