Begehungstour durch die Innenstadt

Barrierefreiheit in Syke: Viele Geschäfte nur über Stufen zugänglich

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SPD-Mitglieder und Bewohner des Seniorenheims testen die Innenstadt.

Syke - Christiane Hagen ist 54 Jahre alt. Bei ihrer Geburt hatten die Ärzte prophezeit, dass sie nicht lange leben würde. Aufgrund einer physischen Fehlbildung. Dann wurde sie als Einjährige von einem Ehepaar aus Syke adoptiert. Und ohne ihre Mutter und ihren Vater wäre sie wohl heute nicht da, wo sie ist. Ja – sie braucht einen Rollator. Aber sie lebt ohne feste Betreuung, sie ist gereist, sie fühlt sich fit. Und vor allem ist sie politisch aktiv. Sie setzt sich seit vielen Jahren im Ortsverein der SPD für mehr Barrierefreiheit ein.

So auch am Montagnachmittag, als sie gemeinsam mit anderen SPD-Mitgliedern und Bewohnern des DRK-Seniorenheims eine Runde durch die Innenstadt drehte. „Wir wollten uns ein Bild von der Lage machen“, erklärte auch Nilüfer Türkmen, Ortsvereinsvorsitzende der SPD in Syke. Auch sie ist am Montag Rollstuhl gefahren. Nur so, da ist sie sicher, erfahre man wirklich, was Barrierefreiheit bedeute und wo es mangele.

„Auf meinen Reisen habe ich gesehen, was im ganzen Bundesgebiet noch zu tun ist“, berichtete Hagen. Doch wichtig sei vor allem die Arbeit vor Ort. Dort könne man etwas bewirken.

Oft kam die Gruppe problemlos voran, an einigen Stellen mussten die Rollstuhlfahrer aber kämpfen. Gerade an den großen Straßen sind die Bürgersteige zur Seite abfallend, und man driftet immer wieder Richtung Straße ab, meinte Türkmen.

Ein weiterer negativer Punkt: „In viele Geschäfte kommt man nur über mehrere Stufen.“ Gerade auch in gastronomische Betriebe. Daran sei deutlich zu erkennen, dass Menschen mit Handicap nach wie vor systematisch ausgeschlossen werden, oder zumindest nicht in das alltägliche Leben einbezogen werden, vergessen werden. Und dagegen müsse endlich was getan werden, bestärkte auch die Vereins-Beisitzerin Liane Brockmann die Aktion.

Ein weiterer Punkt, den Hagen nannte, sind die Gehwege in den Wohngebieten. „Ständig werden Fahrbahnen erneuert, an uns denkt niemand.“

Hagen erzählte, dass sie vor vielen Jahren noch „Stammgast in Psychokliniken“ gewesen sei. Warum? „Weil ich gemobbt wurde. Im Kindergarten, in der Schule und danach.“ Immer auf Hilfe angewiesen und ausgegrenzt.

Und dann beschloss sie, sich zu engagieren, um es nicht nur für sich möglich zu machen, ein selbstbestimmteres Leben zu führen, sondern auch für andere Menschen mit Handicap. „Ihresgleichen“, wie sie sagt.

Mal sehen, was nun aus den Erkenntnissen gemacht wird, die bei dem Spaziergang gewonnen wurden.  

sil

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