Barrier Seniorenheim kann Versorgung der Bewohner nicht mehr gewährleisten

Opfer des Pflegenotstands: „Verdener Brake“ macht zu

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Aus nach mehr als drei Jahrzehnten: Das Seniorenpflegeheim „Verdener Brake“ schließt in diesen Tagen seine Pforten.

Barrien - Von Frank Jaursch. Die Nachricht traf die Bewohner und Angehörigen wie ein Schock: Quasi von jetzt auf gleich schließt das Seniorenpflegeheim „Verdener Brake“ seine Türen. Die meisten der 17 Bewohner haben die Barrier Einrichtung bereits verlassen.

Ein akuter Personal-Notstand hat die Betreiberin Jutta Schumann zum Handeln gezwungen. „Uns sind in kurzer Zeit drei Fachkräfte ausgefallen“, berichtet sie – teils aus Krankheitsgründen, teils durch Kündigung.

Mit nur zwei verbliebenen examinierten Kräften war das Arbeitspensum nicht mehr zu schaffen. „Wie soll man da 24 Stunden Versorgung gewährleisten?“, fragt Pflegedienstleiterin Andrea Winkelmann.

Der Arbeitsmarkt für Fachkräfte ist seit Längerem abgegrast, neue Mitarbeiter sind schwer zu bekommen. „Es findet ein regelrechter Wettbewerb um das Personal statt“, sagt Schumann. Das gilt für die Fachkräfte, aber mittlerweile auch schon für Pflegehelferinnen: „Die Unternehmen bewerben sich jetzt bei den Mitarbeitern – und nicht umgekehrt“, erklärt Winkelmann.

Weil man aber eine „ordentliche Versorgung der uns anvertrauten Menschen“ gewährleisten wolle, habe man sich aktiv zur Schließung entschlossen. „Dieser Schritt“, sagt Jutta Schumann, „ist niemandem leicht gefallen.“

Seit mehr als 30 Jahren schon werden in dem Haus pflegebedürftige, zum Teil demente Personen gepflegt. Vor 19 Jahren hat Schumann das damalige „Haus Ukena“ übernommen. Das Haus sieht weder von außen noch von innen aus wie eine klassische Pflegeeinrichtung: keine langen Flure oder Gänge, eine etwas verwinkelte Treppe. „Darum kamen die Menschen zu uns – weil wir klein und gemütlich waren“, sagt Schumann.

Auch die Arbeit für die Pflegekräfte war aus diesem Grund mehr als nur der normale Job: „Wir haben alles gemacht“, berichtet Andrea Winkelmann mit einem Schmunzeln, „Glühbirnen ausgewechselt, Wäsche gewaschen, gemeinsam gekocht…“

„Wir waren wie eine große Familie“, ergänzt Christa Bodenstab. Sie war schon als Pflegekraft tätig, als die Einrichtung im Jahr 1996 ihren Eigentümer wechselte. Und blieb dem Heim sogar nach Beginn des Ruhestands erhalten.

Nicht nur ihr ging die Entscheidung der Heimleitung sehr nahe. „Es sind viele Tränen geflossen“, berichtet Andrea Winkelmann, „bei den Bewohnern, bei den Angehörigen und bei den Mitarbeitern.“ Einige wohnen seit mehr als zehn Jahren in der „Verdener Brake“. „Das hier ist schließlich ihr Zuhause.“

Die 17 Bewohner müssen nun notgedrungen umziehen. Fünf von ihnen sind im Pflegeheim „Haus Drei Linden“ in Bassum untergekommen, in dem Jutta Schumanns Sohn Lars Schumann Geschäftsführer ist. Für die meisten anderen Senioren haben die Angehörigen Lösungen in der Umgebung gefunden. Zwei Bewohner leben derzeit noch in dem Haus.

Und was wird aus den Mitarbeitern? „Alle haben ein Angebot zur Weiterbeschäftigung im Haus Drei Linden oder beim ambulanten Pflegedienst Weyhe erhalten“, erklärt Lars Schumann. „Wer will, hat morgen einen neuen Job“, fügt seine Mutter hinzu. Gerade für das Bassumer Haus wäre eine solche Übernahme eine gute Lösung – weil die neuen Bewohner dort auf bekannte Gesichter von der „Verdener Brake“ treffen würden.

Jutta Schumann trifft die Entscheidung, das kleine Seniorenheim zu schließen, sichtlich. Sie sieht einen großen Teil der Schuld in der Pflegepolitik in Niedersachsen und Deutschland. „Es sind die Rahmenbedingungen, die hier das Licht ausmachen.“

Lars Schumann pflichtet ihr bei: „Das hat die Politik verbockt – mit ihrem Protektionismus.“ Das Aus für die „Verdener Brake“ ist nach ihren Aussagen nur ein Anfang. „Die Branche“, orakelt er, „wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren explodieren.“

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