Notwendigste Reparaturen

Barrier Bad: Stadt Syke gegen langfristigen Erhalt

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Das Barrier Bad soll nur notdürftig repariert werden.

Keine Sanierung des Barrier Hallenbads, sondern nur noch „mittelfristiger Erhalt“ und die notwendigsten Reparaturen: So lautet die Empfehlung der Stadtverwaltung zum Thema Barrier Bad für die Ratssitzung am Donnerstag.

Syke - Peer Schmidt, Vorsitzender des Fördervereins Barrier Bad (FVBB), fühlt sich vor den Kopf gestoßen. Bereits im September hatte er ein Konzept vorgestellt, mit dem der Verein das Bad so sanieren will, dass es für die nächsten 30 Jahre mit dem normalen Wartungsaufwand weiter zu betreiben wäre. Die Stadt Syke würde das laut Schmidt nicht mal eine halbe Million Euro kosten plus eine Bürgschaft für den Verein. Das wäre die Gegenfinanzierung für die Fördergelder, die der Vorstand beantragen will. Den Rest der Gesamtsumme – der Verein kalkuliert mit etwa 1,6 Millionen Euro – will der FVBB in Eigenleistung erbringen sowie über ein Darlehen. Für das wäre die Bürgschaft der Stadt als Absicherung erforderlich. Dieses Konzept sei tragfähig und beschlussreif, betont Schmidt. Und seit er es eingereicht hat, ist ihm viel zu wenig passiert.

„Es stellt sich für uns heute so dar, dass seitdem die Verwaltung versucht, eine inhaltliche Diskussion zu umgehen“, sagt Peer Schmidt jetzt in einem offenen Brief. Er kritisiert: In den Unterlagen, auf deren Grundlage der Rat über diese Frage entscheidet, gebe die Stadtverwaltung den Sachverhalt nur unvollständig wieder. Vor allem werde darin der Eindruck erweckt, es gebe einen älteren Ratsbeschluss, laut dem die Stadt auf Dauer keine zwei Hallenbäder unterhalten soll. Den gibt es aber nicht, sagt Schmidt.

Zuschuss der Stadt Syke für Barrier Bad: Rund 70.000 Euro

Auch sei es zumindest einseitig, wenn die Stadt wiederholt betone, dass sie den Betrieb des Bads jedes Jahr mit 70 000 Euro Zuschuss unterstütze. Dem stünden auch Einnahmen und gesparte andere Kosten gegenüber. Würde man die verrechnen, betrage der jährliche Zuschuss tatsächlich nur knapp 10 000 Euro.

„Die jetzige Betriebsform beweist, dass sich ein Hallenbad wirtschaftlich und sozialverträglich betreiben lässt“, sagt Schmidt. Nur begrenzt könne sein Verein allerdings „die jahrzehntlange Flickschusterei an der Bausubstanz und technischen Ausstattung“ auffangen.

Die Stadtverwaltung hat in diesem Zusammenhang wiederholt auf den großen Investitionsstau verwiesen, dem sie sich gegenübersieht. Allein die Sanierung von Hallenbad Syke, Grundschule Barrien und Grundschule Heiligenfelde – diese Vorhaben sind bereits beschlossen und in Planung – kosten zusammen etwa 16 Millionen Euro. Stand jetzt, wahrscheinlich wird's am Ende deutlich mehr. Und in der Warteschlange stehen Vorhaben für nochmals mindestens zehn Millionen Euro. An der Olympiahalle, der Realschule und der Grundschule am Lindhof muss die Stadt dringend sanieren. Heiligenfelde braucht ein neues Feuerwehrhaus und mindestens ein weiterer neuer Kindergarten wird noch gebraucht. Und die Stadt argumentiert: Angesichts dieser Summen könne sich Syke die vom FVBB beantragte halbe Million nicht leisten.

CDU-Fraktion stimmt für 250.000 Euro Investitionen in Barrier Bad

Die CDU-Fraktion im Syker Rat folgt dieser Einschätzung und stellt den Antrag zur Abstimmung, den sie vor Weihnachten schon vorgelegt hatte: 250.000 Euro, verteilt auf zehn Jahre, für Investitionen in Bausubstanz und Technik, verbunden mit der Zusage, eventuelle größere Reparaturen zusätzlich zu bezahlen. Für Peer Schmidt lediglich die Fortsetzung der Flickschusterei der vergangenen Jahrzehnte.

Die Freie Wählergemeinschaft hat einen Antrag vorgelegt, der dem Konzept des Fördervereins entspricht.

Die FDP dürfte vermutlich mit der CDU stimmen, mit der sie eine gemeinsame Gruppe im Rat bildet.

Noch nicht geäußert haben sich SPD und die gemeinsame Gruppe Grüne/Linke.

Kommentar zum Thema: Was ist es uns wert?

Von Michael Walter.

Man darf sich da nichts vormachen: Wenn der Rat der Stadt am Donnerstag über knapp 500.000 Euro für den Förderverein Barrier Bad beschließt, geht es um nicht mehr und nicht weniger als um die Zukunft des Bads selbst. Sagt der Rat Nein, kann er damit rechnen, dass ihm der Förderverein seinen Kram vor die Füße wirft. 

Sprich: Dass er das Bad an die Stadt zurücküberträgt. Dann könnte man vielleicht von „beleidigter Leberwurst“ sprechen. Aber das wäre zu kurz gedacht. Denn die Leute vom Förderverein machen die Arbeit der Stadt. Unbezahlt und in ihrer Freizeit organisieren sie den laufenden Betrieb. Und sie haben viel Arbeit in ein Sanierungskonzept gesteckt, das das Bad über Jahrzehnte erhalten kann. Eine halbe Million ist da eigentlich ausgesprochen billiges Geld. Und mal Hand aufs Herz: Eine halbe Million Euro ist eine Größenordnung, über die Verwaltung und Politik nicht einmal groß debattieren würden, wenn es das Hallenbad in Syke beträfe.

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