Besucher sitzen auf der Bühne

Barrier Wassermühle: Mit Trotz in die zweite Jahreshälfte

Die Bremer Band Skupa eröffnet mit ihrem ersten Wassermühle-Konzert das Herbstprogramm.
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Die Bremer Band Skupa eröffnet mit ihrem ersten Wassermühle-Konzert das Herbstprogramm.

Christiane Palm-Hoffmeister ist eine Freundin klarer Worte. „Ein doofes Gefühl“ sei es gewesen, seit März die Wassermühle Barrien nicht mehr bespielen zu können. Jenen „wunderschönen Ort“, an dem schon so viele Künstler ihre Duftmarken hinterlassen haben. Spuren von Corona, auch in Barrien. Ein Programm gibt’s dennoch. Und so schwang bei der Präsentation der durchaus üppigen Auftrittsliste schon eine Portion Trotz mit.

Denn dass es in dem kleinen Veranstaltungsraum mit seinen vielen Ecken und Ebenen auch in diesem Jahr Kultur gibt, ist zunächst mal alles andere als selbstverständlich. Die ohnehin schon überschaubare Zuschauerzahl reduziert sich angesichts der Abstandsbestimmungen weiter. „Mehr als 24 Gäste werden wir in keiner Konstellation hinkriegen“, so Palm-Hoffmeister.

Leicht war’s nicht, räumt die Vorsitzende der Kulturinitiative Rüttelschuh ein. „Zwischendurch war ich kurz davor, hinzuschmeißen.“ Ihre Mitstreiterinnen im Vorstand brachten sie schließlich dazu, weiterzumachen.

Erster Mühlentag in Barrien nach Corona-Pause ein Erfolg

Für das Rüttelschuh-Team war der erste Mühlentag nach Beginn der Krise ein wichtiges Erlebnis. „Die Leute waren begeistert, dass mal wieder was stattfindet“, schildert Christiane Palm-Hoffmeister ihren Eindruck. Und wer kam, habe sich auch auf alle Begrenzungen und Vorgaben eingelassen.

Also knobelte das Rüttelschuh-Team hin und her. „Wir haben diskutiert, verworfen, neu aufgenommen“, schildert Vorstandsmitglied Christiane Decke den Prozess.

Nach Monaten entschied man sich für eine ebenso ungewöhnliche wie kreative Lösung: Zuschauer und Künstler werden – zumindest wenn Einzelkünstler zu Gast sind – die Plätze tauschen. Die Bühne wird künftig ganz in der Nähe des mächtigen Mahlwerks sein und rutscht damit gewissermaßen eine halbe Ebene nach unten. Und das Publikum nimmt künftig in erhöhter Position Platz, dort, wo sich bislang die Musiker austobten. Das gewährleiste den nötigen Abstand und ermögliche beispielsweise auch den Künstlern den Gang an die frische Luft.

Disziplin ist das A und O bei Kulturveranstaltungen

Diese Veränderung erfordert unter anderem ein neues Beleuchtungskonzept – bis September soll es stehen. Das ist aber nur eines von vielen Rädchen, die ineinander greifen müssen, um die Idee der Kulturveranstaltungen in der alten Mühle Wirklichkeit werden zu lassen.

Das Verständnis der Künstler ist ein weiteres. Denen müsse klar sein, dass sie – im Gegensatz zu bisherigen Gepflogenheiten – im Falle eines Auftrittsausfalls keine Gage erhalten, betont Palm-Hoffmeister. „Und die Künstler haben sich darauf eingelassen.“

Und schließlich kommt es ganz gewaltig auf die Besucher an. Disziplin ist das A und O. „Wir tun, was wir können“, sagt Christiane Decke, „aber wir hoffen natürlich, auch unterstützt zu werden.“ Auf die Besucher kommt auch beim Ticketkauf ein etwas komplizierterer Prozess zu. Karten gibt’s nur online. Wer reserviert hat, bekommt die notwendigen Infos für die Überweisung.

Das Prozedere ist ungewohnt. Aber es funktioniert. Die ersten Reservierungen sind längst eingegangen. Palm-Hoffmeister: „Es sieht so aus, als ob die Gäste ganz hungrig auf Kultur sind.“

Barrier Wassermühle gibt Nachholtermine bekannt

Um diesen Hunger zu stillen, stehen gleich elf Veranstaltungen auf dem musikalisch-kabarettistischen Menü der Wassermühle. Von dem leidenschaftlich-eingängigen Balkan-Gypsy-Flamenco der Gruppe Skupa (am 4. September) bis zur Vorpremiere des neuen Programms „Mehr!“ vom brillant-bitterbösen Axel Pätz (am 16. Dezember) ist für (fast) jeden etwas dabei. Die meisten Künstler sind bereits alte Bekannte in der Wassermühle. Drei Veranstaltungen waren im Frühjahr ausgefallen und haben nun einen neuen Termin gefunden. Und auch für eine Kunstausstellung – traditionell in Kooperation mit der Kreissparkasse – ist noch Platz.

„Über die Pausenregelung müssen wir uns noch Gedanken machen“, räumt Christiane Palm-Hoffmeister ein. Ebenso muss es eine Lösung für das stark eingeschränkte Gastronomie-Angebot geben, bis es wieder losgeht. Aber mit dem treuen Stammpublikum, tollen Künstlern und kreativen Veranstalterinnen gibt es sicher für alles eine Lösung.

Das Programm der Barrier Wassermühle bis Ende 2020

Freitag, 4. September, 20 Uhr: Skupa, Leidenschaftlicher „Balkan Gypsy Flamenco“

Donnerstag, 17. September, 20 Uhr: „Feinstaubalarm“, Martin Herrmann, Kabarett

Donnerstag, 24. September, 19 Uhr (Wassermühle und Kreissparkasse): Ausstellung „Kontraste“, Ingrid Seidel & Bernd Romankiewitz

Mittwoch, 30. September, 20 Uhr: Sammy Vomacka, Gitarrenvirtuose

Donnerstag, 8. Oktober, 20 Uhr: Robin Huw Bouwen, Harfenist

Freitag, 23. Oktober, 20 Uhr: „Lassen Sie mich durch, ich bin Oma“, Madeleine Sauveur, Kabarett

Freitag, 6. November, 20 Uhr: Paul Millns, Bluespoet

Sonntag, 15. November, 17.30 Uhr: Jeanine Vahldiek Band, Romantik,Rock und Pop

Freitag, 20. November, 20 Uhr: „All you need is love“, Amme & Müller

Samstag, 5. Dezember, 20 Uhr: Alternativer Nikolaus, Liederjan

Mittwoch, 16. Dezember, 20 Uhr: „Mehr“, Axel Pätz, Kabarett

Von Frank Jaursch

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