Gegen Lebensmittelverschwendung

Bananenschalen als Delikatesse

Bananenschalen braten – das geht, und das Ergebnis bereichert ein Curry oder einen Salat.
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Bananenschalen braten – das geht, und das Ergebnis bereichert ein Curry oder einen Salat.

„Deutschland rettet Lebensmittel!“ In der gleichnamigen Aktionswoche des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft ist Claudia Kay-Rudhardt eine viel gefragte Referentin. Trotzdem ist es der Volkshochschule (VHS) im Landkreis Diepholz gelungen, die Ökotrophologin aus dem Umweltzentrum Hollen für ein Online-Seminar zu gewinnen.

Am Dienstag, dem vorletzten Tag der Aktionswoche, erläuterte sie einem guten Dutzend Verbraucherinnen, wie sie Lebensmittel retten und bares Geld sparen können. Und vor allem, dass vermeintlicher Abfall köstlich schmecken kann.

Kreative Ideen gegen das schlechte Gewissen

Wer hätte gedacht, dass Bananenschalen (mit Butter und Zucker in der Pfanne karamellisiert) eine Delikatesse sind? Oder Apfelschalen (in Zimtzucker gewälzt und im Backofen getrocknet) ein Hingucker auf der Apfeltorte sein können? Kreative Ideen präsentiert Claudia Kay-Rudhardt den Teilnehmerinnen, die eines gemeinsam haben: Ein schlechtes Gewissen, weil – aller sorgfältigen Planung zum Trotz – hin und wieder doch etwas verdirbt.

„Manchmal vergisst man einfach ein geöffnetes Glas“, gesteht eine Teilnehmerin. Oder hat zu viel Obst, das dann den Weg allen Irdischen nimmt. Eine kleine Umfrage unter den Teilnehmerinnen zeigt: Trockenes Brot findet sich in vielen Küchen. „Ich nehme ein altes Brötchen für die Frikadellen“, verrät eine Dame. Eine andere betont: „Wir versuchen, so viele Reste wie möglich zu verwerten.“ Da bekommen auch schon mal Hund und Hühner etwas ab.

Eine solch tierische Alternative haben bei Weitem nicht alle. So berichtet eine Frau mit trauriger Stimme, dass sie zweieinhalb Kilo gekochten Rosenkohl in den Abfall geben musste – weil der erwartete Besuch kurzfristig abgesagt hatte. Außerdem ist in vielen Kühlschränken der Becher viel zu oft noch halb voll: Was tun mit dem Rest Sahne oder Creme fraiche? Mit Lebens-Mitteln, mit „Mitteln zum Leben“, wie es die Referentin formuliert.

800 Millionen Menschen hungern

Die einen haben sie im Überfluss – die andern hungern: „800 Millionen Menschen leiden an Hunger“, berichtet Claudia Kay-Rudhardt. Das müsste nicht sein: „Eigentlich reichen die Lebensmittel, um alle zu ernähren.“ Aber von den sechs Gigatonnen produzierter Nahrungsmittel landen 1,3 Gigatonnen im Abfall, erfahren die Kursteilnehmer. Allein in Deutschland landen rund zwölf Millionen Lebensmittel im Müll – Jahr für Jahr.

Die Kursteilnehmerinnen staunen: 52 Prozent davon füllen die Tonnen der Verbraucher, haben Abfallanalysen und Mülltagebücher ergeben. Aber nur vier Prozent sortiert der Lebensmittelhandel aus. „Und davon geht noch ein Teil an die Tafeln“, sagt Claudia Kay-Rudhardt.

Ganz praktische Tipps vermittelt sie ihren Zuhörerinnen, damit sie den Lebensmittel-Abfall auf das absolute Minimum reduzieren können. Dazu gehört vor allem sorgfältiges Planen: „Vor dem Einkauf die Vorräte überprüfen: Was brauche ich wirklich?“

Manches, was dabei im Kühl- oder Vorratsschrank zum Vorschein kommt, ist trotz Aufdruck wahrscheinlich noch genießbar: „Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verfallsdatum!“ Deshalb ermuntert die Referentin dazu, getrost seiner Nase und seinen Augen zu trauen. Genauso wirbt sie dafür, Reste clever zu verwerten. Die Grillsoße vom Sommer zum Beispiel kann der selbst gekochten Tomatensoße sogar noch einen Pfiff verleihen.

Dann wedelt Claudia Kay-Rudhardt mit einer Eiswürfelform: die perfekte Lösung für Sahne & Co. So kann man die Reste schon portioniert auf Eis legen – und beim nächsten passenden Gericht schnell hervorholen.

Ohnehin ist die richtige Lagerung ein wichtiger Schlüssel: Eier bleiben länger frisch, wenn sie mit der Spitze nach unten im Kühlschrank aufbewahrt werden. Weil Kälte nach oben steigt, herrscht in der unteren Kühlschrank-Etage die kühlste Temperatur. Das sollte bei der Lagerung von Fleisch, Milchprodukten, Obst und Gemüse bedacht werden.

Auch die Obstschale kann clever befüllt werden: „Äpfel stoßen ein Reifegas aus“, erläutert Claudia Kay-Rudhardt. Deshalb sind grüne Bananen gute Nachbarn – nicht aber vollreife: „Diese Bananen sollte man getrennt von Äpfeln lagern“, erfahren die Kursteilnehmerinnen.

Ein weiterer Kniff: Wer nur einen Spritzer Zitronensaft braucht, schneidet die Frucht nur halb an, presst das Gewünschte heraus und nutzt einen Zahnstocher, um die Schnittfläche wieder zu schließen. So im Kühlschrank aufbewahrt, bleibt die Zitrone weiter verwendbar. Wer Bio-Qualität gewählt hat, kann sogar die Schale nutzen: Stücke im Backofen trocknen, dann mit Zucker in den Mixer geben – fertig ist der Back-Zitronenzucker.

Bei Bio-Bananen kann sogar die Schale auf der Zunge zergehen: Klein schneiden, in der Pfanne anbraten und ein Curry damit verfeinern – oder karamellisiert als letzten Pfiff über einen Salat geben. Die Teilnehmerinnen staunen: Aus Kohlrabischalen kann im Mixer mit Öl, Sonnenblumenkernen, Salz, Pfeffer, Knoblauch und Parmesan ein Pesto entstehen. Oder aus trockenem Brot, vermischt mit Milch, Zimt und Zucker ein ganz besonderer Teig: ausrollen, im Ofen backen und daraus süße Croûtons für das Müsli schneiden.

Baisers aus Abtropfwasser

Aus Knoblauch, Öl, Zitrone und Salz lässt sich eine Würzpaste herstellen: „Hält sich ewig lange im Kühlschrank“, hat Claudia Kay-Rudhardt erprobt. Zum gänzlichen Staunen bringt sie die Teilnehmerinnen mit ihrem Rezept für vegane Baisers: Das Abtropfwasser von Bohnen aus der Dose, wie sie ins Chili con Carne gehören, lässt sich aufschlagen wie Eiweiß, versichert die Referentin.

Dass es ihr in dem Kurs gelungen ist, den Teilnehmerinnen das Retten von Lebensmitteln schmackhaft zu machen, beweist am Ende die Reaktion einer Teilnehmerin: „Wir werden gleich erst mal den Kühlschrank checken.“

Von Anke Seidel

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