Ausstellung „Hand aufs Herz“ will dem Thema Sterben das Tabu nehmen

„Ich will noch leben“

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Pastor Wilhelm Tesch: Hand aufs Herz.

Syke - Von Angelika Kratz. Vom Gottestempel in den Geldtempel ist die Ausstellung „Hand aufs Herz“ über das erstaunlich bunte Leben in einem Hospiz gezogen. Nachdem in den vergangenen Wochen die bewegenden Fotos und Texte aufgeteilt in den vier Syker Kirchengemeinden gezeigt wurden, sind sie nun in der Kreissparkasse am Mühlendamm vollständig zu sehen.

Zur Eröffnung begrüßte Ex-Pastor Wilhelm Tesch als Mitbegründer des Syker Hospizdiensts die abendlichen Gäste mit der Bitte, die eigene Hand aufs Herz zu legen. „Wenn es bubbert, ist es schön“, sagte er. Offen und ehrlich über Leben und Tod zu sprechen, dazu fordere die Wanderausstellung der Universität Osnabrück auf.

Gastgeber und Filialleiter Uwe Husmann musste sich erst kürzlich im privaten Bereich mit dem Hospiz auseinander setzen. Entsprechende Gefühle begleiten die 20 Exponate, die nicht nur für Husmann einen ganz besonders nachhaltigen Eindruck vermitteln. „Wir können vor dem Tod nicht weglaufen“, betonte Heide Wolter, Einsatzleiterin des Syker Hospizdiensts. Ihr Dank ging an die ungewöhnliche Möglichkeit, im öffentlichen Raum eines Geldinstituts „Hand aufs Herz“ zu legen, sich auf die individuellen Geschichten von Sterbenden in einem Hospiz einzulassen und so manchen neuen Blickwinkel auf das Ende des Lebens zu entdecken.

Dr. Meike Watzlawik, Hochschullehrerin im Fachbereich der Entwicklungspsychologie in Osnabrück, lehrt heute in Hamburg. In Syke war sie zur Ausstellungseröffnung anwesend und konnte viele Fragen beantworten. Ihre vor wenigen Jahren verstorbene Freundin Birgit Kießling war die eigentliche Ideengeberin zur Ausstellung. Nach der Diagnose einer unheilbaren Krankheit zog sich die Fotografin in ein Hospiz zurück und blühte dort trotz abnehmender Kräfte auf. Mit Meike Watzlawik entstand die Idee, Hospizbewohner zu interviewen und offen über ihr Leben und das Sterben zu sprechen.

„Von 120 angesprochenen Studenten haben sich letztendlich fünf zum Projekt gemeldet“, berichtet Teamleiterin Watzlawik. Mitgebracht haben die überwiegend sehr jungen Beteiligten ein ehrliches Interesse an der Sache und so seien beeindruckende Gespräche entstanden.

„Ein Leitfaden war für alle vorhanden, aber die Schwerpunkte setzte jeder selber.“ Neben der Auseinandersetzung mit dem Tod wurde das vergangene Leben zum Thema, aber auch das völlig neue Leben im Hospiz. „Ich will noch leben. Und darum bin ich hier“, wird eine Dame auf ihrem letzten Lebensabschnitt im Hospiz zitiert.

Das Thema Tod in unserer Gesellschaft zu enttabuisieren, dazu soll die Ausstellung „Hand aufs Herz“ beitragen. „Ich bin gespannt, welche Kundschaft stehen bleibt, denn man kommt ja nicht hierher und erwartet solch ein Thema“, überlegt Heide Wolter vorab.

Freuen würde sich Meike Watzlawik über viele Eintragungen im Gästebuch. Das wurde leider in den Kirchen nicht benutzt, würde aber dem längst in alle vier Winde verstreuten Team der ehemaligen Studenten eine ganz besondere Rückmeldung geben.

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