Ausstand gegen den Wegfall der Klassenfahrten: Syker Gymnasiasten streiken drei Schulstunden lang

Protest gegen den Boykott

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Auf einer mehrere Meter langen Papierrolle schrieben die Schüler nieder, was ihnen ohne Klassenfahrten fehlen würde.

Syke - Von Frank Jaursch. Ungewöhnliches Statement einer Schülerschaft: Drei Schulstunden lang haben gestern die Syker Gymnasiasten gestreikt. Grund für den Ausstand: der Wegfall der Klassenfahrten.

Die Schüler folgten damit einem Aufruf des Landesschülerrats: Die niedersächsischen Schülervertreter hatten zu einem Sitzstreik aufgerufen, um auf den Missstand hinzuweisen. Seit Beginn dieses Schuljahres müssen die Lehrer in Niedersachsen eine Stunde länger pro Woche unterrichten. Um die erhöhte Arbeitsstundenzahl zu kompensieren, boykottieren sie die freiwillige Leistung der Klassenfahrten.

Gegen diesen Boykott richtete sich der gestrige Streik. Allerdings mit einer wichtigen Einschränkung: Die Jugendlichen stellen sich damit explizit nicht gegen die Lehrer und ihre Boykott-Entscheidung. „Es ist sicher doof für uns, was die Lehrer machen, aber es ergibt sich ja aus dem, was die Regierung macht“, erklärt Schülerin Paula Brötzmann.

Der Streik sei vor allem so zu verstehen, dass der Konflikt zwischen Landesregierung und Lehrerschaft nicht auf dem Rücken der Schüler ausgetragen werden solle, erläutert Schülersprecher Bjarne Altenburg. Auf Info-Blättern erläuterte die Schülervertretung das Vorgehen. „Unsere Aufgabe ist es nicht, eine Lösung für einen Konflikt zu finden“, heißt es darin, „sondern auf die Problematik aufmerksam zu machen und somit die Diskussion wieder anzuregen.“

Am Montag hatte sich der Schülerrat der Schule einstimmig für den Streik ausgesprochen; anschließend waren die Klassensprecher in die Klassen gegangen und hatten von dem Vorhaben erzählt. Auch Schulleiter Jan Ziemann erfuhr erst dann von den Plänen der Schüler.

Ziemann wies gestern darauf hin, dass das unentschuldigte Fernbleiben vom Unterricht formell einen Verstoß gegen die Schulpflicht darstelle. Er erklärte aber zugleich, keine disziplinarischen Maßnahmen zu erwägen. „Die Schüler leben damit politische Kultur aus“, fand er durchaus anerkennende Worte für die Aktion.

Die Jugendlichen beließen es gestern nicht bei einem Sitzstreik: Mehrere Aktionen hatten sie auf die Beine gestellt. So ließen sich Schüler vor einem „Green Screen“ ablichten. Der Clou: Mit Computerhilfe wurde den Fotos ein anderer Hintergrund verpasst. Und so fanden sich die Syker schließlich zumindest virtuell vor der Londoner Tower Bridge, beim Brandenburger Tor in Berlin oder beim schiefen Turm von Pisa wieder. Eine Sammlung dieser Bilder von Klassenfahrten, die es nie gab, soll zu einer Collage zusammengestellt werden.

Eine mehrere Meter lange Papierrolle war auf dem Boden der Pausenhalle ausgebreitet. Darauf schrieben die Schüler Erinnerungen an ihre bisherigen Klassenfahrten – und gaben dabei einen Überblick über das, was ihnen durch den Wegfall der Klassenfahrten fehlen würde. „Spaß“ und „Zusammenhalt“ waren die häufigsten Assoziationen, aber auch „soziale Kompetenz“ oder „Selbständigkeit“.

Vor der ersten Stunde hatten die Organisatoren noch ein mulmiges Gefühl gehabt: Wie würden sich die Schüler beteiligen? „Als es das erste Mal klingelte, wussten wir ja nicht, ob die Schüler in die Klassen gehen“, erklärt Schülersprecher Roman Meyer.

Doch die Sorge blieb unbegründet. Tatsächlich beteiligte sich die klare Mehrheit an dem Streik. Die zwölften Jahrgänge, die in einem abgelegenen Trakt gestern Abiturprüfungen schrieben, waren explizit von dem Ausstand ausgenommen. Und auch einige elfte Klassen blieben lieber im Unterricht. Für die Schülervertreter blieb die Aktion dennoch ein großer Erfolg, der ihnen weit über die Kreisgrenzen große Aufmerksamkeit bescherte.

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