Außerirdische im Schwimmbad

Feuerwehrübung simuliert Chlorgasaustritt  im Syker Hallenbad

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Der simulierte Chlorgasunfall im Syker Hallenbad fordert den Feuerwehrleuten einiges ab. Neben ihrer typischen Einsatzkleidung ist auch spezielle Schutzkleidung gefragt.

Syke - Von Horst Meyer. Chlorgasalarm im Syker Hallenbad: Etwa 20 Badegäste und 10 Mitarbeiter evakuiert, mehrere Verletzte. Ein Szenario, das man sich nicht vorstellen mag. Zum Glück handelte es sich am Donnerstagabend nur um eine Übung der Feuerwehr-Kreisbereitschaft.

Frank Kanther und Stefan Wittrock von der Gefahrgutstaffel hatten mit Hallenbad-Leiter Stefan Seebode die Übung ausgearbeitet.

Aber von Beginn an: Um 18.53 Uhr löst ein Sensor im Keller des Bades Alarm aus. Das Personal legt sofort Atemmasken an und informiert die Badegäste im Schwimmbecken sowie zeitgleich die Rettungsleitstelle in Diepholz. Die löst Alarm für die Feuerwehr Syke und den Rettungsdienst aus.

Das Bad ist innerhalb von drei Minuten geräumt. Unklar ist zu diesem Zeitpunkt noch, ob sich noch Gäste im Umkleidebereich aufhalten. Zwei Mitarbeiter werden im Keller vermisst.

Um 19.01 Uhr fährt das erste Fahrzeug der Syker Ortswehr vor. Schwimmmeister Sigi Bengs informiert den Einsatzleiter zu Gefahrstoffen im Gebäude, übergibt Sicherheitsdatenblätter und einen Grundrissplan. Die Ortsfeuerwehr ist für Einsätze in kontaminierten Räumen nicht ausgestattet. Also alarmiert der Einsatzleiter sofort den Gefahrstoffzug. Gleichzeitig geht ein Trupp unter Atemschutz in die oberen Räume, um zu erkunden, ob sich dort noch Personen befinden. Der Trupp findet eine verletzte Kassenmitarbeiterin und übergibt sie draußen an Kollegen. Ein weiterer Trupp findet im Umkleidebereich eine Schwimmerin, die nicht bereit ist, das Bad zu verlassen. Mit sanfter Gewalt wird sie ebenfalls hinaus befördert.

Lea Pünter von der DLRG hatte zunächst die Darsteller im Keller für den Auftritt geschminkt. Nun wehrt sie sich lautstark dagegen, das Bad verlassen zu müssen. Es macht ihr sichtlich Spaß.

Die Ortsfeuerwehr hat inzwischen ein Einsatzzelt aufgebaut und betreut dort die evakuierten Badegäste.

Um 19.29 Uhr trifft der Gefahrstoffzug ein und übernimmt den Einsatz. Um 19.54 Uhr betritt der erste Trupp in Chemikalien-Schutzanzügen das Gebäude. Sie erinnern in den grünen unförmigen Anzügen mit farbigen Markierungen eher an Bewohner anderer Galaxien denn an Hilfskräfte. Zusammen mit einem zweiten Trupp werden die verletzten Personen im Keller gefunden und geborgen.

Einsatzleiter Folkhard Wittrock bei der abschließenden öffentlichen Schlussbesprechung: „Es traten einige kleinere Fehler auf. Die gilt es anzusprechen und künftig abzustellen.“ Er bemängelt, dass für das Hallenbad kein Feuerwehr-Einsatzplan vorliegt. Den müsse die Stadt erstellen.

„Die Evakuierung der Badegäste lief gut ab“, so Stefan Seebode. „Bei der Rettung der Mitarbeiter besteht noch Optimierungsbedarf.“ Die Kommunikation zwischen Einsatzleitung und Badpersonal müsse intensiviert werden. Er wünscht sich eine jährliche Wiederholung dieser Übung, um die Abläufe zu standardisieren.

Weitere Details besprechen die Einsatzkräfte anschließend nicht-öffentlich bei einer Pizza. Die Badegäste wurden für den entgangenen Badespaß mit einer Freikarte für den nächsten Besuch entschädigt.

Als Fazit ist festzuhalten: Badegäste können zeitnah gerettet werden. Bei den Mitarbeitern in den Technikräumen kann es anders aussehen. Bei einem Realeinsatz wären wahrscheinlich zwei Planstellen frei geworden.

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