„Aus Mamas Mund ist Blut gekommen“ 

Neunjährige Tochter sagt im Mordprozess gegen Vater aus

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Der Prozess am Landgericht Verden wird fortgesetzt. 

Verden - Von Wiebke Bruns. Um „den Tag, an dem der Papa die Mama tot gemacht hat“ ging es Donnerstag am Landgericht Verden in dem Totschlagsprozess gegen einen 32-Jahre alten Angeklagten aus Syke. Die neunjährige Tochter musste die Tat mit ansehen und hatte in zwei richterlichen Vernehmungen umfangreich ausgesagt. Ein Videomitschnitt der Aussagen wurde im Gerichtssaal gezeigt. So konnte dem Kind die Aussage im Prozess und die Begegnung mit dem Vater erspart werden.

Der Fernseher im Gerichtssaal 113 war so aufgestellt, dass nur die Verfahrensbeteiligten das Bild sehen können. Die Öffentlichkeit hörte nur den Ton und schon bei den ersten Antworten des sachlich berichtenden Mädchens war klar, dass diese ganz besonders aufgeweckt ist. Für eine im Irak geborene Neunjährige spricht sie geradezu perfekt Deutsch und beantwortete alle Fragen. Eine Amtsrichterin, die sehr behutsam bei der Befragung vorgegangen war, übernahm die Vernehmung.

„Du hast mir bereits von dem schärfsten Messer erzählt“, so die Juristin zu Beginn der zweiten Vernehmung. „Das Messer hatten wir eigentlich für das Fleischschneiden gekauft, aber Papa hat das auch für Streit benutzt.“ Häufig hätten die Eltern um Geld gestritten, das der Vater seiner Mutter in den Irak schicken wollte. Die Getötete habe das nicht gewollt, zumindest nicht in der beabsichtigten Höhe. „Mein Vater hat das Messer genommen und meiner Mama gesagt, dann mache ich dich tot“, wenn sie die Überweisung des Geldes in den Irak verhindern würde.

Mithilfe von Stofftieren wurde in der Vernehmung offenbar die Situation des tödlich geendeten Streits am 23. April nachgestellt. Der stämmige Angeklagte soll seiner Frau das Baby aus dem Arm genommen haben. „Dann hat er Mamas Arm so genommen und sie auf das Sofa geschmissen“, sagt die Neunjährige. Anschließend habe er seine Frau auf den Boden geworfen. „Dann hat er sich so raufgesetzt.“

Dreimal dem Vater gesagt, er solle aufhören

„Aus Mamas Mund ist Blut gekommen. Ich glaube, da lebte sie noch ein bisschen. Dann sollten wir raus und er hat wieder so auf ihr gesessen.“ Dreimal habe sie dem Vater zuvor gesagt, dass er aufhören soll. „Aber er hat weitergemacht.“ Nach der Tat sei er ins Badezimmer gegangen. „Er hat seine Hände gewaschen und gesagt, dass er zur Polizei geht. Dann waren wir alleine zu Hause.“ Kurz darauf kam die Polizei zu ihnen.

Das clevere Mädchen berichtete von einer Überweisung in Höhe von 1 200 Euro in den Irak. „Das werden dort 1300 Euro.“ Für das Geld hätten sie Schmuck bekommen. „Ich durfte meine Ohrringe nicht in der Schule tragen. Dann sehen andere, dass wir Geld haben und dann werden wir bestraft“, habe der Papa ihr erklärt.

Regelmäßig habe sie Prügel bekommen, der zweijährige Bruder jeden Abend, aber am häufigsten die Mama. Weil der Vater die Tochter zu dick fand, habe sie eine Woche kein Brot essen dürfen. Am dritten Tag sei sie morgens beim Kämmen ihrer Haare umgefallen. „Ich hatte solche Bauchschmerzen.“

Ein Dolmetscher übersetzte die Aussage des Kindes. Der Angeklagte, der im Prozess bereits angegeben hatte, die Tat zu bereuen, schaute auf den Bildschirm und zeigte keine Regung. Ganz so als liefe dort irgendein Film.

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