Shakespeare Company im Ratssaal

„Toujours la Piaf“: 148 Zentimeter Genie

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Füße hoch, Schuhe aus, Cognac in der Hand: Zuschauer Uwe lässt es sich bei „Toujours la Piaf“ auf der Bühne gut gehen. Annette Ziellenbach beeindruckt als ebenso resolute wie melancholische Piaf-Haushälterin Danielle.

Syke - Von Frank Jaursch. Sie maß nur 148 Zentimeter groß – und gilt doch als eine der ganz Großen in ihrer Profession: Edith Piaf stand am Dienstagnachmittag im Sitzungssaal des Syker Rathauses im Mittelpunkt. Die Senioren 50Plus hatten zu einer musikalischen Reise durch das Leben des „Spatzes von Paris“ eingeladen.

Rund 100 Besucher verfolgten mit zunehmender Faszination, wie Annette Ziellenbach von der Bremer Shakespeare Company in der Rolle von Piafs Haushälterin Danielle aufging: Danielle räumt nach dem Tod der Piaf noch einmal deren Haus auf. Alkohol, Erinnerungen und Fundstücke vermischen sich zu einem wilden Mix aus Rückblicken. Sie machen deutlich, was für eine außergewöhnliche Persönlichkeit die kleine Sängerin gewesen sein muss. Voller Energie und Großzügigkeit, zugleich fordernd und ungeduldig, inspirierend und melancholisch.

Danielle ist nur acht Zentimeter größer als Edith Piaf, und sie kann all ihre Lieder singen. Es erklingen bekannte Melodien. Von ihrem größten Erfolg „Milord“ über „Padam ... Padam“ zu „La vie en rose“. Und so verwischen im Verlauf des Stückes immer wieder die Grenzen zwischen Edith und Danielle.

Annette Ziellenbach braucht zunächst ein paar Minuten, um ihre Hörerschaft für sich einzunehmen. Doch spätestens als sie einen Zuschauer kurzerhand auf die Bühne nimmt, hat sie das Publikum auf ihrer Seite. Der unverhoffte Nebendarsteller heißt Uwe. Der falsche Name, findet Danielle. „Der Piaf hätte das nicht gefallen.“ Sie hatte ein Faible für Männer mit C oder M im Namen. Egal – Uwe wird zu Yves Montand, Charles Aznavour, Georges Moustaki.

„Non, je ne regrette rien“

Ein Leben auf der Überholspur. Quer durch die Welt. Bürgerliches Leben, sinniert Danielle, wäre nie etwas für die Piaf gewesen. „Das hätte sie grässlich gelangweilt.“ Die Zuschauer hören zu, leiden mit, wie Edith Piafs Leben sich vor ihren Augen ausbreitet. Mit Morphium-Abhängigkeit und Krebserkrankung. Und dem autobiografischen „Non, je ne regrette rien“ – ich bereue nichts.

Jean Cocteau sagte einst über seine Freundin: „Madame Piaf ist ein Genie. Sie ist unnachahmlich. Es hat nie vorher eine Edith Piaf gegeben, und es wird nie wieder eine geben.“ In Syke konnte man am Dienstag zumindest erahnen, warum.

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