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Atom-Gutachten: Landkreis Diepholz nicht tauglich für Endlager

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Von: Anke Seidel

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Der Salzstock in Gorleben ist kein geeigneter Ort für ein Atommüll-Endlager. 1995 war in dem Ort im Landkreis Lüchow-Dannenberg ein Zwischenlager eingerichtet worden. 2020 stellte ein Gutachten dann fest, dass Gorleben für die neue Standortsuche des Bundes keine Rolle spielt.
Der Salzstock in Gorleben ist kein geeigneter Ort für ein Atommüll-Endlager. 1995 war in dem Ort im Landkreis Lüchow-Dannenberg ein Zwischenlager eingerichtet worden. 2020 stellte ein Gutachten dann fest, dass Gorleben für die neue Standortsuche des Bundes keine Rolle spielt. © Philipp Schulze/dpa

Deutschland sucht Orte, um den Atomabfall der Republik zu lagern – dauerhaft. Dabei rücken alle Teile des Landes in den Fokus, auch der Landkreis Diepholz.

Landkreis Diepholz – Ein Endlager für hoch radioaktive Abfälle wird es nach Einschätzung des Geologen Dr. Bernd Klug im Landkreis Diepholz nicht geben. Diese Prognose untermauerte er am Dienstag im Fachausschuss für Kreisentwicklung, Bauen und Umwelt in der FTZ Barrien mit unterschiedlichen Fakten. Während der Sitzung unter Leitung von Heiner Lampe (CDU) kam er zu dem Schluss, dass der Untergrund dieses Lebensraums dafür zu viele geologische Schwachpunkte hat.

Auch die Erdöl- und Erdgasförderung habe im Landkreis Spuren hinterlassen, die ein Endlager höchst unwahrscheinlich erscheinen lassen.

„Mit ganz grobem Kamm“

Hintergrund: Auf der bundesweiten Suche nach dem Endlager für hoch radioaktive Abfälle waren auch Teilgebiete des Landkreises Diepholz als „geeignet in der Fläche“ eingestuft worden – wie mehr als die Hälfte der bundesdeutschen Fläche insgesamt. Dr. Bernd Klug erklärte das so: „Man hat mit einem ganz groben Kamm nach geeigneten Flächen gesucht.“

Ein Endlager im Landkreis Diepholz schließt Bernd Klug „weitgehend aus“.
Ein Endlager im Landkreis Diepholz schließt Bernd Klug „weitgehend aus“. © Seidel

Gemeinsam mit seiner Kollegin Alexandra Koppelberg hatte er die von der Bundesgesellschaft für Endlagersuche benannten Teilgebiete überprüft: Die Terra Geoservice war von der Kreisverwaltung beauftragt worden, per Screening besagter Teilgebiete das Risiko für den Landkreis Diepholz als mögliche Standortregion für ein Endlager abzuschätzen.

Das Ergebnis: „Die Teilgebiete Lias-, Doggen- und Tertiär-Tonstein erscheinen als Endlager-Wirtsgestein im Landkreis ungeeignet aufgrund verschiedener geologischer Schwachpunkte und fehlendem Flächenangebot“, formulierte es Dr. Klug – und fügte hinzu, dass die Teilgebiete Unterkreide-Tonstein und Malm Salz bestenfalls begrenzt geeignet erscheinen würden. Der sogenannte tertiäre Tonstein wäre nur im Norden des Landkreises, in einem Gebiet nordwestlich von Syke, ausreichend mächtig, erklärte der Geologe. Aber bundesweit gebe es „viele, viele bessere“ Bereiche.

Geologe sieht komplexe Störungszonen

Im Landkreis Diepholz sah der Referent grundsätzlich einen „ganz komplexen Untergrund“ sowie „komplexe Störungszonen mit einem breiten Einzugsbereich“ – ganz anders als in anderen Teilen Niedersachsens mit klar abgegrenzten Schichten „wie eine Torte“.

Vor allem aber, so stellte der Geologe klar, setzt die hohe Bohrungsdichte der Erdöl- und Erdgasförderung im Landkreis Diepholz enge Grenzen. Denn pro Bohrung müsse ein Ausschlussbereich von 25 Metern um den jeweiligen Bohrpfad eingehalten werden – und Bohrcluster seien ganz auszuschließen. Ein wichtiges Kriterium ist die sogenannte induzierte Seismizität: durch menschliche Eingriffe verursachte Erdbeben, die kaum oder gar nicht spürbar sind – aber seismisch gemessen werden können.

„Seismische Aktivität kann auch nach Abschluss der Erdgasförderung fortbestehen“, gab Dr. Klug zu bedenken. Die induzierte Seismizität sei im Prozess der Standortsuche bisher nicht behandelt worden: „Der Kamm war dazu zu grob.“ Deutlich engmaschigere Untersuchungen sollen nun folgen. Dass der Landkreis Diepholz als Endlager in den Fokus gerate, „schließen wir weitgehend aus“, lautete am Ende das Fazit des Geologen.

Die Ausschuss-Mitglieder waren sich einig: Die Kreisverwaltung soll auf der Basis des vorgestellten Gutachtens eine ablehnende Stellungnahme an die Bundesgesellschaft für Endlagersuche (BGE) erarbeiten: Der Landkreis Diepholz sei schlicht ungeeignet.

Auf Nachfrage von Ingo Estermann (SPD) erklärte Dr. Klug, dass geologisch gesehen der Bereich Baden-Württemberg für ein Endlager geeignet sein könnte. „Aber das ist meine persönliche Meinung“, fügte er hinzu. Annika Bruck (Grüne) kritisierte eine solche Einschätzung: „Ich wette, jeder Landkreis wird sehr gute Gründe finden, warum er nicht geeignet ist.“ Denn wer wolle so ein Lager schon haben. Deshalb sei eines wichtig: „Je objektiver, umso besser!“

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Wilken Hartje (CDU) fragte sich, ob auf der Oberfläche über einem solchen Endlager Bauernhöfe liegen dürften oder sie umgesiedelt werden müssten. Letzteres wäre nach Auffassung von Dr. Klug „kein K. O.-Kriterium“, wenn es um den idealen Standort ginge und dafür ein gesellschaftlicher Konsens gefunden sei.

Deshalb hoffte Wilken Hartje inständig, „dass dieses Gutachten durchschlagenden Erfolg hat“ – damit man auch zukünftig im Landkreis Diepholz ruhig schlafen könne. „Zumindest, was das angeht...“

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